Bombe an den ETF-Fonds Anleihemärkten: das schleichende Risiko

Schleichendes Gift oder schnelle Gefahr - auf jeden Fall sind ETFs auf Anleihen höchst riskant (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Wer jetzt Anleihen kaufen möchte, um sicher zu sein, wird mit vielen Problemen konfrontiert. Staatsanleihen landen reihenweise im Minus, Unternehmensanleihen fallen aus, die Zinsen sinken. Achtung: wer sich dagegen schützen möchte und ETF börsengehandelte Fonds kauft, erwirbt ebenfalls höchste Risiken.

Das Risiko bei ETF börsengehandelten Fonds ist unabhängig von der Qualität einzelner Anleihen strukturell. Die Auswahl ist schlicht oft falsch. Dies liegt an den Indizes. Ein Einblick für Sie:

Ein Index auf Anleihen orientiert sich wie auch Aktienindizes an den größten Marktanteilen oder am Marktvolumen. Es landen also wie etwa beim Dax bei den großen Indizes die Anleihen mit dem höchsten Volumen im Index. Dies soll Sicherheit signalisieren, ist aber eine Falle.

Hohes Volumen: viele Risiken

Wenn eine Anleihe ein hohes Volumen hat, ist dies anders als bei Aktien von vornherein ohne nähere Kenntnis der Sachlage ein Alarmzeichen. Denn: Schulden erweitern eine Bilanz. Die Bilanzsumme wächst. Wer sich 100 Euro leiht, hat unter der Position “Verbindlichkeiten” 100 Euro mehr auf der “passiven” Bilanzseite und 100 Euro mehr in der Kasse, also auf der “aktiven” Bilanzseite.

Das aber bedeutet: wer eine hohe Bilanzsumme hat, wird möglicherweise gerade zu den hoch verschuldeten Unternehmen zählen. Je mehr Schulden ein Unternehmen hat, desto eher kommt es damit in die großen Indizes. Dies ist die Tendenz – umgekehrt zu Aktienindizes etwa.

Was ist eine Wandelanleihe?Per Definition sind Convertible Bonds bzw. Wandelanleihen Schuldverschreibungen, bei denen Anleger erhebliche Vorteile nutzen können. › mehr lesen

Ein Beispiel ist der “iBoxx EUR Liquid Corporates Index”. Der Index enthält Anleihen aus dem Finanzsektor, die ungefähr 45% des gesamten Indexvolumens ausmachen. Das heißt: wenn Sie einen ETF auf diesen Index kaufen, erwerben Sie gleich alle Bankrisiken mit.

Falle: Staatsanleihen

Ein ähnliches Bild bei Staatsanleihen: Wenn Sie einen Index auf internationale Anleihen im ETF abbilden, sind vor allem die Staaten mit höchsten Schulden vertreten. Ein Beispiel: investieren Sie in einen Index, der US-Staatsanleihen abbildet, steigt das Risiko eines Ausfalls – anders als bei Standard-Indizes auf Aktien.

Daher sind ETFs auf Indizes zu Anleihen besonders dann ungeeignet:

  • Wenn Sie nur kurz- oder allenfalls mittelfristig investieren wollen. Die Performance von Anleihen – sowohl im Unternehmens- als auch Staatssektor wird bestenfalls schlecht sein.
  • Wenn Sie in große Indizes investieren wollen, erhöht sich das Risiko dramatisch. Investieren Sie daher allenfalls in kleinere  Indizes.
  • Wenn Sie in Schwellenländer investieren, kaufen Sie zudem viele “Kredite” ein.

GeVestor meint: ETFs sind ein blendendes Investment – für die meisten Anwendungen. Index-ETFs sind noch besser, weil passive Indizes in aller Regel aktiv gemanagte Depots schlagen. Bei Anleihen ist dies anders: investieren Sie möglichst nicht in Indizes. Deren Sicherheit ist scheinbar hoch. Das Risiko aber wird zur Bombe, wenn die ersten Staatsanleihen ausfallen.


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.