Bitcoins: Eine digitale Währung sorgt für Schlagzeilen

Immer mehr Anleger fragen sich: Entsteht am Aktienmarkt eine spekulative Blase? Angesichts der niedrigen Investitionsquoten und der moderaten Bewertungen (DAX: KGV 14) kann ich hier noch keine Blase entdecken.

Ganz anders sieht es in anderen Märkten aus. Die größte Blase können Sie am Anleihenmarkt beobachten. Aber auch im Bereich der Währungen und Ersatz-Währungen drohen Fehlentwicklungen.

In den vergangenen Tagen und Wochen fielen mir zum Beispiel vermehrt Artikel zum Thema Bitcoins in die Hände.

Die inflationäre mediale Berichterstattung zu diesem Thema und die rasante preisliche Entwicklung der digitalen Währung sorgen dafür, dass ich auch hier im „Schlussgong“ über diese „Wunder-Währung“ berichten möchte.

Die Definition des Begriffs „Bitcoin“

Meine alte Heimat-Universität, die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster, schreibt dazu: „Bitcoin ist eine innovative Art, digitales Geld im Internet zu etablieren. Es handelt sich dabei um eine elektronische Währung, die ohne zentrale Kontrollinstanz durch eine geschickte Kombination von Kryptografie und verteiltem Lösen schwerer Rechenprobleme sichere, unwiderrufliche Transaktionen sowie Schutz gegen Inflation erreicht.“

Der Duden definiert den Begriff Bitcoin in seiner Ausgabe „Das neue Wörterbuch für Szenesprachen“ folgendermaßen:

„Eine Form von elektronischem Geld, das dezentral auf der Basis eines Computernetzwerks erzeugt wird. Es verbindet Eigenschaften von Bargeld mit solchen von internationalen elektronischen Überweisungen.“

Der Entwickler und die Idee hinter der Entwicklung

Entwickelt wurde der Bitcoin im Jahr 2008 durch den Japaner Satoshi Nakamoto. Über diesen Mann – der eine Art Phantom zu sein scheint – ist neben der Tatsache, dass er dieses System erfunden hat, wenig bekannt.

Er muss jedoch ein Meister der Kryptografie sein, denn andernfalls würde das System der Bitcoins nicht funktionieren. Mit Kryptografie ist in dem Fall die Verschlüsselung von Informationen oder einfach die Konstruktion von Informationssystemen gemeint.

Das größte Problem konventioneller Währungen ist, dass ein hohes Maß an Vertrauen notwendig ist, damit diese funktionieren. Es muss also ein gewisses Vertrauen gegenüber den Zentralbanken herrschen, dass diese die konventionellen Währungen nicht entwerten.

Doch die Geschichtsbücher sind voll von Beispielen, die gezeigt haben, dass im Nachhinein das Vertrauen in die Währungshüter nicht gerechtfertigt war. Nakamoto wollte mit seinem Bitcoin-System ein Währungssystem schaffen, das nicht von Vertrauen und den Notenbanken abhängig ist.

Für das Bitcoin-System haben die Entwickler festgelegt, dass nur rund 21 Mio. Bitcoins in Umlauf gebracht werden sollen. Diese Zahl soll im Jahr 2140 erreicht sein. Das begrenzte Angebot unterscheidet das System von Papiergeldwährungen und macht es theoretisch resistent gegen Kaufkraftverluste.

Wer kann mitmachen und wo bekomme ich Bitcoins?

Mitmachen kann grundsätzlich jeder, der einen Computer besitzt und eine notwendige Software installiert hat.

Bitcoins können Sie entweder auf Bitcoin-Marktplätzen (wie z.B. bitcoin.de) käuflich erwerben, oder Sie können diese selbst erzeugen – was jedoch recht kompliziert scheint.

Wenn Sie Bitcoins selbst erzeugen wollen, müssen diese „ausgegraben“ oder zu neudeutsch „gemint“ werden. Sie als Nutzer können dadurch Geld verdienen.

Voraussetzung für das „ausgraben“ von Bitcoins ist ein leistungsfähiger Computer. Dieser hilft Ihnen dabei, neue sogenannte Blöcke zu finden, durch die neue Bitcoins hergestellt werden.

Das Problem: Erstens scheint dieser Vorgang – wie schon angedeutet – sehr kompliziert zu sein und zweitens wird es mit zunehmender Anzahl an Teilnehmern immer unwahrscheinlicher, neue Bitcoins selbst generieren zu können.

Was mache ich mit Bitcoins?

Sie können Bitcoins beispielsweise über digitale Devisenbörsen (z.B. itBit aus dem Stadtstaat Singapur) in herkömmliche Währungen umtauschen.

Weiterhin ist es teilweise möglich, mit Bitcoins zu bezahlen. Unter anderem Ebay denkt aktuell darüber nach, die digitale Währung als offizielles Zahlungsmittel auf der Ebay-Plattform zu akzeptieren.

Fazit: Eine gute Idee begünstigt eine große Blase

Aus meiner Sicht ist die Idee, ein inflationssicheres Währungssystem zu schaffen, welches nicht abhängig von Notenbanken oder dem Vertrauen in diese ist, eine sehr gute.

Ein Problem jedoch sehe ich vor allem in der viel zu rasanten preislichen Entwicklung der Bitcoins. Im Jahr 2010 kostete ein Bitcoin noch 0,003 US-Dollar. Heute, nur 3 Jahre später, sind es rund 800 US-Dollar.

Diese Entwicklung steht in keinem (gesunden) Verhältnis zur Realwirtschaft. Daher ist die jüngste Euphorie aus meiner Sicht kritisch zu sehen.

Hinzu kommt: Sobald die Summen im Bitcoin-System auch in Dollar umgerechnet ein riesiges Vermögen ergeben, werden die Versuche zunehmen, dieses System zu „knacken“. Theoretisch soll ein Missbrauch nahezu unmöglich sein, aber der Praxis-Test wird spannend.

25. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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