BMW Aktie: Prozessfrei für 10 Millionen Euro?

Die Aktien von BMW und VW standen zuletzt wieder unter Druck. Kommen die Münchener ohne Prozess davon? (Foto: Roman Vyshnikov / Shutterstock.com)

Die Abgasaffäre lässt die deutschen Autobauer nicht zur Ruhe kommen. Auch drei Jahre, nachdem die Manipulation von Schadstoffwerten in etlichen Dieselfahrzeugen aus dem Hause Volkswagen bekannt wurde, haben die Hersteller nach wie vor an den Folgen zu knabbern.

An diesem Montag beginnt das erste Musterverfahren gegen Volkswagen und die Porsche SE vor dem Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig. Mehr als 2.000 Kläger fordern von den beklagten Autobauern insgesamt fast 10 Milliarden Euro.

Volkswagen Musterverfahren startet am Montag

In erster Linie geht es dabei um die Frage, wer bei Volkswagen was genau wusste – und wann. Gerade der Zeitfaktor spielt eine entscheidende Rolle. Hätte das Unternehmen seine Anleger früher über die Probleme informieren müssen? Investoren und Anwälte sind sich sicher: ja.

Volkswagen hätte Aktionäre demnach warnen müssen vor dem aufziehenden Unheil, das intern womöglich schon lange vor 2015 erkennbar gewesen sein könnte. Dafür spricht ein Vergleich mit US-Behörden, wonach bereits 2008 bei der Beantragung von Zertifizierungen bestimmter Motorentypen deutlich wurde, dass die strikten Abgasvorgaben in den USA nicht eingehalten werden könnten.

Nach Auffassung der Kläger hätte Volkswagen bereits damals sein Scheitern eingestehen müssen – und nicht erst, nachdem die jahrelange, mutmaßlich vorsätzliche Manipulation durch US-Behörden aufgedeckt wurde.

Gegen zahlreiche hochrangige Manager von VW und einigen Tochtermarken wird namentlich ermittelt, die Prozesswelle dürfte sich trotz der bereits gezahlten Milliardenbußen noch mehrere Jahre hinziehen und weiterhin teuer werden für den Wolfsburger Konzern.

Daimler, BMW und Co.: RekordinvestitionenBMW und Daimler legen neue Rekordzahlen vor und die Automobilindustrie investiert so viel wie nie zuvor. › mehr lesen

Kommt BMW glimpflich davon?

Deutlich glimpflicher könnte demgegenüber Konkurrent BMW davonkommen: Medienberichten zufolge könnte der Münchener Autobauer mit einem Bußgeld in Höhe von rund 10 Millionen Euro davonkommen – ohne Prozess und ohne inhaftierte Manager.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wäre demnach bei BMW nicht vorsätzlich betrogen oder manipuliert worden, vielmehr hätten mangelnde Kontrollen zum versehentlichen Einbau unzulässiger Abschalteinrichtungen bei bestimmten Fahrzeugmodellen geführt.

Mit einer solchen Lesart würde BMW deutlich glimpflicher davonkommen als Volkswagen, die Staatsanwaltschaft könnte dadurch ein Exempel statuieren und eine klare Grenze ziehen in der Bewertung beider Fälle.

Aktien unter Druck

Am Parkett kamen die neuerlichen Schlagzeilen jedenfalls nicht gut an, sowohl die BMW Aktie als auch die VW Vorzugsaktie gaben zuletzt erneut nach. Während sich die BMW Aktie seit Anfang Juli wieder etwas zurückgekämpft hat, kennt die VW Aktie seit Monaten nur eine Richtung: abwärts.

In den vergangenen sechs Monaten hat das Papier gut 12 Prozent an Wert verloren, eine Kehrtwende ist vorerst nicht in Sicht. Analysten sind dennoch mehrheitlich zuversichtlich und raten überwiegend zum Kauf der VW Aktie, die Kursziele bewegen sich dabei nicht selten bei 200 Euro und mehr. Zuletzt wurde das Papier für etwa 140 Euro gehandelt.

Hinsichtlich der BMW Aktie zeigten sich Analysten zuletzt zurückhaltender, die Meinungen gehen hier deutlicher auseinander. Nur vereinzelt trauen Experten dem Papier einen Sprung auf 100 bis 120 Euro zu, der Kurs lag Anfang der Woche bei rund 82 Euro.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.