Börsengang Twitter und Kursgewinn Facebook: ein Zufall?

Der milliardenschwere Börsengang des nächsten Dotcom-Unternehmens (Erklärung folgt) steht an: Twitter. Das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem Ende des Crashs, dessen Auslöser auch als Dotcom-Blase bezeichnet wird.

Twitter: Eine gute Investition?

Wer Zweifel hat, ob er in Twitter investieren sollte, wird gerade eines Besseren belehrt.

Denn wie durch Zauberhand hat sich der Kurs des vorherigen großen Börsenganges eines Dotcom-Unternehmens, Facebook, seit Mai dieses Jahres in etwa verdoppelt. Geld verdoppeln – wer möchte da nicht mitmachen?

Dotcom-Unternehmen und Dotcom-Blase

Ende der 90-er Jahre kam das Internet an der Börse an. Die Internetadressen der US-Unternehmen endeten mit .com (Punkt auf Englisch heißt „dot“). Also fasste man die Unternehmen unter dem begriff Dotcom zusammen.

Die Kurse der Dotcom-Unternehmen explodierten. Es entstand die Dotcom-Blase und diese platzte. Der Crash der Jahre 2000 bis 2003 beendete die damalige Euphorie um die Dotcom-Unternehmen.

Internet ist anders als im Jahr 2000

Das heutige Internet ist mit dem der Jahre 2000 bis 2003 nicht vergleichbar. Es wird oft richtig Geld verdient. Amazon sei nur als ein Beispiel eines weltbekannten Unternehmens genannt. Und doch:

Auch jetzt wird wieder übertrieben.

Offene Frage: Ist Facebook wirklich mehr als 100 Milliarden US-$ wert? Gehört Facebook wirklich in die Liste der größten Unternehmen der Welt, wie Großversicherungen, Ölmultis und IT-Riesen, die eine Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden US-$ haben? Ich sage: nein.

Twitter: Sinnvoll für Meinungsfreiheit unterdrückter Bevölkerungen

Nun also Twitter. In 140 Zeichen (derzeitige Obergrenze für eine „Twitter-Nachricht“) lassen sich keine aussagekräftigen Nachrichten unterbringen.

Trotzdem hat Twitter eine positive Funktion, wenn es um Kurznachrichten aus Regionen geht, in denen es keine Meinungsfreiheit gibt. Ansonsten gibt es Medien, die mit mehr Informationen eine bessere Nachrichtenquelle sind.

Wie bei Facebook, so soll auch bei Twitter der Umsatz durch Werbung generiert werden. Vorher wird aber Kasse gemacht. Durch den vorgesehenen Börsengang.

Börsengang Twitter und Kursgewinn Facebook: ein Zufall?

Der vorherige Börsengang, der so große Schlagzeilen machte, geriet zum Fiasko. Die Facebook-Aktie notierte bei Emission (Mai 2012) mit über 40 US-$ und fiel dann innerhalb eines halben Jahres auf deutlich unter 20 US-$.

Ein Verlust von weit über 50%. Noch im Juli dieses Jahres notierten die Papiere mit nur 24,15 US-$.

Und dann, so meine Meinung, haben sich die Banken, die den Börsengang von Twitter und die anstehenden Börsengänge anderer Dotcom-Unternehmen verantwortlich zeichnen, gesagt: So können wir die Twitter-Aktien nicht am Markt unterbringen.

Der Kurs der Facebook-Aktie muss rauf. Und wie durch Zauberhand geschah, was die Banker wollten. Ein Schelm, wer Börse dabei denkt.

Ich gebe zu, im Sinne dieses Ausspruchs, bezeichne ich mich als Schelm.

Twitter-Aktie und Facebook-Aktie &Co: Zocken, nicht investieren

Ich habe damals vom Kauf der Facebook-Aktie abgeraten. Man mag sagen, wer gekauft und gehalten hat, verbucht einen Gewinn. Stimmt. Wer aber anfangs nicht gekauft hat und später eingestiegen wäre, verbucht eine markant höheren Gewinn.

Wie auch immer. Mit dem Kursanstieg der letzten Wochen habe ich nicht gerechnet. Er ist auch meiner Meinung nach nicht wirklich begründbar.

Es sei denn: „Interessierte Kreise“ wollen, dass Dotcom-Unternehmen attraktiv für Anleger sind. Dann muss auch der vorherige Mega-Börsengang von Facebook attraktiv bewertet werden.

Vielleicht wird wieder „stupid german money“ (dummes deutsches Geld, beziehungsweise: Geld dummer deutscher Anleger) gesucht? Nach diesem arroganten Motto haben US-Banken schon mehrfach Geld gutgläubiger Anleger eingesammelt.

Egal wie die Kurse der neuen Dotcom-Unternehmen laufen: Ich empfehle keine nennenswerte Investition, maximal den Einsatz in Höhe eines Lottoscheins. Call- oder Put-Empfehlungen auf diese Werte gibt es von mir nicht:

Keine Put-Optionen, weil die Kurse der Aktien manipuliert werden (können).

Keine Call-Optionen, weil sich die Unternehmen ihre hohe Börsenbewertung nicht verdient haben.

Zum guten Schluss: Heute vor 201 Jahren, also am 19.09.1812, verstarb der deutsche Kaufmann und Bankier Mayer Amschel Rothschild: Er gilt als Gründer des Hauses Rothschild. Von Mayer Amschel Rothschild werden die Worte überliefert:

„Gebt mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht.“

Betrachte ich mir die Skrupellosigkeit vieler heutiger Banker, denke ich, sie nehmen diesen Ausspruch als Leitsatz für ihr Handeln.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

19. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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