Boeing Aktie tiefrot – 737 Max Produktion gestoppt

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Boeing stoppt den Bau des Unglücksfliegers, nicht zuletzt wegen Logistikproblemen. Die Aktie rauscht ab. (Foto: vaalaa / shutterstock.com)

Die Eilmeldung kam mitten in der Nacht, zumindest nach mitteleuropäischer Zeit: Boeing stellt zum Jahreswechsel die Produktion seines Modells 737 Max vorläufig komplett ein.

Boeings 737: Vom Bestseller zum Problemflieger

Es ist der Höhepunkt einer langen Kette dramatischer Ereignisse, ausgelöst durch zwei Flugzeugabstürze, bei denen insgesamt 346 Menschen ihr Leben verloren haben. Beide Abstürze ereigneten sich im Herbst 2018 kurz nacheinander, beide mit fabrikneuen Maschinen.

Als Unfallursache identifizierten die Ermittler technische Mängel und fehlendes Pilotentraining im Hinblick auf Spezifika dieses Flugzeugtyps. In der Folge wurden zudem erhebliche Schwachstellen sowohl innerhalb des Herstellerkonzerns Boeing als auch bei der US-Luftfahrtbehörde FAA bekannt. Es wurde geschlampt, geschönt und immer mal wieder nicht so genau hingeschaut, um den Bestseller 737 zügig zuzulassen.

Der Fall offenbart ein generelles Dilemma der Luftfahrtbranche: Allzu häufig gehen Profitstreben und Wachstumszwang zu Lasten der Sicherheit. Trotz ausgefeilter Technik kommt es an den hochfrequentierten Drehkreuzen täglich zu Beinahekollisionen und anderen Zwischenfällen, der Luftraum ist dicht, die Flughäfen überlastet und oftmals zu klein für das weltweit steigende Passagieraufkommen.

Flugverbot mit Folgen

Die 737 zählt zu den Verkaufsschlagern von Boeing. Im zivilen Geschäft macht die Modellreihe rund 70 Prozent der Konzernumsätze aus. Umso härter traf das Unternehmen das weltweite Flugverbot für sämtliche Maschinen dieses Typs, das Aufsichtsbehörden im März verhängten – und das bis heute Bestand hat.

Zwar hat Boeing zwischenzeitlich technische Nachbesserungen vorgenommen, doch der Hoffnung des Herstellers, noch in diesem Jahr wieder abheben zu dürfen, erteilte die FAA erst kürzlich eine Absage. Beobachter rechnen damit, dass die Flieger erst im Februar – oder sogar noch später – wieder zugelassen werden.

Produktionsstopp mit weitreichenden Auswirkungen

Für Boeing bedeutet das nicht nur Einnahmeausfälle und einen immensen Imageschaden, sondern allmählich auch ein schlichtes Platzproblem: Zwar wurde die Produktion nach Inkrafttreten des Flugverbots bereits reduziert.

Dennoch fertigten die rund 12.000 Beschäftigten im Werk in Renton jeden Monat 42 Maschinen. Diese dürfen jedoch zurzeit nicht ausgeliefert werden – und so parken inzwischen fast 400 ungenutzte Flugzeuge bei Boeing. Allmählich wird die Stellfläche knapp, daher entschied sich der Konzern nun zum vorläufigen Produktionsstopp.

Das dürfte weitreichende Konsequenzen haben: Boeing ist eine maßgebliche Größe in der US-Wirtschaft und größter Exporteur der Vereinigten Staaten. Das Handelsdefizit, das sich ohnehin schon zu Ungunsten der USA entwickelt hat, dürfte dadurch zusätzlich belastet werden.

Boeing Aktie tiefrot

Auch an der Börse geht das Debakel nicht spurlos vorbei, immerhin ist die Boeing Aktie eines der Schwergewichte im Dow Jones. Das Papier sackte nach Bekanntwerden der Meldung um rund 4 Prozentpunkte ab.

Noch deutlich erheblichere Konsequenzen dürfte sich der Produktionsstopp für die zahlreichen Zulieferer auswirken. Rund um den Globus spannt sich das Netz der Lieferketten, die benötigt werden, um einen modernen Jumbojet zu fertigen.

Der größte Profiteur des Ganzen dürfte Airbus sein. Der europäische Hersteller gilt seit Jahren als schärfster Boeing-Konkurrent und hat wegen des Auslieferungsstopps in diesem Jahr erstmals rund doppelt so viele Maschinen an seine Kunden übergeben wie der US-Konzern.

Bestellungen für 4.400 Maschinen hatte Boeing in seinen Büchern stehen – vor den Abstürzen und dem Flugverbot. Inzwischen haben sich die ersten Kunden abgewandt – und wechseln zur Konkurrenz. So hat die arabische Airline Flyadeal erklärt, auf den ursprünglich geplanten Kauf von bis zu 50 Flugzeugen des Typs 737 Max zu verzichten und stattdessen bei Airbus zu bestellen.

Der Albtraum für Boeing geht also weiter und von weihnachtlicher Jahresendrallystimmung ist an der Wall Street nicht mehr viel zu spüren.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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