Borg-Warner will Rivalen Delphi Technologies schlucken

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Die Konsolidierung in der Autozulieferbranche geht in die nächste Runde: Borg-Warner macht einen Deal mit Delphi. (Foto: Vintage Tone/Shutterstock)

Das Übernahmekarussell dreht sich munter weiter. Mit Borg-Warner und Delphi Technologies bahnt sich der nächste milliardenschwere Deal unter den Automobilzulieferern ab. Vor allem die strukturellen Umbrüche in der Automobilbranche sind für die hohe Transaktionsaktivität verantwortlich. So liegt die Intention hinter dem Zusammenschluss auf der Hand: Mit dem Zukauf will sich der auf Antriebstechnologien spezialisierte US-Konzern Borg-Warner vor allem auf dem Markt für Elektro- und Hybrid-Autos stärken.

Die erste Reaktion der Anleger nach der Deal-Ankündigung fiel heftig aus. Während die Papiere von Borg-Warner um 6% einknickten, schoss die Aktie von Delphi um mehr als 60% in die Höhe.

Borg-Warner mit 3,3 Milliarden Dollar-Offerte

Den Deal lässt sich Borg-Warner einiges kosten. Unter dem Strich sollen 0,4534 eigene Stammaktien pro Delphi-Papier den Besitzer wechseln. Damit kommt das Objekt der Begierde auf eine Bewertung von 3,3 Milliarden Dollar. Für Sie zum Vergleich: Borg-Warner bringt es nach dem Kursrutsch auf einen Börsenwert von 7,4 Milliarden Dollar.

Nach der Vereinigung würden die bisherigen Borg-Warner-Aktionäre 84% an dem neuen Unternehmen besitzen, die bisherigen Anteilseigner von Delphi Technologies würden die restlichen 16% halten. Die Übernahme soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 abgeschlossen werden.

Wer hinter Delphi Technologies steckt

Das Unternehmen entstand vor gut zwei Jahren aus einer Abspaltung des US-Autozulieferers Delphi Automotive. Der Konzern hatte sein Getriebe- und Ersatzteil-Geschäft unter dem Namen Delphi Technologies abgespalten und sich selbst in Aptiv umbenannt. Geführt wird Delphi Technologies seither aus London.

Das Unternehmen bietet Verbrennungssysteme, Elektrifizierungsprodukte sowie Software und Steuerungen an und ist über ein globales Aftermarket-Netzwerk auf dem Pkw- und Nutzfahrzeugmarkt sowie in der Fahrzeugreparatur tätig. Der Konzern beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter, darunter 5.000 Ingenieure. Insgesamt betreibt Delphi Technologies technische Zentren, Produktionsstätten und Kundenbetreuung in 24 Ländern. Zuletzt ging ein Jahresumsatz von 4,8 Milliarden Dollar durch die Bücher – der Nettogewinn lag unterdessen bei 358 Millionen Dollar.

Fusion soll den führenden Antriebshersteller weltweit schaffen

Durch den Zusammenschluss soll einer der weltweit führenden Antriebshersteller entstehen. Vor allem das Engagement im Bereich Elektroantriebe will Borg-Warner-Chef Frédéric Lissalde mit dem Deal ausbauen. Sie müssen wissen: Besonders Antriebshersteller standen zuletzt unter Druck, weil Elektroautos weit weniger komplexe Getriebe benötigen als Benzin- und Diesel-Fahrzeuge.

Einsparungen in Millionenhöhe

Die Dimension der neuen Firma ist beträchtlich: Zusammen kommen beide Firmen auf einen Jahresumsatz von rund 15 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von knapp 1,3 Milliarden Dollar. Damit würde das Gemeinschaftsunternehmen auf Platz 18 der international größten Automobilzulieferer vorrücken und vier Plätze gutmachen. Darüber hinaus soll der Deal auch ordentlich Kosten sparen. Die beiden Firmen erhoffen sich durch ihre Zusammenarbeit bis 2023 Einsparungen in Höhe von rund 125 Millionen Dollar.

Fazit: Mit dem Deal vereinen sich zwei Firmen, die zuletzt kräftig unter Druck standen. Bei Borg-Warner schrumpfte der Jahresumsatz um 3%, bei Delphi Technologies betrug der Rückgang sogar 10%. Ob durch die gewonnene Größe und die erhofften Synergieeffekte eine Trendwende eintritt, wird sich aber erst noch zeigen müssen.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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