Bitcoins im Aufschwung – doch Vorsicht ist angebracht

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Der Bitcoin befindet sich wieder im Aufschwung. Schon wird ein neues Allzeithoch vorhergesagt. Dabei lässt sich der Kurs nicht vorhersagen. (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Nichts mögen Börsianer so wenig wie Unsicherheit. Wenn die Zeiten unsicher werden, versuchen sie ihr Kapital in einem sicheren Hafen anzulegen. Früher war Gold ein solcher sicherer Hafen, heute wird allenthalben gemutmaßt, dass auch Kryptowährungen diese Funktion in der finanziellen Diversifikation übernehmen können. Zumal mit Kryptos, wie sie im Volksmund verniedlichend gerne bezeichnet werden, viele Nachteile von Gold, allen voran deren einbruchsichere Aufbewahrung, vermieden werden können.

Neues Allzeithoch möglich?

In der Tat hat der Kurs des Bitcoins, der mit Abstand prominentesten Kryptowährung, in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Rally hingelegt. Nachdem erst vor wenigen Tagen die Marke von 10.000 US-Dollar mit Schwung durchbrochen wurde, sind für einen Bitcoin heute bereits mehr als 11.000 US-Dollar auf den virtuellen Ladentisch zu legen. Schon schwärmen die Ersten von einem Überschreiten der bisherigen Allzeithöchstkurse, die im Dezember 2017 mit 19.783 US-Dollar erreicht wurden. Ist dies realistisch?

Zunächst wollen wir uns der Frage widmen, ob Bitcoins tatsächlich als sicherer Hafen und damit in einem Atemzug mit Gold genannt werden sollten. Sichere Häfen sind bekanntlich dadurch charakterisiert, dass sie in stürmischen Zeiten stabil bleiben. Von Stabilität waren Kryptowährungen im März dieses Jahres, als die Finanzmärkte von der ersten Covid-19-Welle erschüttert wurden, aber weit entfernt. Im Gegenteil: Bitcoin, Ethereum, Dash und Co. waren genauso unter Druck wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe.

Kein sicherer Hafen

Bitcoin mag zwar von einer breiteren Öffentlichkeit als sicherer Hafen wahrgenommen werden, trägt jedoch eher die Charakteristika eines spekulativen, risikobehafteten Anlageobjekts. Allerdings eines, das muss man den Kryptos zugutehalten, dessen Korrelation mit anderen Anlageobjekten gering ist.

Unter Korrelation verstehen Statistiker den Grad des Zusammenhangs zwischen zwei Merkmalen, also beispielsweise dem Bitcoin-Kurs und dem DAX. Wenn dieser Zusammenhang negativ ist, wenn also der Kurs des Bitcoins steigt, während der Kurs des DAX fällt – und umgekehrt –, könnten Bitcoins in einer Krise zu Absicherungszwecken eingesetzt werden.

Neuere langfristige Analysen, die in den vergangenen Tagen veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Korrelation zwischen Bitcoins und dem Aktienmarkt zwar niedrig, aber nicht negativ ist. In diesem Fall ist der Bitcoin-Kurs von anderen Vermögenswerten völlig unabhängig, macht sozusagen sein eigenes Ding. Das heißt aber auch: Der Bitcoin-Kurs lässt sich nicht vorhersagen.

Schwarz und weiß, aber kein grau

Trotz vielfältiger Kritik bleiben die Krypto-Aficionados hinsichtlich der Zukunft ihres digitalen Goldes optimistisch. Sie ficht es nicht an, dass sich der Bitcoin-Preis während der Pandemie-Hochphase innerhalb von vier Wochen halbiert hat. Solange nur die Schwankungsbreite in beiden Richtungen hoch bleibt. Skeptiker wiederum bezeichnen diese Einstellung als Wunschdenken. Ihrer Meinung nach sind Kryptos nichts anderes als Lotterielose. Wie schön Börse doch sein kann.

Welche Position Sie auch vertreten wollen, ich rate zur Vorsicht: Menschen sollten Vermögenswerte aus einer Vielzahl von Gründen kaufen und verkaufen. Meines Erachtens ist es ein Fehler, seine Investitionsentscheidungen auf eine einzige, einfache Erzählung zu stützen. Keine Wette ist eine sichere Wette. So bleibt der einzige Vorzug, den Kryptos vor Gold haben, in ihrer Unfähigkeit, von Regierungen beschlagnahmt zu werden. Darin liegt der sichere Hafen’ von Kryptos, nicht im Hinblick auf ihre Preisstabilität. Wer Kryptos kauft, muss gute Nerven haben und bereit sein, schon mal die Hälfte seines Einsatzes zu verlieren.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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