BMW schnallt den Gürtel enger – gut oder schlecht?

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Der Autobauer verdient Milliarden. Erst im vergangenen Jahr konnte ein Rekordgewinn eingefahren werden. Die Belegschaft ist außer sich und die Zeichen stehen auf Sturm. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Der deutsche Automobilhersteller BMW will 100 Millionen € an Gehältern in Deutschland einsparen, obwohl das Geschäft so gut läuft wie schon lange nicht mehr. Wir analysieren für Sie die Hintergründe und die Auswirkungen auf die Aktien des Unternehmens.

Am Montag berichtete die Lokalzeitung Münchner Merkur von den Kostensenkungen, die den Mitarbeiter von BMW ab 2015 drohen.

Der Autobauer verdient Milliarden. Erst im vergangenen Jahr konnte ein Rekordgewinn eingefahren werden. Die Belegschaft ist außer sich und die Zeichen stehen auf Sturm.

Der starke Umsatz in den USA und in China beschert BMW Rekordgewinne. Warum provoziert das Management dann auf einen Kampf mit seinen Mitarbeitern?

Eine Frage des Geldes

Sogar Brotzeit-Pausen sollen ab jetzt nicht mehr bezahlt werden. Solche kleinlich wirkende Maßnahmen kennt man eigentlich nur aus Unternehmen, die unter enormen Kostendruck sind. Viele dieser Unternehmen sind in der Autobranche und kämpfen wegen der schlechten Absatzlage ums nackte Überleben.

Bei anderen Unternehmen geht es um höhere Renditen. BMW gehört zu dieser Sorte. Gespart werden soll immer, doch an der falschen Stelle kann man sich damit schnell selbst ins Bein schießen.

Der bayrische Autohersteller hat im vergangenen Jahr 5,3 Milliarden € Profit erwirtschaftet – absoluter Rekord. Auch der Aktienkurs schießt steil nach oben. Derzeit liegt er mit 91.27 knapp über der langfristigen Widerstandslinie bei 90. Seit knapp einem Jahr geht es beinahe durchgehend bergauf.

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Die operative Gewinnspanne lag mit 9,5% ganz klar am oberen Ende des angepeilten Ziels von 8% bis 10%. Vor kurzem hatte der Konzern noch die Spendierhosen an und überwies jedem Mitarbeiter etwa 8000 € Gewinnbeteiligung.

Für umso mehr Empörung sorgen die derzeitigen Pläne des Managements: deutsche Jobs sollen nach Bratislava wandern.

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Der Plan des Managements

Erst im vergangenen Jahr hat BMW in Deutschland knapp 5000 neue Arbeitskräfte eingestellt. Jetzt sollen Millionen im bayrischen Werk eingespart werden.

In Zukunft überlegt der Autobauer, verstärkt in der Slowakei produzieren zu lassen.

Die Produktivität des gesamten Konzerns soll um 5% gesteigert werden. Dazu werden einzelne Werke analysiert und bewertet. Der Betriebsrat kritisiert, dass das gar nicht nötig sei.

Gemacht wird es trotzdem. Klein Vieh macht auch Mist. Nach diesem Prinzip möchte BMW an vielen Ecken und Enden sparen um so die 5% Produktivitätssteigerung zu erreichen.

Dabei möchte der Konzern seine Deutschen Mitarbeiter natürlich nicht vor den Kopf stoßen. Eine „elegante“ und vor allem versteckte Art Stellen abzubauen, steckt in der Entscheidung, welche Produkte an welchen Standorten gebaut werden.

Denn wenn BMW es schafft, heimlich die Auslaufmodelle in Deutschland zu produzieren, während die Autos der Zukunft alle in der Slowakei hergestellt werden, dann wird in den nächsten Jahren still und leise mehr und mehr an Produktion ausgelagert. Genau das scheint der Plan des Vorstands zu sein.

Wohin geht die Reise

Für BMW geht es hier um einen Drahtseilakt auf hohem Niveau. Wie der Aktienkurs des vergangenen Jahres verrät, ist das Unternehmen keineswegs in Gefahr. Trotzdem darf der Konzern seine eigenen Mitarbeiter nicht vor den Kopf stoßen.

Permanent Standorte zu vergleichen und Kostenrechnungen durchzuführen ist ganz normal im Autobusiness. Das kürzen von Pausen, Diskussionen mit der Gewerkschaft über die Reduktion von Leiharbeit und schleichende Abwanderung ins Ausland deuten auf harte Verhandlungen hin.

Für die Aktie von BMW wären erfolgreiche Kostensenkungen und zufriedene Mitarbeiter am Schluss das beste Ergebnis. Wenn es hart auf hart kommt, dann steigt die Aktie immer bei fallenden Kosten – auch wenn der Wirtschaftsstandort Deutschland darunter leidet.


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Von: Philipp Zahrer. Über den Autor

Philipp Zahrer war maßgeblich am Aufbau eines Wertpapierdienstleisters in Wien beteiligt, für den er mehr als sechs Jahre in den Bereichen Private Banking und Produktentwicklung tätig war.