BP Aktie: Bald Übernahmeziel eines Mega-Deals?

Die fetten Jahre der Ölkonzerne sind vorbei, zumindest erst einmal. Der Ölpreis, der sich binnen weniger Monate halbiert und nun auf vergleichsweise niedrigem Niveau eingependelt hat, schlägt sich längst in den Bilanzen nieder.

Zwar schreiben die Giganten der Branche noch keine allzu roten Zahlen, doch einsetzende Gewinnrückgänge müssen nun durch sinkende Kosten abgefangen werden.

Vor allem bei Investitionsvorhaben und Personalausgaben wird der Rotstift angesetzt. So auch bei BP, wobei der Konzern noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat.

„Deepwater Horizon“: Der dicke Batzen kommt noch

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass im Golf von Mexiko die Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ explodierte, was mehrere Arbeiter in den Tod riss und eine gigantische Umweltkatastrophe verursachte.

Für BP als Betreiber der Bohrinsel ist das Kapitel noch immer nicht abgeschlossen. Es wird eine Rekordstrafe im zweistelligen Milliardenbereich erwartet, die womöglich noch in diesem Jahr verhängt werden könnte.

Dass die BP-Aktie seit Jahresbeginn dennoch zulegen konnte, überrascht auf den ersten Blick. Um mehr als 20 Prozent hat sich das Papier seit Anfang Januar verteuert und stand zuletzt bei etwa 6,50 Euro.

2015-05-05 BP

Anleger hoffen auf Branchenkonsolidierung

Der Hintergrund sind Spekulationen um eine bevorstehende Branchenkonsolidierung: BP könnte auf Einkaufstour gehen und sich kleinere Ölfirmen einverleiben – oder aber selbst zum Übernahmeziel werden. Der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil soll bereits seit längerem an den Briten interessiert sein.

Wohl vor allem mit Hoffnung auf eine solche bevorstehende Übernahme griffen Anleger zuletzt wieder vermehrt zur BP-Aktie, die vom „Deepwater Horizon“-Kurseinbruch im Frühjahr 2010 noch immer nicht vollständig erholt hat. Inzwischen aber notiert sie wieder auf einem Niveau, das sie seit der Katastrophe nicht mehr erreicht hatte.

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist ein solches Investment allerdings mit hohen Risiken behaftet und dementsprechend mit Vorsicht zu genießen. Analysten bewerteten die Aktie zuletzt höchst uneinheitlich.

Analysten urteilen uneinheitlich

Sie sprachen in ungefähr gleichem Umfang Kauf- und Verkaufsempfehlungen aus, wieder andere rieten dazu, bestehende Bestände zu halten, aber nicht aufzustocken.

In jedem Fall braucht es eine gewisse Risikofreude, angesichts der bevorstehenden Strafzahlungen und es anhaltend niedrigen Ölpreises von um die 60 Dollar je Barrel in BP zu investieren. Am eigenen Schopf wird sich das Unternehmen nur schwerlich aus dem Sumpf ziehen können, in den es 2010 gestoßen wurde.

Dass sich die Branche insgesamt auf Konsolidierungskurs befindet, zeigt auch der niederländische Konkurrent Royal Dutch Shell. Die Nummer vier der weltweiten Ölgiganten, gemessen an der Marktkapitalisierung, will sich noch weiter vergrößern und hat angekündigt, für rund 65 Milliarden Euro die britische BG Group schlucken zu wollen.

Ein Mega-Deal, der bei den Mitbewerbern ebenfalls für Appetit sorgen könnte, so die Hoffnung mancher Anleger. Allerdings wird erwartet, dass Exxon Mobil erst einmal das Urteil gegen BP abwartet, bevor es – möglicherweise – zu einer Offerte kommt.

5. Mai 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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