Börsenklima Wall Street: Erneut verschlechtert

Die Großinvestoren an der Wall Street sind seit vergangenem Mittwoch erneut auf die Ver-kaufsseite gewechselt. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

An der Wall Street sah es am Freitag lange Zeit nach einem erfolgreichen Wochenschluss aus.

Doch bis zum Sitzungsende gingen Gewinne von zwischenzeitlich gut +1% wieder verloren.

Daran ändert auch das Plus von +0,7% im Dow Jones nichts: Hier sorgte eine Sonderbewegung der Nike-Aktie um fast +9% für den Alleingang des US-Leitindex.

Eine solche Kursentwicklung – gute Gewinne gehen bis Sitzungsende wieder verlustig – ist typisch für einen Bärenmarkt:

Die Bullen können die erzielten Zuwächse nicht behaupten; die Bären gewinnen die Oberhand.

Für Börsen-Unerfahrene scheint dies ein weniger wichtiges Detail zu sein.

Tatsächlich jedoch entscheidet das Wissen um den derzeit vorherrschenden Trend am Aktienmarkt und die richtige Einordnung derartiger Tagesereignisse über Erfolg und Misserfolg beim Investieren.

Der Grund:

The Trend is your Friend – Der Trend ist Dein Freund

In einem Trend – gleichgültig ob auf- oder abwärts gerichtet – bewegen sich mindestens 75% aller Aktien in die gleiche Richtung.

Das bedeutet: Wenn Sie Ihr Anlage-Kapital in einem Abwärtstrend voll investieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass 3 von 4 Aktien-Investments Ihnen Verluste bescheren werden.

Da die Trends von den Großinvestoren initiiert werden, ist es ein kluges Vorgehen, deren Aktivitäten zu verfolgen.

In der klassischen Charttechnik steht Ihnen dazu der Indikator On-Balance-Volumen zur Verfügung, den ich Ihnen hier in Chartanalyse-Trends schon zig-mal präsentiert habe.

Auch das von mir exklusiv für den Momentum-Trader entwickelte Markt-Barometer hilft Ihnen bei der Einschätzung des Börsenklimas.

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Die Point&Figure-Methodik bietet Ihnen ebenfalls ein feines Werkzeug an: Den Bullish-Percent-Index (BPI). Eine Einführung in die Details dieses Indikators finden Sie hier.

Marktzustand des Nasdaq 100 erneut mies für Investoren

In meinem Beitrag vom 25. August hatte ich Ihnen den Bullish-Percent-Index für den Nasdaq 100 vorgestellt.

Da dieser Index „nur“ die 100 bedeutendsten amerikanischen Technologie-Aktien abbildet, ist er deutlich reagibler als breiter aufgestellte Indizes. Daher kommt dem BPI für den Nasdaq 100 eine Art Frühindikator-Funktion zu:

bullish percent index nasdaq 100-28-09-2015

Bullish-Percent-Index des Nasdaq 100: Erneut bestätigter Bärenmarkt (Quelle: stockcharts.com)

Als wir vor gut 4 Wochen, unmittelbar nach dem Mini-Crash, auf den BPI schauten, befanden sich nur noch 15% der Nasdaq 100-Aktien in einem Kaufsignal.

Mit der Erholung der vergangenen Wochen bewegte sich auch das Marktzustands-Barometer aufwärts bis 50% – exakt bis an den zuvor verlassenen Aufwärtstrend, in der Point&Figure-Charttechnik als Bullish-Support-Line bezeichnet.

Großinvestoren verkaufen wieder

Sie sehen selbst, was in der abgelaufenen Handelswoche geschehen ist: Seit Mittwoch befindet sich der Nasdaq 100 erneut in dem für uns Investoren übelsten Marktzustand „Bear Confirmed“ (bestätigter Bärenmarkt).

Dies gilt auch für den S&P 500. Die BPIs für den Nasdaq Composite sowie den NYSE Composite zeigen zurzeit zwar „noch“ freundlichere Marktzustände an: Ein Wechsel steht indes auch hier kurz bevor.

Fazit

Die Risiken an den Aktienmärkten bleiben mithin nicht nur bestehen: An der Wall Street hat sich die Lage in den letzten Tagen wieder sichtlich verfinstert.

Die Großinvestoren waren an der jüngsten Erholungsphase der Aktienmärkte nur zögerlich beteiligt: Der BPI kam nicht über 50% hinaus. Tatsächlich sind die Großanleger seit Mitte letzter Woche wieder auf die Verkaufsseite gewechselt.

Der Abwärtstrend bleibt daher nicht nur bestehen: Die Wahrscheinlichkeit für eine erneut zunehmende Abwärtsdynamik hat sich massiv erhöht.

Entsprechend sollten Sie weiterhin große Vorsicht beim Investieren walten lassen!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.