Börsenneuling Spotify: Sportliche Bewertung

Die Aktie von Börsenneuling Spotify sorgte nur kurz für Furore. Schuld ist die ambitionierte Bewertung. (Foto: WDnet Creation / Shutterstock.com)

Am Dienstag feierte der Musik-Streaming-Dienst Spotify sein Börsendebüt. Nach einem starken Start legte der Wert schnell den Rückwärtsgang ein. Im Hinblick auf die ambitionierte Bewertung verwundert dies nicht.

Kurzportrait

Das 2006 gegründete schwedische Unternehmen ist Marktführer für Musik-Streaming. Nutzer haben die Wahl zwischen einem kostenlosen, werbefinanzierten Angebot oder der Bezahlung per Abonnement. Nach eigenen Angaben verfügt Spotify über 159 Mio. Nutzer, davon 71 Mio. zahlende Abonnenten. Damit besitzt der Dienst rund doppelt so viele zahlende Nutzer wie Apple Music, die Nr. 2 der Branche.

Direktplatzierung statt Bookbuilding-Verfahren

Spotify verzichtete bei seinem Börsengang auf das übliche Preisbildungsverfahren, sondern setzte auf die Direktplatzierung der Aktien. Der Vorteil liegt darin, dass Spotify damit Geld spart, da keine Banken als Konsortialführer für den Börsengang benötigt werden. Der Nachteil liegt allerdings darin, dass kein frisches Kapital eingesammelt werden kann, da lediglich Altaktionäre ihre Anteile abgeben.

Achterbahnfahrt an den ersten beiden Handelstagen

Die New Yorker Börse legte einen Referenzpreis von 132 US-Dollar fest, der jedoch gleich zu Handelsbeginn mit einem ersten Kurs von 165,90 US-Dollar kräftig überboten wurde. Seitdem hat die Spotify-Aktie allerdings den Rückwärtsgang eingelegt: Gestern schloss die Aktie mit 144 US-Dollar nur knapp über dem Referenzpreis vom ersten Handelstag.

Hohe Bewertung steht einer erfolgreichen Kursentwicklung im Weg

Ein Blick auf die Bewertung zum Handelsstart von knapp 30 Mrd. US-Dollar offenbart den Grund für die Zurückhaltung der Anleger. Wie sportlich die Bewertung ausfällt, zeigt ein Vergleich mit einer anderen Internet-Erfolgsgeschichte bei deren Börsenstart: Facebook.

Im Vergleich zu Facebook wird Spotify ein doppelt so hoher Wert pro Nutzer zugestanden – im Hinblick auf den Anteil zahlender Kunden mag dies für sich genommen noch ok sein. Allerdings weist Spotify ein deutlich niedrigeres Umsatzwachstum als Facebook bei seinem Börsengang auf, schreibt rote Zahlen (und daran dürfte sich laut Analystenprognosen so schnell nichts ändern) und schleppt auch noch das Problem hoher Fixkosten mit sich rum. Schließlich stellen die Musikkonzerne bzw. die Musiker ihre Lieder nicht kostenlos zur Verfügung.

Skepsis bei den Analysten

Kein Wunder also, dass sich zahlreiche Analysten skeptisch über die weiteren Kurschancen der Aktie äußeren. Aus dieser Parallele mit Facebook kann Spotify aber Hoffnung schöpfen:

Auch bei der Facebook-Aktie hatten Analysten und Anleger zumindest im ersten Jahr nach dem Börsengang 2012 große Bedenken. Heute steht der Aktienkurs trotz des Rücksetzers durch den Datenskandal 5 Mal so hoch wie am ersten Handelstag.

Ausgeschlossen ist eine ähnliche Erfolgsgeschichte bei Spotify natürlich nicht, jedoch erscheint sie mir relativ unwahrscheinlich. Wer auf eine positive Überraschung setzen möchte, sollte jedenfalls eine gehörige Portion Risikobereitschaft mitbringen.

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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.