Börsenbeben bei SAP: Kursabschlag erscheint übertrieben

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SAP sorgte zu Wochenbeginn für einen Schockmoment. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Längst haben wir uns an die Corona-Pandemie und die damit verbundenen eher verhaltenen Konjunkturaussichten gewöhnt. Trotzdem war der Quartalsbericht von SAP zu Wochenbeginn eine Hiobsbotschaft. Der Aktienkurs des wertvollsten deutschen Unternehmens brach im Anschluss um über 20% ein. In meinen Augen ist ein gewisser Abschlag gerechtfertigt, jedoch nicht in diesem Maße.

Quartalszahlen enttäuschen

Der Walldorfer Konzern enttäuscht mit seinen Quartalszahlen: Der Gesamtumsatz schrumpfte im Zeitraum Juli bis Ende September im Jahresvergleich um 4% auf 6,54 Mrd. Euro, was vor allem an dem erstarkten Euro lag.

Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um 1% und erreichte 2,07 Mrd. Euro – wäre der starke Euro nicht gewesen, so hätte es sogar einen Zuwachs von 4% gegeben.

Die Belebung der Nachfrage sei nach den Einschränkungen des öffentlichen Lebens in einigen Ländern verhaltener ausgefallen als erwartet, so die Begründung seitens des Unternehmens.

Ausblick gesenkt

Aus Anlegersicht noch schlimmer: SAP hat seinen Ausblick für das Gesamtjahr gesenkt. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen nur noch mit einem Gesamtumsatz von 27,2 bis 27,8 Mrd. Euro (zuvor 27,8 bis 28,5 Milliarden Euro). Das bereinigte Betriebsergebnis soll zwischen 8,1 und 8,5 Mrd. Euro liegen, zuvor lag die Obergrenze bei 8,7 Mrd. Euro.

Wachstum vor Gewinnmarge

Bisher war für SAP die Gewinnmarge eine feste Zielgröße. Davon nimmt der Konzern nun Abstand. SAP-Chef Christian Klein verteidigte dies in einem Interview: Er wolle „nicht das Wachstumspotenzial in der Zukunft für die kurzfristige Margenoptimierung opfern.“ Dazu seien zusätzliche Investitionen notwendig, um die Infrastruktur auszubauen.

Ich sehe dies langfristig positiv. Die Cloud ist ein gigantischer Wachstumsmarkt, in dem in den nächsten Jahren die Marktanteile verteilt werden. Daher gilt es jetzt, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Die Gewinnmarge kann später immer noch optimiert werden.

Aktienkurs wieder auf Corona-Crash-Niveau

Die Reaktion an der Börse folgte umgehend: Die Aktie verlor über ein Fünftel an Wert und erreichte wieder Notierungen, die zuletzt mitten im Corona-Crash im Frühjahr gesehen wurden.

Das scheint mir etwas übertrieben, wie offenbar auch der SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner findet. Dieser reagierte umgehend und nutzte den Kurssturz der Aktie zu einem Großeinkauf. Das Volumen seines Kaufes beläuft sich auf rund eine Viertelmilliarde Euro. Das nennt man Vertrauen ins eigene Unternehmen.

Für Langfrist-Anleger interessant

Für langfristig orientierte Anleger ist die SAP-Aktie auf dem aktuellen Niveau sicherlich einen Blick wert. Mag sein, dass es einige Zeit braucht, bis die Anleger wieder Vertrauen finden. Aber SAP hat in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass es nach schwachen Zahlen auch schnell wieder gute Ergebnisse liefern kann.

Möglicherweis kommt der Kurs in den nächsten Wochen nochmal auf das Corona-Crash-Tief bei knapp unter 90 Euro heran, spätestens dann sollte aber der Turnaround gelingen.

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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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