Boeing-Aktie: Brasilianischer Richter stoppt Embraer-Deal

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Boeing-Aktie: Brasilianischer Richter stoppt Embraer-Deal (Foto: vaalaa / shutterstock.com)

Es sollte ein Deal von besonderer Bedeutung werden. Nach monatelangen Verhandlungen einigten sich im Sommer die beiden Flugzeugbauer Boeing und Embraer auf ein Joint Venture. Der brasilianische Konzern Embraer sollte seine gesamte Zivilflugzeugsparte in die neue Firma einbringen und Boeing die Kontrolle übernehmen. Der Deal hatte einen Wert von umgerechnet 4,75 Milliarden Dollar.

Doch nun funkt auf der Zielgerade ein brasilianischer Richter dazwischen und stoppt den Zusammenschluss. Nur kurz zur Erinnerung: Der Deal war bereits beschlossen, nur noch nicht vollzogen. Im Laufe des nächsten Jahres sollte der Zusammenschluss definitiv umgesetzt werden. Jetzt wurde eine Klage von vier Kongressabgeordneten bei der linken brasilianischen Workers Party eingereicht. Mit einer einstweiligen Verfügung wurde der Deal nun vorerst gestoppt.

Regierung besitzt goldene Aktie

Der Hintergrund ist folgender: Wegen der strategischen Bedeutung von Embraer und der wichtigen Rolle seiner militärischen Sparte für die brasilianische Rüstungsindustrie besitzt die Regierung ein Vetorecht in Form einer sogenannten goldenen Aktie. Auch wenn die militärische Sparte nicht Teil des Boeing-Deals ist, benötigen beide Firmen für den Zusammenschluss den Segen der Regierung.

Übernahme für Boeing von hoher strategischer Bedeutung

Dabei hat der Deal für Boeing enorme Bedeutung. Zum einen ist der brasilianische Flugzeugbauer profitabel. 2017 erzielte die Zivilflugzeugsparte von Embraer einen Umsatz von 11,4 Milliarden Real (umgerechnet 2,5 Milliarden Euro). Daraus resultierte ein Betriebsgewinn von 1,8 Milliarden Real oder 390 Millionen Euro. Das entspricht einer Rendite von fast 16%.

Zugleich gibt es zwischen beiden Firmen kaum Überlappungen. Sie müssen wissen: Embraer ist mit seinen E- und E2-Jets neben dem kanadischen Hersteller Bombardier der zweite wichtige Anbieter von Regionalflugzeugen mit rund 100 Sitzen. In diesem Segment ist Boeing bisher nicht vertreten. Boeings kleinster Flieger ist die 737-700 mit 126 Plätzen in zwei Klassen.

Streckennetz und Entwicklungskompetenz

Zudem würde sich das Streckennetz mit der Übernahme deutlich verbessern. Während die großen Flugzeuge von Boeing vor allem für Direktverbindungen von großen Drehkreuzen wichtig sind, könnten mit den kleineren Fliegern die Feinverteilung zu den regionalen Zentren bedient werden.

Darüber hinaus scheint Boeing auch von der starken Entwicklungsabteilung der Brasilianer beeindruckt zu sein. Embraer setzt im Gegensatz zu Boeing auf eine offene Ingenieurskultur und gilt unter Fachleuten stark in der softwaregestützten Entwicklung. Die Experten sind also in allen Bereichen aktiv, bei was den Informationsaustausch über die einzelnen Bereiche hinaus enorm fördert.

Höhenflug vorerst gestoppt

Die Boeing-Aktie wurde nicht nur wegen der Probleme im Übernahmeprozess mit Embraer zuletzt im schwachen Gesamtmarkt ausgebremst. Seit dem Kurshoch Anfang Oktober haben die Papiere gut 20% an Wert verloren. Aber Sie sollten nicht vergessen: In den vergangenen Jahren zählte die Aktie des Flugzeugbauers zu den Favoriten der Anleger. Seit dem Frühling 2016 explodierte die Aktie regelrecht und schoss von 108 Dollar um 260% in der Spitze bis auf 392 Dollar nach oben.

Boeing meldet Rekordmarge

Dabei kam der Höhenflug nicht von ungefähr. Auch wenn die Umsätze in den letzten beiden Jahren leicht rückläufig waren, steigerte Boeing seine Gewinnmarge deutlich. Zuletzt erzielte der US-Konzern bei einem Umsatz von 93,39 Milliarden Dollar einen Gewinn in Höhe von 8,19 Milliarden Dollar. Das entsprach einer Gewinnspanne von 8,78%. Damit lag Boeing deutlich über dem Niveau der vergangenen Jahre, als die Gewinnmargen zwischen 4,7 und 6% schwankten.

Ist der Deal noch zu retten?

Wie geht es nun weiter mit Embraer? Bis zum Antritt der neuen Regierung von Präsident Jair Bolsonaro am 1. Januar ist jegliche weitere Umsetzung des Deals untersagt. Dann wird der Ultrarechte nach seinem Amtsantritt über den Zusammenschluss entscheiden. Bislang hatte Bolsonaro sich auch schon positiv zu dem Deal geäußert. Ob er seine Meinung vor dem Hintergrund der neuen Klage ändern wird muss sich noch zeigen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.