Einen Jahresabschluss präsentieren, den die Bank lieben wird

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Noch wichtiger als die Ratingnote ist den meisten Banken bei der Kreditvergabe die Bilanzanalyse. Deshalb legen Banken wert auf eine […] (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Noch wichtiger als die Ratingnote ist den meisten Banken bei der Kreditvergabe die Bilanzanalyse. Deshalb legen Banken wert auf eine Bilanz, die geprüft ist.

Für den Banker am sichersten ist Ihre Bilanz dann, wenn Sie das Gütesiegel eines Wirtschaftsprüfers oder Steuerberaters trägt. Dieses Gütesiegel heißt Testat.

Kapitalgesellschaften mit mehr als 50 Mitarbeitern, mehr als 3.438.000 € Bilanzsumme und mehr als 6.875.000 € Umsatz sind prüfungspflichtig.

Das heißt: Die Bilanz muss von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert werden.

Wenn keine dieser drei Bedingungen zutrifft und wenn Sie nicht dazu verpflichtet sind, können Sie getrost auf Prüfung und Testat verzichten, da sie nur unnötige Kosten erzeugen würden.

Bei den prüfungspflichtigen (großen) Unternehmen muss der Wirtschaftsprüfer ein sogenanntes uneingeschränktes Testat abliefern. Er bestätigt mit einem festgelegten Wortlaut in seinem Testat, dass er die Bilanz umfassend geprüft hat und auf keine Unregelmäßigkeiten gestoßen ist.

So geht es schneller und preiswerter:

Aber auch für kleinere Unternehmen kann eine Prüfung sinnvoll sein – auch wenn sie nicht zur Prüfung verpflichtet sind. Sie sollten Ihren Abschluss vom Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer testieren lassen, …

  • wenn Ihr Gesprächspartner in der Bank auf Nachfrage deutlich macht, dass ein geprüfter Abschluss mehr Vertrauen erzeugen würde,

  • wenn die Bank als Bedingung für die Kreditvergabe eine freiwillige Prüfung des Jahresabschlusses verlangt,

  • wenn Sie mit Ihrem Unternehmen in einer schwierigen Situation sind. Dann legen Banken besonderen Wert auf zuverlässige Zahlen.

Eine umfassende Prüfung ist bei freiwilligen Testaten nicht immer notwendig. Um Zeit und Kosten zu sparen, sollten Sie Ihre Bank fragen, welches Testat für sie ausreicht. Denn es gibt einfachere Varianten der Prüfung durch den Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer.

Zum Beispiel:

  • Prüfungen, bei denen der Abschluss nur auf offensichtliche Unrichtigkeiten durchgesehen wird.

  • Prüfungen, bei denen der Abschluss auf Plausibilität untersucht wird.

  • Prüfungen auf Grundlage der Buchführung und des Inventars ?

Die Bilanz bildet auch beim Ratingverfahren das Kernstück der bankmäßigen Bonitätsbeurteilung

Bilanzfälschungen von Enron, Worldcom und Xerox verunsichern nicht nur die Börsen, sondern in hohem Maße auch die Banken.

Angesichts dieser Vertrauenskrise sollten Sie größten Wert darauf legen, dass Ihre Bank bei Ihrer Bilanz sicher sein kann, dass die Zahlen und Werte der Realität entsprechen und „stimmen“.

Mittlerweile erfolgt die Bonitätsbeurteilung der Banken anhand diverser Ratingverfahren. Das heißt, dass die Banken derzeit voneinander abweichende Ratingverfahren praktizieren, da es ein einheitliches Ratingverfahren in Deutschland noch nicht gibt.

Im Mittelpunkt eines jeden bankinternen Ratings steht jedoch das Ergebnis der Bilanzanalyse, anhand derer die Banken die wirtschaftliche Situation ihrer Kreditnehmer beurteilen.

Bei den meisten Banken wird im Rahmen des Ratings das Ergebnis der Bilanzanalyse mit 50% und mehr gewichtet und dominiert somit die Ratingnote.

Für Sie bedeutet dies, dass es nach wie vor darauf ankommt, nicht nur eine „gute“ Bilanz vorzulegen, sondern auch eine Bilanz, die den Erfordernissen der bankmäßigen Analyse entspricht und ihr entgegenkommt.

Für die Bank ist in erster Linie wichtig, dass sie dem vorgelegten Zahlenwerk „vertrauen“ kann, das heißt, dass sie davon überzeugt ist, dass die bilanzierten Zahlen auch „stimmen“.

