Börse: Italien-Wahl ohne große Auswirkungen

Erfahren Sie jetzt, wie es um die Auswirkungen der Italien-Wahl steht und warum politische Börsen in 99 von 100 Fällen kurze Beine haben. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Am vergangenen Donnerstag und Freitag ging es vor allem an den europäischen Börsen bergab. Die Gründe dafür waren vielfältig. Ein Grund war die Wahl in Italien, die am vergangenen Sonntag stattfand und ein anderer Grund war der offene Ausgang des Mitgliedervotums der SPD zum Fortgang der Großen Koalition (GroKo).

Diese beiden Belastungsfaktoren sind nun abgearbeitet. Erwartungsgemäß stimmte die Mehrheit der SPD-Mitglieder für eine Fortsetzung der GroKo und auch die Wahl in Italien brachte keine großen Überraschungen.

Dementsprechend verlief die bisherige Handelswoche recht freundlich. Der deutsche Leitindex DAX konnte die 12.000-Punkte-Marke, die in der vergangenen Woche noch unterschritten wurde, zurückerobern. Am vergangenen Freitag hatte der DAX bei 11.831 Punkten zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit 13 Monaten markiert.

Wie sich die Italien-Wahl ausgewirkt hat

Dass das Wahlergebnis aus Italien keine großen Überraschungen gebracht hat, schrieb ich Ihnen bereits (dazu gleich noch mehr). Zudem hatte sie keine großen Auswirkungen auf die internationalen Börsen. Das eine bedingt ganz sicher das andere.

Bei der Italien-Wahl haben zwar die Rechtspopulisten und die linken Europagegner recht stark abgeschnitten, doch keine der radikaleren Parteien wird alleine regieren können. Ein Zusammenschluss der Rechtspopulisten und der linken Europagegner ist quasi ausgeschlossen. Daher wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine radikalen Reformen in Italien geben. Es bleibt aber zunächst abzuwarten, wie die Regierungsbildung in Italien vonstatten geht.

An den Börsen jedenfalls wurde der Wahlausgang in Italien zunächst nicht als europäisches Problem, sondern als italienisches Problem betrachtet. Dies spiegelte sich vor allem im Euro-Wechselkurs wider. Der Euro notierte gegenüber dem US-Dollar am Montag dieser Woche (also am Tag nach der Wahl in Italien) nahezu unverändert. Größere Veränderungen im Verhältnis zwischen Euro und US-Dollar gab es auch im weiteren Wochenverlauf nicht.

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Der Mailänder Leitindex FTSE MIB fiel am Montag zur Handelseröffnung um 2,1% auf 21.460,5 Zähler, erholte sich dann aber wieder etwas und ging schlussendlich mit einem kleinen Minus von 0,4% aus dem Handel. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 legte dagegen zu Beginn dieser Woche um 1,1% auf 3.360,2 Punkte zu. Zu den größten Verlieren an der Mailänder Börse zählten die Bankwerte.

Warum politische Börsen fast immer kurze Beine haben

Wenn Sie meinen Newsletter „Schlussgong“ und meine Börsendienste schon eine Weile verfolgen, werden Sie schon häufiger über alten Börsenspruch „politische Börsen haben kurze Beine“ gestolpert sein. Und tatsächlich: Historisch betrachtet haben politische Ereignisse in den allermeisten Fällen allenfalls eine kurze Auswirkung auf die Aktienmärkte.

Warum? Weil die Unternehmen zumeist nicht davon berührt sind. Es ist meistens nur die aus negativen oder vermeintlich negativen politischen Ereignissen resultierende Unsicherheit, die die Aktienkurse kurzfristig belastet. Anleger hassen Unsicherheit!

Verflüchtigt sich jedoch die Unsicherheit (das geht meistens recht schnell), weil die Anleger merken, dass sich die Welt weiterdreht, steigen die Aktienkurse wieder. Daher sollten Sie in (politisch bedingten) turbulenten Börsenzeiten nicht auf der Verkäuferseite stehen und stattdessen auf Schnäppchenjagd gehen.

Investoren-Legende Warren Buffett hat einst gesagt: „Gelegenheiten kommen unregelmäßig. Wenn es gerade Gold regnet, stell einen Eimer vor die Tür und keinen Fingerhut.“

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.