Blue-Apron-Aktie: IPO-Desaster setzt sich ungebremst fort

Blue Apron: Der Hello-Fresh-Rivale setzt seinen Firmenchef vor die Tür. Die schwache Geschäfts-Entwicklung lässt den Aktienkurs abtauchen. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Der Markt für Börsengänge hat seine eigenen Gesetze, aber fest steht eines: Bevor Sie bei einem Börsen-Neuling zugreifen, müssen Sie das Geschäftsmodell extrem gut prüfen.

Besonders bei jungen Start-up-Firmen kann dies mitunter schwierig sein.

Bilanzen liegen erst wenige vor, Erfahrungen über die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells in konjunkturellen Schwäche-Phasen gibt es keine und das Management muss sich erst einmal behaupten.

Dass dieser Schuss auch kräftig nach hinten losgehen kann, mussten die Anleger des Anbieters von Kochboxen, Blue Apron, leidlich erfahren:

Obwohl das US-Unternehmen die Preisspanne von 15 – 17 Dollar zum Börsengang bereits auf 10 Dollar gesenkt hatte, stehen die Papiere mächtig unter Wasser.

Gerade einmal 5 Monate ist der Sprung auf das Parkett her.

Doch mit 3,23 Dollar liegt die Aktie bereits 68% unter ihrem Ausgabekurs, den Investoren der 1. Stunde zum Börsengang auf den Tisch legen mussten.

Damit ist Blue Apron auf dem besten Weg das schlechteste IPO in den USA im Börsenjahr 2018 zu werden.

Blue Apron: Mit dem Internet-Versand von Kochboxen zum Erfolg

Das Geschäftsmodell der Firma ist schnell erzählt: Blue Apron will mit dem Versand von Kochboxen über das Internet groß rauskommen.

Die Kunden bekommen also Rezepte und die dazugehörigen Lebensmittel nach Hause geliefert.

Zugleich bietet das Unternehmen einen Weinversand per Abo-Modell an. Ergänzt wird das Geschäftsmodell mit einem Marktplatz für Küchen-Zubehör.

Umsatz steigt – Gewinne: Fehlanzeige

Bisher verläuft die Geschäfts-Entwicklung ausgesprochen wackelig:

Zwar sieht die Umsatz-Steigerung von 77,8 auf 759,4 Mio. Dollar seit 2014 wirklich beeindruckend aus, aber das Wachstum war nur unter einer Ausweitung der Verluste möglich.

Gewinne hat Blue Apron nämlich noch nie erzielt.

Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete der Internet-Konzern einen satten Verlust von 54,9 Mio. Dollar – und damit abermals mehr als in den Vorjahren (2015: 47 Mio. Dollar; 2014: 30 Mio. Dollar).

Kunden-Gewinnung verschlingt Unsummen

Warum die Geschäfte so schwach laufen, liegt auf der Hand, denn das Umsatz-Wachstum konnte nur mit hohen Rabatt-Aktionen erzielt werden.

Die Marketing-Kosten sprangen in die Höhe. Alleine im vergangenen Jahr gingen 18% der Erlöse zur Gewinnung von Neukunden drauf. Zuletzt sind die Kosten nur leicht runtergekommen.

Im abgelaufenen 3. Quartal gab Blue Apron 34,2 Mio. Dollar für Marketing aus. Das entspricht 16,3% der Quartals-Erlöse von 210,6 Mio. Dollar.

Enttäuschend verlief hingegen die Kunden-Entwicklung: Im Jahres-Vergleich sank die Kundenzahl um 6%.

Positiv war hingegen, dass der durchschnittliche Kunden-Umsatz pro Quartal auf 245 Dollar gesteigert werden konnte (Vorjahres-Quartal 227 Dollar).

Firmenchef muss seinen Hut nehmen

Nun gibt es das 1. Opfer der schwachen Entwicklung: Der Mitgründer und Firmenchef Matt Salzberg muss gehen und wird durch den Finanz-Vorstand Brad Dickerson ersetzt.

Ob diese Maßnahme allerdings ausreicht, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen, darf bezweifelt werden, denn die Konkurrenz hängt dem Kochboxen-Spezialisten kräftig im Nacken.

Nicht nur die deutsche Rocket-Internet-Beteiligung Hello Fresh fischt im gleichen Teich, v. a. der E-Commerce-Riese Amazon dürfte eine ernsthafte Bedrohung darstellen:

Spätestens nach der milliardenschweren Übernahme der Bio-Supermarkt-Kette Whole Foods ist klar, dass sich auch Amazon im Markt für Lebensmittel mit Versand über das Internet positionieren wird.

Fazit

Blue Apron steckt in der Zwickmühle. Wenn die Kosten weiter so stark steigen, kann die Firma die Gewinnzone nicht erreichen.

Drosselt der Kochbox-Versender allerdings seine Ausgaben, dann dürfte er seinen schärfsten Konkurrenten das Feld überlassen und überrollt werden.

Für den Moment sorgte die Entlassung des Firmenchefs für eine kleine Erholungs-Bewegung in der Aktie.

Für eine nachhaltige Trendwende gibt es zum jetzigen Zeitpunkt aber wenig Anzeichen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.