Börsenaufschwung: Die Banken müssen ihr Eigenkapital erhöhen

Wenn die Bank-Aktien weiterhin stark schwanken, kann sich der Gesamtmarkt nicht stabilisieren. Mehr Eigenkapital lautet die Zauberformel. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten geht weiter.

Der DAX eröffnete sehr schwach und sackte auf 5.870 Punkte ab, drehte dann ins Plus und erreichte das Tageshoch bei 6.020 Punkten, um dann am Ende doch noch mit einem Endstand von 5.948 Punkten in der Verlustzone zu landen.

An der Wall Street in New York sieht es in den ersten Handelsstunden ähnlich aus. Die Anleger freuten sich über Kursgewinne, um dann eine kalte Dusche zu erhalten. Ein Grund für die unberechenbare Börsenstimmung: Die Bank-Aktien schwanken extrem stark. So ist es keine Überraschung, dass die Commerzbank-Aktie mit -5% die Verlierer-Liste im DAX anführt.

Das Vertrauen in die Banken muss neu aufgebaut werden

Banken leben vom Vertrauen der Sparer, Investoren und Geschäftspartner. Sie können selbst die gesündeste Bank in kürzester Zeit in die Pleite treiben, wenn Sie es schaffen, die Zahlungsfähigkeit der Bank in Frage zu stellen.

Spätestens nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers und der Verstaatlichung vieler Geschäftsbanken ist der Ruf der Banken ruiniert. Das belastet auch die Börsenstimmung und die Aktienmärkte.

Wenn die Börse stabilisiert werden soll, müssen zunächst die Banken reformiert werden. Ende 2008 gab es echte Reformansätze. Die Regierungen konnten sich jedoch nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Jedes Land kocht jetzt sein eigenes Bankreform-Süppchen.

USA, Deutschland und Schweiz: 3 Länder und 3 Bank-Reformen

Die umfangreichsten Bank-Reformen gibt es in den USA. Das Gesetz „Dodd-Frank-Act“ ist 2.300 Seiten stark und enthält unzählige Einzelregelungen über Geschäftsmodelle und Eigenkapitalvorschriften. So schreiben die Behörden den US-Banken vor, dass sie Geschäftsbereiche abtrennen müssen. So muss die ehemalige Goldgrube „Eigenhandel“ abgetrennt werden.

Länder wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland haben weniger stark in das Geschäftsmodell eingegriffen. Der Ansatz: Wer Krisen verursacht, soll dafür auch zahlen. Die logische Konsequenz ist eine spezielle Bankenabgabe.

Wie wirksam damit Krisen vermieden werden können, ist unklar. Man kann den Eindruck gewinnen, dass nur eine neue Einnahmequelle für den Staat gesucht und gefunden wurde.

Einen ganz anderen Weg geht die Schweiz. Im Nachbarland müssen die Banken mittelfristig die Eigenkapitalquote auf 19% erhöhen. Das geht in die richtige Richtung. Allerdings dürfen die Schweizer Banken neuartige Finanzinstrumente einsetzen, um die hohen Vorgaben zu erfüllen (Coco-Bonds).

Besser wäre es, auf solche Tricks zu verzichten. Warum nicht eine klare Eigenkapitalvorschrift von mindestens 20%? So gepolstert, kann der nächste Sturm kommen.

Die Macht der Kennzahl Eigenkapital-Rendite muss gebrochen werden

Die Banken und die Bankenlobby kämpfen mit aller Macht gegen hohe Eigenkapital-Quoten. Der Grund: Dann sinken gleichzeitig die Renditen auf das eingesetzte Eigenkapital. Angeblich sind extrem hohe Eigenkapital-Renditen wichtig, weil die Investoren das fordern.

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Das halte ich für ein Märchen. Investoren werden sich andere Bewertungsgrößen suchen, wenn die Spielregeln in der Branche geändert werden. Ändern müssten sich auch die Bonus-Systeme bei der Bezahlung der Banker, die oft von der Eigenkapital-Rendite abhängen (Wobei ich kein Feind von hohen Eigenkapital-Renditen bin.

Im Gegenteil. In guten Jahren sollten die Renditen auch hoch sein. Stetigkeit geht aber vor Rendite-Optimierung!).

Die Konzentration auf die Bewertungszahl Eigenkapital-Rendite hat zu absurden Reaktionen geführt. Einige Banken haben schlicht und einfach immer weniger Eigenkapital eingesetzt. Dann reichen schon relativ niedrige Gewinne, um die Kennzahl nach oben zu treiben. Das Problem: In Krisenzeiten wird das reichlich eingesammelte Fremdkapital zu einer Bombe.

Eigenkapital rechtfertigt höhere Bewertungen

Die Banken argumentieren, dass strenge Eigenkapitalvorschriften die Gewinnbasis zerstören. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese These so nicht stimmt.

In der Praxis führt ein hoher Einsatz von Fremdkapital dazu, dass Banken in guten Jahren Spitzengewinne erreichen. In Krisen bricht das Fremdkapital vielen Banken das Genick. Sie müssen verstaatlicht oder zumindest staatlich gestützt werden. Dabei werden riesige Geldsummen verbrannt.

Die vorher erwirtschafteten Gewinne lösen sich in Luft auf.

Viel nachhaltiger ist eine Geschäftspolitik, die nicht auf maximale Gewinne abzielt, sondern auf relativ stetige Gewinne. Eine Folge wäre: Kommt es zu weniger Bank-Krisen, könnten sich die Banken zukünftig am Kapitalmarkt günstiger verschulden. Das wäre sogar ein Gewinnhebel.

Weiterhin kritisieren die Banken, dass sie viel Fremdkapital brauchen, damit sie die Wirtschaft mit Krediten versorgen können. Auch dieses Argument ist nicht stichhaltig. Die größten Kreditklemmen in der Wirtschaftsgeschichte gab es immer dann, wenn die Banken sich verzockt haben.

Wenn die Banken weniger Kapital verteilen können, führt das auch dazu, dass sie die Kreditnehmer besser prüfen und nicht wahllos mit Geld rumwerfen.

Auch die Aktionäre würden gewinnen: Wenn die Gewinne und Dividenden der Banken berechenbarer und stetiger werden, wird der Markt den Bank-Aktien ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis zusprechen. Aktuell kommen viele Bank-Aktien auf ein KGV von 6 bis 10. Es werden große Risikoabschläge eingepreist.

Solide Banken könnten auf ein KGV von 12 bis 15 kommen. Die Banken bräuchten also viel weniger Gewinn, um auf ein höheres Kursniveau zu kommen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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