Blick auf den DAX durch die Röntgenbrille

Der wohl meistbeachtete Index in Europa ist der DAX 30. Er steht, für viele unbewusst, als Synonym für den Performance-Index, denn tatsächlich gibt es auch noch einen Kurs-DAX.

Falls Sie damit nicht viel anfangen können: In den Performance-Index gehen die von den im DAX enthaltenen Unternehmen gezahlten Dividenden als zusätzliche Rendite ein.

Beim Kursindex bleiben diese komplett unberücksichtigt.

Der DAX auf der Waage

Der Performance-DAX hat aber noch eine weitere Eigenheit: Die 30 darin enthaltenen Aktien werden im Index entsprechend ihrer Marktkapitalisierung nach Streubesitz gewichtet.

Der Streubesitz beinhaltet alle Aktien, die sich nicht im Besitz eines Eigentümers befinden, der mehr als 5% der Anteile besitzt.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Der DAX-Stand wird von Kursveränderungen seiner Schwergewichte weit stärker beeinflusst, als von den „kleinen“ Mitgliedern.

Um die Unterschiede für Sie einmal transparent zu machen:

Die 6 schwersten Aktien bestimmen den DAX-Trend zu fast 50%

Eine Bayer-Aktie vereinigt mit 9,27% fast 1/10 der DAX-Gewichtung auf sich. Auf den weiteren Plätzen folgen:

  • Siemens (8,73%),
  • SAP  (8,16%),
  • BASF (8,02%)
  • und die Allianz (7,74%).

Das heißt:

Allein die Top-5 der Schwergewichte bestimmen bereits zu knapp 42% die Kursentwicklung des deutschen Leitindex. Nehmen Sie noch die Daimler-Aktie hinzu, dann sprechen wir von 49,21% Gewichtung!

Somit repräsentieren die 6 größten DAX-Werte bereits knapp die Hälfte der DAX-Bewegungen!

Die 5 kleinsten DAX-Mitglieder – nach Marktkapitalisierung – bringen hingegen zusammen gerade einmal 4,24% auf die Waage!

Daraus folgt:

Nur ein Trend mit breiter Basis ist gesund

Wenn der DAX steigt, dann könnte dies im schlimmsten Fall auf einer guten Kursentwicklung weniger Schwergewichte im Index basieren. Dies würden dann die fallenden Notierungen der übrigen DAX-Werte überkompensieren.

Fänden wir eine derartige Konstellation im DAX vor, dann wäre das gewiss nicht gut für den Aufwärtstrend im Index, da sich sozusagen eine Handvoll Aktien gegen den Abwärtstrend der großen Mehrheit stemmen.

So bestimmen Sie die Trend-Breite eines Index

Natürlich hält die Charttechnik einen Indikator für uns bereit, um die Trend-Breite eines Index zu bestimmen: Dabei handelt es sich um die sogenannte Advance-/Decline-Linie.

Die Advance-/Decline-Linie kumuliert die Differenz zwischen der Zahl der täglich im Kurs gesunkenen und gestiegenen Aktien eines Index.

Sind also an einem Handelstag mehr Aktien im Kurs gefallen als sich verbessert haben, dann gibt die Linie dieses Indikators nach und umgekehrt.

Über einen längeren Zeitraum fortgeschrieben bildet sich in der Advance-/Decline-Linie ein Trend heraus.

Wenn Sie diesen Trend mit dem Kursverlauf abgleichen, lassen sich daraus wichtige Erkenntnisse über das Marktverhalten ziehen.

Advance-/Decline-Linie: Das Röntgengerät der Charttechnik

Es ist fast so, als würden Sie durch eine Röntgenbrille auf den DAX schauen:

Dieser Indikator gibt uns nämlich Aufschluss darüber, ob der Trend des Index nur von wenigen Aktien oder der breiten Mehrheit seiner Mitglieder getragen wird.

Dabei gilt natürlich: Grundsätzlich ist ein Trend aussagekräftiger, wenn er von der breiten Masse getragen wird.

Ein zusätzliches Plus der Advance-/Decline-Linie ist, dass sie, wie der Kursverlauf selbst, “trendiert”.

Entsprechend können wir hier nicht selten Trends feststellen, die bereits vor dem Index selbst Kauf- oder Verkaufssignale generieren.

Schauen wir dazu einmal auf die aktuelle Entwicklung vom DAX 30 und seiner Advance-/Decline-Linie:

dax 30 und advance-decline-linie-05-09-2016

Advance-/Decline-Linie belegt „breiten“ Aufwärtstrend im DAX 30

Bruch des Abwärtstrends war Kaufsignal

Auf den Bruch des im April 2015 initiierten Abwärtstrends (gelber Kreis) hatte ich Sie bereits am 10. August in meinem Beitrag „Wichtige Information für Sie: DAX 30 erreicht Meilenstein“ aufmerksam gemacht.

Auf das am 15. August markierte Jahreshoch folgte eine Konsolidierung im Zuge eines Pull-Backs (Rücksetzers) an die zuvor durchstoßene Abwärtstrend-Linie – soweit die aktuelle Lage im DAX.

Advance-/Decline-Linie bestätigt Kaufsignal im DAX

Die Advance-/Decline-Linie nahm – anders als der DAX 30 – seit dem Allzeithoch im April 2015 die Gestalt einer „Untertasse“ an (violetter Bogen).

Mit dem Jahreshoch im August erreichte der Indikator exakt seinen im April 2015 beim Rekordhoch markierten Bestwert (pinkfarbene Linie).

Das bedeutet: Der DAX muss noch rund 1.670 Zähler steigen, um seine historische Rekordmarke zu erreichen. Die Advance-/Decline-Linie hingegen steht schon jetzt vor dem Sprung auf neue Höhen.

Damit haben Sie einen weiteren Beleg dafür, dass der DAX mit dem Bruch des Abwärtstrends im August ein valides Kaufsignal generiert hat:

Denn der Anstieg im deutschen Leitindex seit Juni wurde nicht nur von wenigen Schwergewichten getragen, sondern von der breiten Masse seiner 30 Mitglieder!

5. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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