Bosch will Diesel-Image aufpolieren

Bosch will den Diesel retten. Lesen Sie jetzt, warum wir den Diesel noch über Jahre brauchen. (Foto: Alexander Tolstykh / Shutterstock.com)

Der deutsche Aktien-Leitindex DAX hat heute die Marke von 12.600-Punkten zurückerobert, doch aus aktuellem Anlass möchte ich heute hier im Schlussgong auf ein Unternehmen eingehen, das nicht an der Börse notiert ist:

Der deutsche Bosch-Konzern, der unter anderem als Autozulieferer tätig ist, will das ramponierte Image des Diesel-Motors aufpolieren. Eine neu entwickelte Abgastechnik soll den Diesel vor dem Niedergang bewahren und zugleich die Zukunft eines für Bosch sehr wichtigen Geschäftsbereichs sichern.

Bosch-Chef Volkmar Denner sagte bei der Präsentation der Bosch-Bilanz für 2017, „das Stickoxid-Problem im Straßenverkehr ist technisch lösbar“. Der Bosch-Konzern verspricht mit seinem neuen System den Stickoxid-Ausstoß des Diesel-Antriebs auch im Realbetrieb (also nicht nur auf dem Prüfstand) weit unter den aktuellen und auch unter den zukünftig geltenden Grenzwerten halten zu können.

Wie das geht? Dies soll möglich sein durch eine Kombination aus neu entwickelter Einspritz-Technik, Temperaturmanagement im Motor, Luftsystem und dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Eine ganz entscheidende Rolle soll dabei das Temperaturmanagement spielen.

Dazu teilt das Unternehmen folgendes mit: „Für eine optimale Stickoxid-Konvertierung müssen die Abgase mehr als 200 Grad heiß sein – eine Temperatur, die gerade bei Stadtfahrten oft nicht erreicht wird. Grund dafür sind Staus oder Stop-and-go-Verkehr, welche die Abgasanlage auskühlen lassen. Das neue Thermomanagement von Bosch gleicht diesen Nachteil aus, indem es die Abgastemperatur aktiv steuert.“

Einen Haken gibt es jedoch: Die neue Technologie kann nicht in alten Dieselfahrzeugen eingesetzt werden. Daher hilft sie den Eigentümern älterer Dieselfahrzeuge nicht dabei, eventuelle Fahrverbote zu umgehen.

Unter Umständen besser als Elektroautos

Bosch möchte mit dieser neuen – nach eigenen Angaben viel saubereren Technologie – das Aus des Diesel verhindern. Nach Angaben von Bosch-Chef Denner ist es besser, den richtigen Diesel zu fahren als das falsche Elektroauto.

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Was er damit meint? Er plädiert zunächst einmal dafür, dass die Umweltbilanz von Elektroautos realistischer betrachtet werden müsse. Woher kommt eigentlich der Strom, mit dem die Fahrzeuge angetrieben werden? Und die Rohstoffe für die Elektro-Batterien (inklusive Entsorgung).

In den USA sind insbesondere in wohlhabenderen Bundesstaaten die Elektrofahrzeuge von Tesla recht weit verbreitet. Wenn jedoch der Strom, mit dem die Teslas angetrieben werden, überwiegend aus fossiler Energie gewonnen wird und nicht durch Solar- oder Windenergie, ist die gesamte Umweltbilanz verbesserungswürdig.

Hinzu kommt, dass es sehr energieintensiv ist, die Akkus für diese Fahrzeuge herzustellen und dass die Akkus am Ende ihrer Lebensdauer entsorgt werden müssen, was aus heutiger Sicht ebenfalls sehr umweltschädlich ist.

Daher kann es, so Bosch, für die Umwelt im Zweifel besser sein, den „richtigen Diesel“ als das „falsche Elektroauto“ zu fahren.

Vernünftiger Antriebs-Mix benötigt

Meiner Ansicht nach können wir es uns nicht erlauben, den Diesel innerhalb kurzer Zeit vollständig aufs Abstellgleis zu stellen. Denn ohne (sauberen) Diesel werden wir die CO2-Ziele nicht erreichen. Dann können wir zwar die Stickoxid-Grenzwerte einhalten, beim CO2 hingegen wird es nicht klappen.

Da wir mit alternativen Antriebsformen (Elektromobilität, Hybrid-Antriebe, Brennstoffzelle) noch nicht so weit sind, wie wir sein müssten, um diese Technologien in naher Zukunft flächendeckend einsetzen zu können, brauchen wir noch über Jahre den (sauberen) Verbrennungsmotor (auch den Diesel).

Daher gilt für Sie als Investoren: Setzen Sie bei den börsennotierten Autobauern und Zulieferunternehmen keinesfalls nur auf eine einzige Technologie. Ich empfehle auf Unternehmen zu bauen, die verschiedene Technologien anbieten. Der Mix aus Verbrennungsmotor, Elektromotor und Brennstoffzelle wird gewinnen.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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