Börsengänge: Deutschland und Europa mit Nachhol-Potenzial

Der weltweite Markt für Börsengänge verzeichnete laut einer aktuellen Studie der renommierten Beratungs- und Prüfungs-Gesellschaft Ernst & Young (EY) einen starken Jahresauftakt.

Das lässt sich auch belegen: Die Zahl der weltweiten Börsengänge stieg in den Monaten Januar bis März dieses Jahres verglichen mit dem Vorjahres-Zeitraum um 92% auf 369.

Das Emissions-Volumen (also das Volumen der Börsengänge) hat sich sogar mit einer Steigerung von 13,7 auf 33,7 Mrd. US-Dollar deutlich mehr als verdoppelt.

Insgesamt war das 1. Quartal dieses Jahres im Bezug auf die weltweiten IPO-Aktivitäten (Börsengänge) das aktivste 1. Quartal seit 2007, als weltweit insgesamt 399 Börsengänge gezählt wurden.

China dominiert den IPO-Markt

Ganz weit vorne in Sachen IPO-Aktivitäten liegen derzeit die Chinesen:

Insgesamt verzeichneten die chinesischen Börsen (inklusive Hong Kong) in den ersten 3 Monaten dieses Jahres 182 Börsengänge. Im Vorjahres-Zeitraum waren es gerade einmal 43 IPOs.

Damit stieg das Emissions-Volumen in China von 5,7 auf 12,4 Mrd. US-Dollar. Unter dem Strich fanden nahezu die Hälfte (49%) der weltweiten Börsengänge im 1. Quartal 2017 in China statt.

Einen guten Start ins IPO-Jahr 2017 verzeichneten aber auch die US-Börsen, die maßgeblich vom Börsengang des Social-Media-Spezialisten Snap profitierten.

Dieser Börsengang war mit einem Emissions-Volumen von 3,9 Mrd. US-Dollar der weltweit  größte im laufenden Jahr.

Das gesamte Emissions-Volumen in den USA stieg in den zurückliegenden 3 Monaten von 0,7 Mrd. US-Dollar im Vorjahr auf 10,8 Mrd. US-Dollar.

Europa mit Nachholbedarf

In Europa lag das Emissions-Volumen dagegen mit 4,1 Mrd. US-Dollar in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Die Zahl der Börsengänge sank sogar von 40 auf 33, was v. a. auf die Zurückhaltung auf dem britischen Markt zurückzuführen ist.

Im aktuellen Umfeld, in dem große Unsicherheit wegen des BrExits herrscht, gibt es in Großbritannien eine deutlich kleinere IPO-Aktivität als noch im Jahr zuvor.

Die Zahl der Börsengänge sank hier von 16 auf 12. Das Emissions-Volumen sank sogar von 2,7 auf 1,1 Mrd. US-Dollar.

Auch in Deutschland herrschte zuletzt Stagnation am IPO-Markt. Wie im Jahr zuvor gab es hierzulande nur 2 Börsengänge in den Monaten Januar bis März.

Der Spezialmaschinenbauer Aumann (eine Tochter von MBB) erlöste bei seinem IPO 251 Mio. Euro und der Spezialchemie-Anbieter IBU-tec brachte es auf 20 Mio. €.

Einige Börsengänge in Deutschland erwartet

Zudem geht aus der Studie von EY hervor, dass in Deutschland im weiteren Verlauf des Jahres noch einige Börsengänge erwartet werden.

„Sollte sich im Lauf des Jahres mehr Klarheit über die Auswirkungen des BrExit und der neuen US-Politik ergeben, dürfte dies dem Markt neue Impulse geben.“

Das sagte Dr. Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

Nach seiner Einschätzung dürften in Deutschland v. a. kapitalsuchende Technologie-Unternehmen, Abspaltungen von Großkonzernen und Firmen aus dem Portfolio von Finanz-Investoren an die Börse streben.

Insgesamt hält er in diesem Jahr 10 Börsengänge in Deutschland für realistisch.

Ich würde es begrüßen, wenn wir in diesem Jahr noch ein paar Börsengänge in Deutschland sehen würden, da sich der Kurszettel hierzulande in den vergangenen Jahren verkürzt hat.

Zudem bieten neue Konzerne an der Börse oft auch neue Chancen. Ich werde Sie in dieser Angelegenheit auf dem Laufenden halten.

13. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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