Börse: Warum Sie nicht in Panik ausbrechen sollten

Lesen Sie jetzt, wie Mittelstands-Experte Tobias Schöneich die aktuelle Börsenlage beurteilt und was er empfiehlt. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Die wirtschaftliche Entwicklung passt dieser Tage nicht zu der Entwicklung an den Börsen. Während die Börsen kräftig wackeln (warum eigentlich?), wächst die Wirtschaft munter weiter. Insbesondere den deutschen Mittelständlern geht es zum überwiegenden Teil nach wie vor gut bis sehr gut.

Auch die Weltwirtschaft wächst laut jüngstem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr und 2019 jeweils um 3,7%. Okay, zuvor sollte die Wirtschaft sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr nach Berechnungen des IWF um 3,9% wachsen. Doch ein globales Wirtschaftswachstum von 3,7% ist immer noch ein guter Wert.

Hinzu kommt: In einigen Medien wird es so dargestellt, als wenn die Wirtschaft schrumpfen würde oder zumindest kurz davor stünde. Diejenigen, die so etwas schreiben, sind dieselben, die beim Autofahren entweder den Fuß auf dem Gas oder der Bremse haben. Schon mal davon gehört, dass man auch einfach nur den Fuß vom Gas nehmen kann?

Damit können Sie das Tempo verringern ohne hart zu bremsen. Und genau das ist es, was mit der Weltwirtschaft aktuell passiert. Das Wachstumstempo verringert sich. Wir sind weit davon entfernt, den Rückwärtsgang einzuschalten. Wenn jedoch bei Tempo 100 jemand direkt in den Rückwärtsgang schaltet, wird es heftig. Ein solches (oder zumindest ähnliches Szenario) wird derzeit bei vielen Werten eingepreist.

Meines Erachtens ist bei den meisten Value-Aktien derzeit die nächste Konjunkturkrise bereits eingepreist. Teilweise sogar mehr als das. Soll heißen: Die Fallhöhe ist sehr niedrig! Dagegen ist die Fallhöhe bei vielen sehr hoch bewerteten Technologie-Aktien sehr hoch.

Wachstum war in diesem Jahr gefragt. Daher schnellten die Bewertungen nach oben. Die Bewertungen bei Value-Titeln (insbesondere bei zu vor bereits angeschlagenen) gaben immer mehr nach und erreichten teilweise Niveaus, die wir zuletzt nach der Pleite der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers gesehen haben. Absurd, oder nicht?

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Vor allem bei Value-Titeln aus dem deutschen Mittelstand ist das – auch angesichts der Daten aus dem jüngsten Mittelstandsbarometer der KfW und des Ifo-Instituts – nicht nachzuvollziehen.

Geschäftsklima im deutschen Mittelstand hellt sich weiter auf

Die Stimmung im deutschen Mittelstand verbesserte sich im September zum 3. Mal in Folge, wie das aktuelle KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer belegt. Die kleinen und mittleren Unternehmen verzeichnen nach den jüngsten Entspannungssignalen im transatlantischen Handelskonflikt einen Anstieg um 0,8 Zähler auf 18,1 Saldenpunkte.

Dabei steigen die Geschäftserwartungen um 1,9 Zähler auf nun 8,9 Saldenpunkte an, was den anhaltenden Optimismus der kleinen und mittelständischen Unternehmen unterstreicht. Die Lageurteile fallen mit -0,4 Zählern zwar etwas ab, liegen mit 27,8 Saldenpunkten allerdings weiter auf einem hohen Niveau.

Die jüngste Verbesserung des mittelständischen Geschäftsklimas beruht auf einer moderat-positiven Entwicklung durch alle Branchen. „Die meisten Unternehmen sind positiv gestimmt und blicken optimistisch in die Zukunft“, sagt Dr. Jörg Zeuner mit Blick auf den positiven Trend des KfW-Ifo-Mittelstandsbarometers im September.

Gleichwohl gelte es, die globalen Risiken im Auge zu behalten, so der Chefvolkswirt der KfW. Sicher sind ein harter Brexit oder ein weiter eskalierender Handelskonflikt zwischen den USA und China Gefahren für deutsche Mittelständler.

Doch aus meiner Sicht ist auf dem aktuellen Kursniveau bei den meisten Aktien aus dem deutschen Mittelstand schon sehr viel Negatives eingepreist, sodass sich derzeit ein guter Einstiegszeitpunkt ergibt. Wer jetzt investiert, kann auf lange Sicht fast nur gewinnen.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.