Bittere Pille für Anleger

Kleinvieh macht auch Mist. US-Pharmakonzern Merck & Co steigert jetzt die quartalsweise ausgezahlte Dividende um 1 Cent auf 0,44 US-Dollar. Damit klettert die Ausschüttung immerhin um 2,3%.

Auch beim Blick auf den Kurs gehört Merck & Co eher zu den gemächlichen Werten – große Kursprünge bietet das Unternehmen nicht, dafür scheint auch das Risiko begrenzt zu sein. Für Anleger, die langsam aber stetig profitieren wollen, könnte Merck & Co also genau das Richtige sein. Grund genug, das Unternehmen einmal genauer anzusehen.

Merck & Co. ist seit der Übernahme von Schering-Plough weltweit die Nummer 2 der Branche. Der Konzern entwickelt, produziert und vermarktet eine breite Palette von Medikamenten für die Anwendungsgebiete Schmerzbehandlung, Dermatologie, Neurologie, Infektionen, Herz/Kreislauf, Cholesterinsenkung, Innere Medizin, Atemwege sowie Spritzen. Das Produkt-Mix klingt vielversprechend. Herz-Kreislauferkrankungen sind auf dem Vormarsch und Einwegprodukte wie Spritzen werden sowieso ständig gebraucht. Doch kam es bei Merck & Co zuletzt zu Problemen.

Wachstum – aber nur in Nischenmärkten

Bei Merck ist das Geschäft mit Asthma- und Diabetes-Medikamenten ins Stocken geraten. Anfang des Jahres ging der Umsatz um 9 und der Gewinn um 8,3% zurück. Vor allem Singulair gegen Asthma ist wegen der Konkurrenz durch Generika unter die Räder geraten. Die Erlöse brachen um 75% auf 337 Mio $ ein.

Auch Januvia gegen Diabetes fand überraschend weniger Abnehmer. Die Verkäufe schrumpften um 4% auf 884 Mio $. Beim Cholesterinsenker Vytorin betrug der Rückgang 11% auf 394 Mio $. Gut lief dagegen das Geschäft mit Impfstoffen. Insgesamt aber sanken die Pharmaerlöse um 12% auf 8,9 Mrd $. Leichte Zuwächse von 2% und 3% gab es in der Tiermedizin und bei Konsumprodukten.

Und auch die sonstigen Erlöse aus Allianzen waren gestiegen. Insgesamt überzeugte das Geschäft außerhalb der Pharma-Sparte mit einem Wachstum von 8% auf 1,78 Mrd $. Regional wuchsen lediglich Osteuropa und Asien außerhalb Japans. Diese Märkte stehen aber erst für 14% des Gesamtumsatzes. Anfang Mai hat Merck zwar die US-Zulassung für den Cholesterinsenker Liptruzet erhalten. Angesichts des zunehmenden Drucks durch Generika sowie negativer Wechselkurseffekte blickte das Management im Frühsommer pessimistischer in die Zukunft als noch zu Jahresbeginn.

Wir setzen auf Alternativen

Schon damals versuchte man, die Anleger mit einem Aktienrückkaufprogramm zu besänftigen. Doch dies ging nur kurzfristig auf. Seitdem fuhr der Kurs für die Verhältnisse eines defensiven Pharma-Werts Achterbahn und schwankte innerhalb einer Kursspanne von 20%. Zuletzt beflügelte die US-Zulassung einer Variante von Noxafil, das gegen Pilzinfektionen eingesetzt wird, den Kurs. Ein Ende der Probleme ist für uns dennoch nicht in Sicht. Trotz höherer Dividende und Rückkaufprogramm setzen wir auf andere Titel.

5. Dezember 2013

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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