Am ehesten überzeugen Sie die Bank von der Qualität Ihrer Bilanz, wenn diese das uneingeschränkte Testat eines Wirtschaftsprüfers oder Steuerberaters trägt.

Wenn Ihr Unternehmen eine bestimmte Größenordnung überschritten hat und/oder in einer bestimmten Rechtsform geführt wird, sind Sie gesetzlich verpflichtet, Ihre Bilanz prüfen und testieren zu lassen.

Sofern Sie gesetzlich zur Prüfung Ihres Jahresabschlusses verpflichtet sind, haben Sie kein Wahlrecht, sondern sind zur Prüfung „gezwungen“. Welchen Inhalt ein uneingeschränktes Wirtschaftsprüfer-Testat hat, finden Sie auf Seite 11 im Magazin dieser Ausgabe Ihres „Finanzierungs-Berater“.

Mittelgroße Kapitalgesellschaften können auch von vereidigten Buchprüfern oder Buchprüfungsgesellschaften geprüft werden.

Wann eine freiwillige Abschlussprüfung für Sie vorteilhaft sein kann

Freiwillige Jahresabschlussprüfungen lassen Unternehmen, die nicht der gesetzlichen Pflichtprüfung unterliegen, u.a. dann vornehmen, wenn dies in der Satzung oder im Gesellschaftsvertrag vorgeschrieben ist.

Es ist durchaus üblich, dass auch die Kreditvereinbarungen mit der Bank eine solche Prüfung auf freiwilliger Basis vorsehen.

Freiwillige Prüfungen können von folgenden Unternehmen in Auftrag gegeben werden:

  • Einzelkaufleute unterhalb der Grenzen des Publizitätsgesetzes,

  • Personenhandelsgesellschaften mit mindestens einer natürlichen Person als persönlich haftendem Gesellschafter,

  • kleine Kapitalgesellschaften und kleine Kapitalgesellschaften & Co., die keine börsennotierten Wertpapiere begeben haben,

  • Unternehmen in anderen Rechtsformen unterhalb der Grenzen des Publizitätsgesetzes (zum Beispiel Stiftungen, wirtschaftliche Vereine, BGB-Gesellschaften),

  • Tochtergesellschaften, die nach §264 Abs. 3 oder §264b HGB von den Rechnungslegungsvorschriften für Kapitalgesellschaften und Kapitalgesellschaften & Co. befreit sind.

Bei freiwilligen Abschlussprüfungen nach Art und Umfang einer Pflichtprüfung ist wiederum zu unterscheiden, ob der zu prüfende Jahresabschluss aufgestellt worden ist.

Bescheinigungen von Wirtschaftsprüfern bei Erstellung von Jahresabschlüssen

Wenn Sie den Jahresabschluss von Ihrem Wirtschaftsprüfer erstellen und/oder prüfen lassen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, dies zu tun. Je nachdem, welchen Auftrag Sie erteilen, kommt es auch zu einem anderen Testat.

Im Rahmen einer freiwilligen Prüfung können Sie mit Ihrem Wirtschaftsprüfer eine unterschiedliche Intensität der Prüfung vereinbaren.

Sprechen Sie vorher mit Ihrer Bank ab, welche Art der Prüfung und des Testats die Ansprüche der Bank in vollem Umfang erfüllen. Es hat keinen Sinn für Sie, eine Prüfung in Auftrag zu geben, die letztendlich von Ihrer Bank doch nicht akzeptiert wird.

Im Folgenden werden die unterschiedlichen Testate und Prüfungshandlungen dargestellt, so dass Sie sich selbst leicht ein Bild von den verschiedenen Möglichkeiten machen können.

Bestätigungsvermerk bei Erstellung des Jahresabschlusses ohne Prüfungshandlungen

Testat: „Vorstehender Jahresabschluss wurde von mir auf der Grundlage der mir vorgelegten Bücher und Bestandsnachweise sowie der erteilten Auskünfte der … (Firma) … erstellt. Eine Beurteilung der Ordnungsmäßigkeit dieser Unterlagen und der Angaben des Unternehmens war nicht Gegenstand meines Auftrages.“

Der Wirtschaftsprüfer hat die ihm vorgelegten Unterlagen und den von ihm erstellten Jahresabschluss nur auf offensichtliche Unrichtigkeiten durchgesehen.

Achtung: Die Bescheinigung darf nicht mit einem Siegel versehen werden.

In diesem Fall hat die Bank lediglich die Sicherheit, dass Ihr Jahresabschluss auf offensichtliche Unrichtigkeiten durchgesehen wurde. Ein Testat, das für die Bank nur von eingeschränktem Wert ist.

infineon

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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