Blackstone: Finanzinvestor auf Einkaufstour – zwei Milliardendeals in einer Woche

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Finanzinvestor Blackstone mit Paukenschlag: Zwei milliardenschwere Übernahmen in nur einer Woche. Einkaufstour des Private-Equity-Investors gewinnt an Dynamik (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Lange Zeit hat sich der US-Finanzinvestor Blackstone zurückgehalten. Während der Rivale KKR seit Ausbruch der Corona-Pandemie reihenweise Übernahmen meldete, war es um Blackstoneruhig geworden. Damit ist nun Schluss: Innerhalb von wenigen Tagen hat der Private-Equity-Konzern gleich zweimal zugeschlagen und zwei spektakuläre Milliardendeals bekanntgegeben.

Wer hinter Blackstone steckt

Bevor wir zu den Megadeals kommen, ein paar Takte zum Geschäftsmodell. Blackstone ist eine an der Börse notierte US-amerikanische Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in New York City. Die Firma ist einer der weltgrößten Investoren im Bereich Alternative Investments. Zu den Tätigkeitsfeldern des Unternehmens gehören Immobiliengeschäfte, Private Equity, sowie Kredit- und Hedge Fonds-Strategien. Das verwaltete Vermögen lag zuletzt bei insgesamt 564 Milliarden Dollar. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte der Finanzmanager bei einem Umsatz von 7,42 Milliarden Dollar einen Reingewinn in Höhe von 2,05 Milliarden Dollar.

Von der Ahnenforschung…..

Nun aber zu den spektakulären Übernahmen: Für 4,7 Milliarden Dollar will Blackstone einen Mehrheitsanteil an der US-Ahnenforschungsplattform Ancestry übernehmen. Für Sie zum Hintergrund: Ancestry.com ist die weltweit größte Plattform, über die Kunden Ahnenforschung betreiben können. Der Konzern sammelt Informationen über Familienstammbäume und zunehmend auch Erbgut für die personalisierte Gesundheitsvorsorge.

…..zum Spezialisten für Erbgut

Ancestry startete 1983 als genealogischer Verlag. 1996 ging das Unternehmen online, 2002 startete Ancestry mit seinem genetischen Angebot. Seit 2006 ist Ancestry mit einem deutschsprachigen Angebot im Internet vertreten. 2012 hatte das Unternehmen 2 Millionen Kunden, davon 20.000 in Deutschland. 2012 startete Ancestry auch mit einem neuen autosomalen Analyseverfahren, das 700.000 genetische Marker erfasst. 2015 überschritt der Anbieter bei seinen Gentests die Millionengrenze und steigerte die Zahl der ProbandInnen nach eigenen Angaben bis 2018 auf 10 Millionen. Inzwischen hat das Unternehmen Daten über das Erbgut von 18 Millionen Menschen gesammelt.

Insgesamt hat Ancestry.com mehr als drei Millionen zahlende Kunden in rund 30 Ländern. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei etwa 1 Milliarde Dollar. Verkäufer sind die Private-Equity-Unternehmen Silver Lake, Spectrum Equity und Permira. Der Staatsfonds von Singapur (GIC), der ebenfalls an dem Unternehmen beteiligt ist, will auch weiterhin eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an dem Ancestry.com halten.

Blackstone bringt Takeda-Deal unter Dach und Fach

Zugleich bringt Blackstone einen milliardenschweren Deal mit Japans größtem Arzneimittelhersteller Takeda Pharmaceuticals in trockene Tücher. Für 2,3 Milliarden Dollar will Blackstone das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten schlucken. Das Unternehmen vertreibt in Japan die bekannten Medikamente Alinamin und Bendex. Takeda selbst befindet sich um Umbruch und richtet nach der 60 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Shire das Unternehmen neu aus. Der Verkauf des rezeptfreien Geschäfts soll den enormen Schuldenberg drücken.

Börsengang eine Option

Blackstone selbst hat stramme Pläne für die gerade angekündigte Übernahme: Geplant sind Investitionen von 50 Milliarden Yen (rund 400 Millionen Dollar) in das japanische Unternehmen. Auf Sicht von drei Jahren soll der Umsatz vor allem Asien über neue Produkte deutlich gesteigert werden. Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei der Einheit Umsätze von 60 Milliarden Yen (rd. 480 Millionen Euro) durch die Bücher. Ein möglicher Exit des Investments soll nach fünf Jahren über einen Börsengang der Sparte erfolgen.

Weitere Deals zu erwarten

Mit den beiden Übernahmen dürfte die Einkaufstour von Blackstone noch lange nicht zu Ende sein. Der Private Equity-Investor sitzt auf reichlich Kapital, um sein Firmenimperium in den kommenden Monaten durch gezielte Zukäufe weiter auszubauen. Wir dürfen daher gespannt sein, wo der Finanzinvestor das nächste Mal zuschlägt.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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