BlackBerry-Aktie: Ex-Smartphone-Pionier trotz schwacher Zahlen im Plus

Smartphone-Pionier schließt Transformation erfolgreich ab – kleiner Gewinn trotz Umsatz-Einbruch – Aktie haussiert auf 3-Jahres-Hoch. (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Oftmals sind es nicht die Zahlen an sich, die für Kurssprünge sorgen, viel entscheidender ist, ob die vorgelegten Ergebnisse die Erwartungen der Anleger übertreffen können oder nicht.

Bestes Beispiel ist die Aktie des ehemaligen Smartphone-Pioniers BlackBerry:

Trotz eines massiven Geschäfts-Einbruchs feierten die Investoren die präsentierten Geschäftszahlen mit einem Kurs-Zuwachs von über 12%.

Damit kletterte die Aktie auf das höchste Niveau der vergangenen 3 Jahre.

Wie fielen die Zahlen aus? Wie steht es um die mittelfristigen Perspektiven des US-Konzerns? Was sagen die Analysten momentan zu der Aktie?

Umsatz rauscht um 25% in den Keller

Zuerst die negative Nachricht:

Mit einem Umsatz von 226 Mio. Dollar erzielte der kanadische Software-Anbieter im jüngsten Quartal 25% weniger als im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum.

Allerdings hatten die Anleger mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Sie müssen wissen: Mittlerweile erzielt BlackBerry seine Umsätze primär mit Software- und Service-Dienstleistungen.

Alleine 75% der Gesamt-Erlöse gingen im vergangenen Quartal auf das Konto wiederkehrender Erlöse.

Besonders erfreulich lief es im Bereich mit Firmen-Software: Aufträge der Deutschen Bank und der Nato sorgten für Rückenwind und schoben die Erlöse um 11,5% nach oben.

Besonders auf der Gewinn-Seite waren die Ergebnisse eine richtige Überraschung.

Auf den 1. Blick fiel zwar ein Verlust in Höhe von 275 Mio. Dollar an. Dieser war jedoch auf hohe negative Einmal-Effekte zurückzuführen.

So gingen alleine 149 Mio. Dollar auf das Konto eines Rechtsstreits mit Nokia:

Dabei ging es um ein Lizenz-Abkommen für Smartphone-Technik aus dem Jahre 2012. BlackBerry hat offenbar die Lizenzen nicht gezahlt, die Nokia bereits bilanziert hatte.

Ohne Sondereffekte gelingt der Sprung in die Gewinnzone

Ohne die ganzen Einmal-Effekte erzielten die Kanadier ein Nachsteuer-Ergebnis von 16 Mio. Dollar bzw. 3 Cent je Aktie.

Auch auf der Bilanz-Seite sieht es mittlerweile wieder besser aus:

Abzüglich aller Verbindlichkeiten sitzt Blackberry auf einem Cash-Bestand von 1,9 Mrd. Dollar. Das entspricht beinahe 30% des gesamten Börsenwerts.

Betriebs-System wird eingestampft

Bereits im September hat BlackBerry verkündet, keine Telefone mehr mit dem eigenen Betriebs-System herzustellen – kein Wunder: Der Marktanteil war zuletzt auf 0,1% gesunken.

Jetzt will das Unternehmen auch das Geschäft mit der Software nicht mehr vorantreiben.

Zum Ende nächsten Jahres sollen beide Plattformen (BlackBerry OS und der App-Store BlackBerry World) nicht mehr unterstützt werden.

In Zukunft wird es nur noch Geräte mit dem Google-Betriebs-System Android geben.

Transformation des Geschäftsmodells abgeschlossen

Damit scheint die Umstellung des Geschäftsmodells vorerst abgeschlossen.

BlackBerry hat sich aus der Hardware-Produktion verabschiedet. Die Rechte an der Smartphone-Marke BlackBerry hat sich der chinesische Hersteller TCL Communication Technology gesichert.

TCL kümmert sich um das Design und alle Verkaufs- und Vertriebs-Maßnahmen der Smartphones. BlackBerry steuert auf der anderen Seite seine selbst entwickelten Sicherheits-Lösungen bei.

Entsprechend optimistisch zeigt sich die Konzernführung:

Für das laufende Jahr erwartet der Technologiebetrieb einen Umsatz zwischen 920 und 950 Mio. € und ein positives Ergebnis je Aktie (ohne Sondereffekte).

Kursziel der Analysten schon überschritten

Unterdessen zeigen sich die Analysten zurückhaltend:

  • Von 18 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, rät die Mehrheit (11 Analysten) zum Halten der Aktie.
  • Lediglich 4 Analysten sehen in dem Papier einen Kauf.
  • Und 3 Banker stufen den Titel als Verkaufs-Position ein.

Bei einem erwarteten Gewinn je Aktie von 9,4 Cent für das nächste Geschäftsjahr ergibt sich ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von beinahe 130.

Die Bewertung preist also einen erfolgreichen Turnaround bereits ein. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt mit 11,09 Dollar knapp 9% unter dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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