Blackout Period in den USA – steigen jetzt die Aktienmärkte?

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Wann dürfen US-Unternehmen eigene Aktien wieder zurückkaufen? Wir erklären, was die Jahresendrallye mit dieser Blackout Period zu tun hat. (Foto: NYC Russ / Shutterstock.com)

Sie haben vielleicht schon davon gehört. Hinter dem Begriff der „Blackout Period“ verbirgt sich in den USA ein Zeitfenster, in dem Unternehmen keine eigenen Aktien zurückkaufen dürfen. Das hängt immer mit dem Zeitraum zusammen, in dem die eigenen Bilanzen veröffentlicht werden.

Wieso dieser Zeitpunkt jetzt für die US-Unternehmen perfekt ist, erklären wir Ihnen gleich. Denn schließlich kann dies zu einem neuem Impuls an den Märkten führen und erklärt auch, warum es so oft eine Jahresendrallye gibt.

Blackout Period verhindert Käufe

Die Spielregeln für den Kauf eigener Aktien sehen folgendermaßen aus: Vier bis fünf Wochen bevor die Quartalszahlen bekanntgegeben werden, dürfen die Aktiengesellschaften keine eigenen Unternehmensanteile kaufen. Erst 48 Stunden nach der Bekanntgabe. Das soll Insider-Trading verhindern. Denn schließlich haben diejenigen, die die Quartalszahlen berechnen, schon vorab Informationen und wissen, wie sich der Aktienkurs verändern könnte.

Doch diese Schonfrist ist jetzt bei einigen Unternehmen bereits vorbei. Apple, Amazon, Netflix haben alle schon ihre Zahlen vorgelegt und können ab sofort mit beiden Händen zugreifen. Das heißt nicht, dass sie es tun müssen. In Regel wird jedoch eingekauft – die Frage ist nur: in welchem Umfang?

NASDAQ Chartanalyse

Betrachten wir dazu den NASDAQ-100. Wie Sie im folgenden Chart unschwer erkennen, wurde hier deutlich Luft abgelassen. Von dem Hoch bei rund 7.700 Punkten sind wir inzwischen 1.000 Punkte gefallen. Da hilft auch kein Fibonacci-Retracement mehr.

Aktuell befindet sich der NASDAQ-100 im Niemandsland und es ist deshalb durchaus möglich, dass wir hier bei dem alten Tief unter 6.300 Punkten aufsetzen. Das 50-Prozent-Retracement konnte zwischenzeitlich einen Gegenimpuls liefern. Auch beim 61,8er Retracement gab es ein wenig Gegenwehr. Doch letztlich konnte niemand den freien Fall verhindern, nur verzögern.

Warum sollten wir also ausgerechnet jetzt wieder nach oben drehen?

Das werden sich auch die Unternehmen fragen, wenn diese jetzt Aktien zurückkaufen dürfen. An deren Stelle würde ich auch erst einmal auf wichtige Marken im Chart warten. Wenn wir noch einmal 400 Punkte fallen, gibt es mehr Aktien für dasselbe Geld. Das würde wiederum für eine massive Gegenbewegung sprechen, wenn wir an diesem Punkt angekommen sind.

Vermutlich werden die Unternehmen aber nicht so viel Geduld zeigen. Ihre Aktienkurse sind schon deutlich gefallen. Aus ihrer Sicht sind das bestimmt jetzt schon Schnäppchen. Deshalb kann es durchaus sein, dass je weiter die Berichtssaison fortschreitet, wir immer mehr Gegenwehr in den US-Indizes erleben werden. In dieser Woche präsentieren 4.045 verschiedene Unternehmen ihre Quartalszahlen in den USA. Nächste Woche sind es sogar 4.262.

Die Schwergewichte, wie Apple & Co. haben bereits vorgelegt. Heute kommen unter anderem Facebook, MasterCard, Coca-Cola, Pfizer und Electronic Arts an die Reihe. Ab Donnerstag bzw. Freitag dürfen diese Aktiengesellschaften dann wieder die eigenen Unternehmensanteile zurückkaufen. Nächste Woche folgen Toyota, Activision, Siemens und BMW.

Es gibt also durchaus Gründe, warum in den kommenden Tagen und Wochen wieder vermehrt US-Aktien gekauft werden könnten. Ob das reicht, um die angeschlagenen Indizes wieder nach oben drehen zu lassen, wird der November zeigen. Der DAX macht aktuell immerhin einen relativ stabilen Eindruck. Die Unterstützungen bei 11.050 und 11.150 halten. Alles darüber ist jetzt die Kür. Idealerweise erreichen wir demnächst die 11.497. Dort liegt noch eine offene Kurslücke im Xetra-Chart.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.