Blackberry: Smartphone-Hersteller mit tiefrotem Jahresstart

Dass Technologie-Aktien aussichtsreich sind und Sie damit hohe Gewinne einfahren können, ist schon lange kein Geheimnis mehr.

Wenn Sie in der Vergangenheit auf stark wachsende Firmen mit hohen Markteintritts-Barrieren und einer starken Marktposition gesetzt haben (z. B. Apple, Google, Microsoft) konnten Sie sich über hohe Profite freuen.

Aber sich auf dem Erfolg der Vergangenheit auszuruhen, dürfte kein zu empfehlendes Rezept sein. Denn die Märkte der Technologie-Firmen befinden sich in ständigem Wandel.

Bestes Beispiel hierfür ist der ehemalige Smartphone-Pionier Blackberry: Mit einem Börsenwert von nur noch 3,6 Mrd. € ist das Unternehmen nur noch ein Schatten seiner selbst:

Bei einem aktuellen Aktienkurs von unter 7 Dollar liegt der Anteilspreis mehr als 95% unter seinen Höchstkursen aus dem Jahr 2008.

Smartphone-Pionier auf Umwegen

Mit der Erfindung des ersten Smartphones schrieb Blackberry einst Technik-Geschichte. Wer etwas auf sich hielt, hatte einen Blackberry in der Tasche.

1999 läutete der „Blackberry 850“ die Ära der mobilen Kommunikation ein: Das handliche, drahtlose Gerät ermöglichte es den Nutzern, E-Mails abzurufen sowie Kontakte und Termine mobil zu koordinieren. Selbst ein rudimentärer HTML-Browser war integriert.

Der Erfolg mit den aus heutiger Sicht antiquiert wirkenden Geräten war phänomenal. Immerhin setzte Blackberry im Jahr 65 Mio. Geräte im Jahr 2009 ab und verfügte damit über einen beeindruckenden Marktanteil von mehr als 56% in den USA.

Doch irgendwie verpasste der Konzern den Anschluss an die Zeit und wurde von seinen Rivalen regelrecht überrollt.

Im 1. Quartal setzte Blackberry gerade einmal 500.000 Smartphones mit einem Durchschnittspreis von 290 Dollar ab und kommt damit nur noch auf einen verschwindend geringen Marktanteil von 0,2%. Im Vorquartal waren es noch 100.000 Geräte mehr.

Erschreckende Geschäfts-Entwicklung in den vergangenen Jahren

Entsprechend schwach verliefen die Geschäfte in den letzten Jahren. Für Sie zum Vergleich: Im Jahr 2011 kam der US-Konzern noch auf Erlöse von knapp 20 Mrd. Dollar. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es gerade einmal 3,33 Mrd. Dollar.

Von Gewinnen fehlt übrigens jede Spur: Seit 2013 wurden alle 7 Mrd. Dollar an Verlusten eingefahren.

Abschreibungen treiben Ergebnis ins Minus

Auch zum Jahresstart ist noch keine Besserung in Sicht. Im vergangenen Quartal gab es ein Minus von 670 Mio. US-Dollar.

Den Löwenanteil davon verursachten Abschreibungen auf langfristige Patent-Vereinbarungen in Höhe von gut 500 Mio. US-Dollar. Der Umsatz purzelte im 1. Geschäfts-Quartal um 39% auf 400 Mio. Dollar.

Neues Lizenz-Geschäft soll Geschäft vorantreiben

Sollte das Hardware-Geschäft nicht bald in die schwarzen Zahlen kommt, bastelt Firmenchef John S. Chen schon an einer Alternativ-Strategie.

Demnächst will Chen Lizenzen auf einzelne Elemente bei Blackberry entwickelter Technologie wie etwa Antennen-Technik oder Software-Lösungen verkaufen.

Zuletzt brachten die Telefone noch mehr als 1/3 der Blackberry-Umsätze ein. Zugleich bekräftigte Chen, dass er die rund 30.000 Blackberry-Patente lizenzieren und nicht versilbern wolle.

Zugleich will der Konzern in diesem Jahr noch 2 weitere Android-Smartphones auf den Markt bringen. Eines davon wird eine Tastatur haben, das andere nicht. Beide Modelle sollen preislich im Mittelklasse-Bereich angesiedelt sein.

Fundamental spricht nichts für einen Einstieg

Auch wenn sich der Aktienkurs zuletzt wieder etwas stabilisiert hat, ist es für einen fundamental begründeten Einstieg noch deutlich zu früh. Konzernchef Chen muss erst einmal zeigen, dass er die Trendwende auf den Weg bringt.

Solange keine nachhaltigen Gewinne erzielt werden, dürfte der Anteilspreis primär vom Prinzip Hoffnung getrieben werden.

27. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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