Börsengang von Fashionette und Wechsel im SDax

Rocket Internet RED 360b Shutterstock.com

Die Börsenlandschaft in Deutschland verändert sich. Rocket Internet kehrt der Börse den Rücken, mit Fashionette rückt ein Newcomer nach. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Die deutsche Börsenlandschaft verändert sich. Mit Fashionette hat heute ein neues Unternehmen das deutsche Börsenparkett betreten und mit Rocket Internet wird ein Unternehmen der Börse den Rücken kehren. Deshalb scheidet Rocket Internet auch aus dem deutschen Nebenwerte-Index SDax aus.

Neu in den SDax aufrücken wird dafür Cropenergies. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche, das Bioethanol für Kraftstoffanwendungen herstellt. Cropenergies gehört zur Südzucker-Gruppe uns ist seit 2006 an der Börse gelistet.

Bevor ich auf die Regeln eingehe, die über den Auf- und Abstieg für die Indizes entscheidend sind, noch ein paar Worte zu Rocket Internet: Der im Jahr 2007 gegründete Start-up-Finanzierer ging erst im Oktober 2014 an die Börse.

Der Ausgabepreis der Rocket-Internet-Aktien lag damals bei 42,50 Euro. Heute – 6 Jahre später – soll der Börsenrückzug zu 18,57 Euro je Aktie erfolgen. Wohlgemerkt ohne dass zwischenzeitlich auch nur eine einzige Dividende ausgeschüttet wurde und ohne Aufschlag auf den vorherigen Kurs.

Ich halte dieses Vorgehen für äußerst fragwürdig und für alles andere als fair gegenüber dem Kapitalmarkt. Die Aktien sollen nun in der Corona-Krise zu einem Spottpreis zurückgekauft werden und die Aktionäre haben das Nachsehen. Das schadet der deutschen Aktienkultur! Kommen wir nun aber zu den Auf- und Abstiegsregeln, die dafür sorgen, dass Rocket Internet im SDax  durch Cropenergies ersetzt wird:

DAX und Co.: Die Auf- und Abstiegs-Kriterien

Es gibt 2 Kriterien, die über den Auf- oder Abstieg entscheiden. Dabei handelt es sich um:

  1. den Börsen-Umsatz (Wert der täglich gehandelten Stückzahlen der Aktien)
  2. und die Streubesitz-Marktkapitalisierung (Börsenwert des Unternehmens unter Berücksichtigung des Streubesitzes).

Daneben gibt es jeweils 4 Regeln für einen Auf- und Abstieg. Diese möchte ich Ihnen im Folgenden am Beispiel des DAX vorstellen:

1. Fast-Entry:

Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 25 größten Unternehmen zählt. Aus dem DAX scheidet dann jener Wert aus, welcher in mindestens 1 der beiden Kriterien einen Rang schlechter als 35 (falls ein solcher existiert) ist und die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist.

2. Regular-Entry:

Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mind. zu den 30 größten Firmen zählt und sofern ein Indexwert existiert, der nach mindestens einem Kriterium nicht mehr zu den 35 größten Konzernen zählt.

3. Fast-Exit:

Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien (Börsen-Umsatz oder Marktkapitalisierung) nicht mehr zu den 45 größten Konzernen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber bei der Marktkapitalisierung mind. Rang 35 und beim Börsen-Umsatz mind. Rang 45 erreicht.

4. Regular-Exit:

Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 größten Konzernen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber in beiden Kriterien mind. Rang 35 erreicht.

Mögliche Auswirkungen für Auf- und Absteiger

Häufig wirkt sich ein Aufstieg positiv auf die Aktien des Aufsteigers aus. Ein Abstieg dagegen wirkt sich oftmals negativ auf die kurzfristige Wertentwicklung der Aktien der Absteiger aus. Hier gibt es allerdings seit einigen Jahren immer mehr Ausnahmen.

Der Hauptgrund für die positive Aufstiegs-Wirkung: Sogenannte Indexfonds (Fonds, die komplette Indizes abdecken) müssen sich mit den Aktien der Aufsteiger eindecken und die Aktien der Absteiger verkaufen. Dadurch geraten die Aktien der Absteiger unter Druck und die Aktien der Aufsteiger entwickeln sich positiv.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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