BMW, Daimler und VW: Autobauer bündeln Kräfte

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Kommt die Mega-Allianz zum Zukunftsthema Autonomes Fahren? BMW, Daimler und VW verhandeln – die Aktienkurse ziehen kräftig an. (Foto: Semmick Photo / shutterstock.com)

Es ist eines der großen Zukunftsthemen der Automobilbranche: autonome Fahrzeuge, die zumindest in bestimmten Fahrsituationen ohne aktives Eingreifen des Fahrers sicher manövrieren können.

Erste Systeme gibt es bereits, doch die Automobilkonzerne forschen seit Jahren an der Verfeinerung der Technologien – und die Konkurrenz schläft nicht: Auch Tech-Unternehmen tüfteln an ähnlichen Plänen, beispielsweise Waymo, eine Google-Schwester unter der Dachmarke Alphabet.

Die Angst, von den Technologiekonzernen womöglich überholt zu werden in puncto Roboterautos, ist groß und nicht unbegründet. Wie Elektroautopionier Tesla bereits vorgemacht hat, können auf entsprechende Nischen spezialisierte Hersteller den alteingesessenen Autobauern durchaus Marktanteile in den jeweiligen Segmenten streitig machen und ihren Wissensvorsprung selbst nutzen oder teuer verkaufen.

Deutsche Autobauer schmieden offenbar Mega-Bündnis

Zudem sind die Entwicklungskosten enorm. Investitionen in ihre Innovationsprojekte haben in den vergangenen Jahren die Bilanzen von BMW, Daimler und Volkswagen belastet. Insofern hat der Gedanke durchaus Charme, der seit einigen Tagen durch die Medien geistert: Demnach schmieden die drei Dax-Konzerne womöglich ein gemeinsames Bündnis, auch große Zulieferer wie ZF, Continental oder Bosch sollen einbezogen werden.

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Es gibt bereits firmen- und branchenübergreifende Kooperationen, etwa zwischen Daimler und Bosch oder zwischen BMW, Intel und Fiat Chrysler. Im Kontext der Detroit Motor Show wurde im Januar darüber hinaus bekannt, dass Volkswagen und der US-Hersteller Ford eine Kooperation anstreben. Diese soll sich zunächst auf die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen richten, perspektivisch jedoch ausgeweitet werden, wobei auch Systeme für autonomes Fahren eine Rolle spielen könnten.

Bislang war lediglich bekannt, dass BMW und Daimler über eine Zusammenarbeit in diesem Bereich verhandeln. Dass mit Volkswagen auch der dritte große deutsche Autobauer involviert sein soll, verdeutlicht die Relevanz des Segments autonomes Fahren, nicht zuletzt auch für den Standort Deutschland: Mit einer starken Allianz könnten Kosten gesenkt und Innovationspotenziale maximiert werden, um sich im internationalen Wettbewerb möglichst weit an der Spitze zu positionieren.

Aktien konnten zuletzt kräftig zulegen

Final entschieden werden soll über das Bündnis im März, bis dahin werden noch Details verhandelt, etwa welche Technologien als Basis dienen sollen oder wem welche Rolle bei dem Projekt zukommt. Offenbar soll die Kooperation zudem für andere Firmen und Hersteller offen bleiben. Das Vorantreiben der Technologien und die Nutzung von Synergieeffekten zur Kostenreduktion scheint dabei als Triebfeder zurzeit stärker als das Konkurrenzdenken untereinander.

Kein Wunder, denn die deutsche Automobilindustrie ist seit dem Auffliegen des Dieselskandals immer wieder in Bedrängnis geraten. Das gilt nicht zuletzt auch für die Aktienkurse: Die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen notieren allesamt zwischen 16 und 30 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr. Doch es gibt einen Lichtblick: Seit kurzem geht es wieder aufwärts, auf Monatssicht verbuchen die Hersteller ein Kursplus von rund 8 Prozent (BMW) bis 16 Prozent (Daimler).


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.