Boeing Aktie: Airbus überholt US-Rivalen

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Erwartungsgemäß hat Airbus 2019 mehr Flugzeuge ausgeliefert als Boeing. Der US-Rivale kämpft mit dem Debakel um die 737 Max – Ende offen. (Foto: Maxene Huyiu / shutterstock.com)

2019 wird als schweres Krisenjahr in die Konzerngeschichte von Boeing eingehen.

Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Todesopfern haben Flugsicherheitsbehörden zu einem drastischen Mittel gegriffen: Seit März 2019 gilt ein weltweites Flugverbot für Maschinen des Typs 737 Max.

Das Flugzeug war als spritsparende Weiterentwicklung des Kassenschlagers 737 konzipiert worden, doch vor allem die Steuerungssoftware MCAS bereitet offenbar Probleme. Die Software wird mit beiden Abstürzen in Zusammenhang gebracht, ein Update hat bislang keine Zulassung durch die US-Aufsichtsbehörde FAA erhalten.

Boeing-Kunden wandern zu Airbus ab

Die Hoffnung von Boeing, das Problem zügig zu beheben und schnell wieder abheben zu dürfen, hat sich damit zerschlagen. Seit bald einem Jahr steht die gesamte Flotte am Boden – ein herber Imageverlust für den Hersteller und ein immenser wirtschaftlicher Schaden für die betroffenen Airlines.

Viele von ihnen haben inzwischen Konsequenzen gezogen, ihre Bestellungen bei Boeing storniert – und stattdessen beim europäischen Konkurrenten Airbus geordert. Erstmals seit 2011 hat Airbus im Jahr 2019 mehr Maschinen ausgeliefert als der US-Rivale und hat ihm damit den Rang als größter Flugzeughersteller der Welt abgelaufen. Insgesamt 863 Verkehrsflugzeuge konnte Airbus im vergangenen Jahr an seine Kunden ausliefern, Boeing schaffte mit 345 Maschinen nicht einmal halb so viele.

Gezielte Manipulationen im Zulassungsverfahren

Angesichts des 737 Max-Debakels kommen die Zahlen allerdings nicht überraschend, immerhin sollten Maschinen dieses Typs rund zwei Drittel der Auslieferungen ausmachen. Tatsächlich konnte seit März gar kein Jet mehr an Kunden übergeben werden. Weil allmählich der Platz knapp wird, um die Flugzeuge zwischenzulagern, hat Boeing die Produktion inzwischen eingestellt. Ob und wann sie wieder anläuft, erscheint derzeit fraglich, denn auch wenn Brancheninsider munkeln, es könnte im Frühjahr eine Starterlaubnis erteilt werden, ist das Vertrauen von Airlines, Piloten und Passagieren in den Flugzeugtyp doch arg beschädigt.

Immerhin hat Boeing inzwischen einräumen müssen, dass im Zulassungsverfahren gezielt manipuliert wurde, was intern auch durchaus bekannt war. Auch hat man bei der zuständigen FAA offenbar immer mal wieder ein Auge zugedrückt, um die Zulassungsprozesse nicht zu gefährden. Beides rächt sich nun und hinterlässt einen tiefen Kratzer im Lack beider Institutionen.

Piloten müssen nun doch in den Simulator

Um Vertrauen wiederherzustellen, schaut man nun umso genauer hin – was den Prozess der Wiederzulassung der 737 Max-Reihe zusätzlich in die Länge zieht. Auch zeichnet sich ab, dass nun offenbar doch Schulungen im Flugsimulator notwendig werden, um Piloten für den Flugzeugtyp zuzulassen.

Für Boeing ist das ein zusätzliches Desaster: Einerseits gibt es weltweit gerade mal ein paar Dutzend dieser teuren Simulatoren, es müssen aber zehntausende Piloten geschult werden. Andererseits hatten sich einzelne Airlines vorab vertraglich zusichern lassen, dass für den Umstieg des Vorgängermodells auf die 737 Max eben keine zeitaufwendigen und kostspieligen Simulatorschulungen erforderlich sind.

Hier kommen nun weitere Kosten auf Boeing zu.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

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