Blase der US-Techaktien wird immer größer

Der Februar-Absturz wieder vergessen zu sein. Der Nasdaq-Index konnte am vergangenen Freitag ein neues Allzeithoch erklimmen. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die Bullenherde treibt die US-Techaktien immer wilder nach oben. Nach der kurzen Korrektur im Februar markierte der technologielastige Nasdaq-Index ein neues Rekordhoch. Und zwar just am 9.3.2018, am neunten Jahrestag der seit 2009 laufenden Monster-Hausse am US-Aktienmarkt. Unglaublich, aber wahr.

Höhenrausch der Amazon-Aktie

Anscheinend sind die Bullen nun bereit, noch extremere und wildere Kurs-, ja Bewertungsexzesse zu erzeugen. Anders kann man das extreme Treiben derzeit kaum mehr in Worte fassen. Kein Wunder also, dass allen voran die Amazon-Aktie den Crash nach oben weiter fortsetzt. Mittlerweile nimmt die Aktie des Versandhändlers die 1.600 Dollar Marke ins Visier.

Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei gut 765 Milliarden Dollar. Und es spielt anscheinend keine Rolle, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit Blick auf den für das Jahr 2018 geschätzten Gewinn bei 177 liegt. Das ist zwar astronomisch hoch, scheint aber niemanden mehr wirklich zu interessieren.

Irrationale Übertreibung bei Netflix

Noch extremer läuft die Netflix-Aktie heiß. Seit dem Jahresanfang 2018 schnellte das Papier um mehr als 65 Prozent nach oben. Dagegen ist selbst Amazon ein extremer Underperformer. Und auch mit Blick auf die Bewertung ist Amazon in Relation zu Netflix ein „Schnäppchen“. Netflix kann nach wie vor keinen freien operativen Cash-Flow erwirtschaften. Im Gegenteil, für das Jahr 2018 wird erwartet, dass operativ zwischen drei und vier Milliarden Dollar verbrannt werden.

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Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt mittlerweile bei knapp 144 Milliarden Dollar. Netflix ist damit deutlich teurer als die am höchsten kapitalisierte Aktie Deutschlands, SAP. Der deutsche Softwaregigant erwirtschaftet aber doppelt so viel Umsatz wie Netflix und gleichzeitig gut vier Milliarden Euro positiven Cash-Flow pro Jahr; indes werden – wie schon erwähnt – bei Netflix Jahr für Jahr Milliardenbeträge operativ verbrannt.

Ja, liebe Leser, nicht zuletzt die fahnenstangenartige Aufwärtsbewegung der Netflix-Aktie erinnert uns in diesen Tagen an die Exzesse am Neuen Markt in deutschen Landen. Und wir alle wissen, was am Ende dieser „Blow-Off“-Phase passierte bzw. passieren wird. Leider wissen wir nicht, wie lange dieser Exzess in der Form noch anhalten wird. Fest steht, dass die von irrer Gier getriebene Bullenherde momentan wilder als je zuvor agiert.

Und damit ist nicht auszuschließen, dass extrem überspekulierte Aktien wie Amazon oder Netflix historisch wahnwitzigste Marktkapitalisierungen erreichen werden, ehe die Blase böse platzen wird.

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.