BP Aktie: Vorsicht – Gewinne brechen ein!

An der Börse lesen sich hervorragende Bilanzen manchmal ziemlich schlecht, z. B. wenn Milliardengewinne eingefahren werden, die Erwartungen der Analysten aber noch höher angesetzt waren.

Doch es gibt auch den umgekehrten Fall, in dem ziemlich schwache Zahlen auf einmal positiv erscheinen – nämlich dann, wenn die Analysten und Aktionäre noch Schlimmeres befürchtet hatten.

So erging es gerade auch dem britischen Öl-Giganten BP.

Im 1. Quartal 2016 hat der Konzern einen Verlust von 583 Mio. US-Dollar oder 518 Mio. € eingefahren.

Damit knüpft BP nahtlos an die Entwicklung des vorangegangenen Jahres an: 2015 hatte das Unternehmen mit 5,2 Mrd. US-Dollar den größten Verlust seit 20 Jahren eingefahren.

Ölpreis-Verfall macht der Branche zu schaffen

So hatte manch einer für das abgelaufene Q1 mit noch weitaus schlechteren Zahlen gerechnet.

Beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn gab es sogar ein überraschendes Plus von 532 Mio. US-Dollar, Experten hatten hier Verluste in 3-stelliger Millionenhöhe erwartet.

Hauptauslöser für die insgesamt schwachen Bilanzen ist der Verfall des Ölpreises.

Seit Sommer 2014 ging es rapide abwärts, im Durchschnitt kostete das Barrel der Sorte Brent im 1. Quartal 2016 rund 34 US-Dollar. Vor 2 Jahren wurden dafür noch 3-stellige Beträge gezahlt.

Der Ölpreis-Crash hat bekanntlich die gesamte Branche hart getroffen und zu immensen Einschnitten gezwungen.

Investitionen wurden heruntergeschraubt, Sparprogramme aufgelegt und der Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt.

Auf Jahre mit satten Milliarden-Gewinnen folgen nun Milliarden-Verluste – was zu der Frage führt, inwiefern die Vergütung der Vorstände an solche Umstände gekoppelt werden sollte.

Die Vergütungs-Frage

BP-Chef Bob Dudley hat kürzlich für Schlagzeilen gesorgt, als die Aktionärs-Vertreter bei der Hauptversammlung seinen Vergütungs-Vorschlag krachend durchfallen ließen.

Rund 14 Mio. Pfund bzw. gut 17 Mio. € hatte Dudley einstreichen wollen für das Jahr 2015, doch knapp 60% der Anteilseigner stimmten dagegen. Ihr Votum ist nicht bindend, aber doch ein deutliches Signal.

Die Geschäftszahlen sind im Keller, der Aktienkurs dümpelt vor sich hin, die Dividende beläuft sich auf gerade einmal 10 Cent je Aktie – der Ärger der Anleger erscheint verständlich.

Doch weder der Ölpreis-Verfall, noch die Flaute beim Aktienkurs hat Dudley zu verantworten, auf beides kann er kaum Einfluss nehmen.

Dennoch wäre es im Zuge der guten Unternehmens-Führung wohl ratsam, zumindest auf einen Teil der Ansprüche zu verzichten und somit guten Willen zu signalisieren.

Wenn die Geschäfte nicht gut laufen, müssen eben alle den Gürtel enger schnallen; inklusive der Vorstände, die wohl trotz allem nicht am Hungertuch nagen werden.

Aus Sicht der Anleger war 2015 unterm Strich ebenfalls kein gutes Jahr. Auf Jahressicht hat die BP Aktie mehr als 1/4 ihres Wertes eingebüßt. Zuletzt war das Papier für 4,60 € zu haben.

2016-05-06 BP

7. Mai 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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