Börsenpsychologie Teil 2: So vermeiden Sie die häufigsten Anlegerfehler

In der gestrigen Ausgabe habe ich Ihnen drei von sieben Regeln vorgestellt, mit denen Sie sich vor den größten psychologischen Anlegerfehlern wappnen können. In der heutigen Ausgabe zeige ich Ihnen vier weitere Faustregeln.

Regel 4: Versuchen Sie niemals, erlittene Verluste  „mit Gewalt“ auszugleichen

Verluste gehören an der Börse einfach dazu. Darüber sollten Sie sich immer im Klaren sein und sich nicht übermäßig deswegen ärgern. Denn so mancher Anleger hat nach erlittenen Verlusten das Bedürfnis, diese möglichst schnell wieder auszugleichen.

Die Gefahr ist dann sehr groß, dass Sie bei Ihren nächsten Investments ein zu hohes Risiko eingehen.

Wer sich als Anleger selber  unter den Druck setzt, Verluste sofort wieder ausgleichen zu wollen, läuft Gefahr durch emotionales Verhalten sein Depot weiter in die Verlustzone zu manövrieren.

Tipp: Achten Sie nach Verlusten darauf, dass Sie Ihr Anlageverhalten nicht ändern. Weichen Sie nicht Ihre eigenen Regeln auf, um schnelle Gewinne zu machen. Verzichten Sie auch darauf, spekulativere Aktien zu kaufen, als Sie es gewohnt sind.

Regel 5: Streuen Sie Ihr Kapital

Risikostreuung („Diversifikation“)  ist an der Börse Trumpf. Wer nur eine Aktie im Depot hat, geht ein hohes Risiko ein: Falls ausgerechnet dieses Unternehmen beispielsweise schlecht gemanagt wird, kann die Aktie selbst in einer guten Börsenphase Verluste erleiden.

Grundsätzlich fahren Sie daher immer besser, wenn Sie Ihr Kapital auf mehrere Aktien und andere Wertpapiere verteilen. Auf diese Weise mindern Sie den Einfluss einer einzelnen schwachen Aktie auf Ihr Depot und senken Ihr Risiko.

Mit einer Aufteilung Ihres Kapitals auf verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Währungen) erzielen Sie die beste Risikostreuung.

Außerdem sollten Sie  darauf achten, dass Sie in alle Einzelwerte in etwa dieselbe Summe investieren. Eine Aktie (egal wie aussichtreich diese Ihnen erscheint) wesentlich höher als alle anderen zu gewichten, führt zu einem unnötigen „Klumpenrisiko“. Auch hier wäre der Einfluss einer einzelnen Position auf Ihr Gesamtdepot zu groß.

Regel 6: Kaufen Sie keine Aktien, nur weil sie tief gefallen sind

Besitzen Aktien, die tief gefallen sind, das meiste Kurspotenzial? Ein beliebter Irrtum unerfahrener Anleger. Es spielt keine Rolle, ob eine Aktie schon einmal 100 € wert war, wenn der aktuelle Kurs bei 5 € liegt.

Der Aktienkurs spiegelt die Bewertung der aktuellen Unternehmens-Informationen durch die Marktteilnehmer wider. Wenn die Marktteilnehmer aktuell der Meinung sind, dass eine Aktie nur 5 € wert ist, dann  hat das meist einen guten Grund.

An der Börse wird das laufende Geschäft und die Zukunftsperspektive eingepreist. Im Kurs sind also alle Informationen enthalten, die den Börsenprofis zur Verfügung stehen.

Wenn die Aktie auch nur eine kleine Chance hätte, 100 € wieder zu erreichen, dann wäre der Kurs heute schon höher. Daher sollten Sie sich niemals von optisch billigen Aktien zu einem Kauf verleiten.

Regel 7: Stellen Sie sich nicht gegen den allgemeinen Trend

Eine gute Anlageidee braucht den richtigen Zeitpunkt. Wenn Sie entgegen dem allgemeinen Trend an der Börse handeln, werden Sie kurz- und mittelfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit Verluste einfahren.

Denn oftmals neigen die Aktienmärkte dazu, länger als es eigentlich angebracht wäre, in eine Richtung zu tendieren (sowohl nach oben als auch nach unten). Oftmals  kommt es in diesen Phasen zu irrationalen Kursbewegungen, die auch für Börsenprofis sehr schwer prognostizierbar sind.

Aber selbst wenn Sie die Irrationalität der Kursbewegung erkennen, können Sie sich daran die Finger verbrennen: Denn wer zu früh auf einen Richtungswechsel setzt, mag zwar auf lange Sicht Recht behalten.

Wenn es endlich zur erwarteten Trendwende kommt, müssen Sie dann aber erst einmal hohe Verluste wieder aufholen. Daher ist es besser, mit einem Investment abzuwarten und dann bei „null“ zu starten.

19. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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