Börsengang Twitter: Zocken ja! Investieren nein!

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Börsengang Twitter: „Zocken, wer mag - investieren nein“, so die Bewertung unseres Börsenexperte Rainer Heißmann (Foto: Allmy / Shutterstock.com)

Der Nachrichtendienst Twitter geht an die Börse. Die Nachfrage nach den Aktien ist so hoch, dass die Preisspanne für die Zeichnung der Twitter Aktie um rund 25% auf etwa 23 bis 25 US-$ erhöht wird. Dotcom aus dem Jahr 2000 lässt grüßen.

Die Dotcom-Blase des Jahres 2000

Im Vorfeld des Crashs von 2000 bis 2003 wurde alles gekauft, wo „Internet“ drauf stand. Die Unternehmen hatten eine Internetadresse, die in den USA immer mit „.com“ endete. Punkt heißt auf Englisch: dot. Daraus wurden dann die „Dotcom-Unternehmen“ und später war es die Dotcom-Blase, die platzte.

Der deutsche damalige Neue Markt Index verlor über 90%, viele Unternehmen verschwanden vom Kurszettel. Der ebenfalls Dotcom-lastige US-Index Nasdaq verlor über 75% seines Wertes.

Facebook: Nach Börsengang 50% Absturz

Beim Börsengang von Facebook im vorigen Jahr gab es auch viele Vorschusslorbeeren. Der Aktienkurs verlor aber nach seinem Börsengang weit über 50%. Ein Desaster, auch wenn sich der Kurs jüngst erholt hat und sogar über seinem Zeichnungskurs notiert. Ich halte das aber weiterhin für keine solide Investition. Zocken: o.k. – investieren: nein.

Groupon: Ein weiterer Absturz

Ein weiteres modernes Dotcom-Sternchen ist Groupon. Erste Notierungen über 25 US-$. Es folgte der Absturz auf unter 3 US-$; danach kam die Erholung auf Notierungen um 10 US-$. Hier gilt noch mehr: Ich halte das für keine solide Investition. Zocken: o.k. – investieren: nein.

Nun also Twitter

Gemeinsam habe die neuen Sternchen am Börsenhimmel (Sternchen verglühen schnell!), dass ihnen die nachhaltige Geschäftsgrundlage fehlt, um Gewinne zu erzielen.

Immerhin hat Facebook kurzfristig die Kurve gekriegt und schreibt schwarze Zahlen. Gute Quartalszahlen setze ich aber nicht mit einer nachhaltigen Geschäftsgrundlage für viele Jahre gleich.

Twitter will und wird durch den Börsengang zwar Milliarden einnehmen. Aber die letzten Quartalszahlen zeigten eine Verlust von rund 65 Millionen US-$.

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Börsengang Twitter: Zocken ja! Investieren nein!

Die Amerikaner bringen es auf den Punkt und fragen: „Show me the money?“ (Zeig mir das Geld?, beziehungsweise: Zeig mir, wie du langfristig Geld verdienst?)

Dass dann 65 Millionen, rot geschrieben und mit einem Minuszeichen davor als befriedigende Antwort angesehen wird, wage ich zu bezweifeln.

Es wird Sie nicht überraschen. Ich halte das für keine solide Investition. Zocken: o.k. – investieren: nein danke!

Zum guten Schluss: Am 06.11.1880, also heute genau vor 133 Jahren, kam der österreichische Schriftsteller und Theaterkritiker Robert Musil zur Welt. In seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ zitiert er die „alte Börsenregel“:

„Wer es aushalten kann, zu warten, der gewinnt immer!“

Das ist eine Börsenregel, die auch noch für den legendären André Kostolany galt. Heute hat sie ausgedient, es sei denn, man hat Zeit bis in alle Ewigkeit. Und auch dann müsste sich erst mal zeigen, ob die Börsenregel noch gilt.

Mit dieser eher philosophischen Schlussbetrachtung der Börse wende ich mich wieder dem „profanen“ Börsenalltag zu und schaue, dass Gewinne realisiert werden. Genau diese wünsche ich auch Ihnen

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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.