BP Aktie: Wie der Konzern den Ölpreis-Schock verkraftet

Noch immer kämpft der britische Ölkonzern BP mit den Folgen der Deepwater Horizon-Katastrophe. Kommen bald wieder bessere Zeiten auf das Unternehmen und seine Anleger zu? (Foto: JuliusKielaitis / shutterstock.com)

Für BP-Aktionäre hat das Grauen einen Namen: Deepwater Horizon. Seit die Bohrplattform im Golf von Mexiko am 20. April 2010 explodierte und zwei Tage später im Meer versank, kämpft BP mit den Folgen.

Und die sind zahlreich: Elf Arbeiter kamen bei dem Unfall ums Leben, es folgte eine gigantische Ölpest mit massiven Schäden für die Umwelt. Zudem wurden BP eine unzureichende technische Ausstattung und weitere Mängel an der Plattform nachgewiesen.

Prozesse verschlingen Milliardenbeträge

Zahlreiche Gerichtsverfahren haben das Unternehmen bereits etliche Milliarden Dollar gekostet, die Rückstellungen für die Folgekosten der Katastrophe belaufen sich auf rund 40 Milliarden Dollar.

Auch der Imageverlust durch die mediale Berichterstattung über den Vorfall und seine Ursachen war immens. Der Aktienkurs brach unmittelbar nach dem Desaster deutlich ein und hat sich seither nur langsam erholt. Das Kursniveau von vor Deepwater Horizon ist seither bislang unerreicht.

Dennoch konnte die Aktie im Sommer 2014 zulegen und den höchsten Wert seit damals markieren. Seitdem ging es allerdings wieder zweistellig abwärts: Allein in den vergangenen sechs Monaten hat das Papier rund 12 Prozent an Wert verloren. Auf Jahressicht fällt der Verlust nicht ganz so heftig aus, hier schlagen derzeit gut 4 Prozent zu Buche.

2014-12-09 BP

Warum einsteigen?

Warum also sollten Anleger dennoch in BP investieren? Der erste Grund liegt scheinbar auf der Hand: Die Aktie ist nach all den Verlusten vergleichsweise günstig zu haben. Zudem bietet sie mittelfristig Potenzial – wenn das Unternehmen die Deepwater-Katastrophe finanziell erst einmal hinter sich gelassen hat.

Aktuell belastende Faktoren könnten sich in der Zukunft zum Besseren wenden: Hier ist vor allem an den Ölpreis zu denken. Dieser ist zuletzt stark gefallen und liegt derzeit konstant bei unter 100 US-Dollar je Barrel. Auch das hat die Kursentwicklung der Ölkonzerne belastet, schwinden durch den geringen Preis doch ihre Einnahmen.

Allerdings zeichnet sich eine Kehrtwende ab: Mittelfristig werden die OPEC-Staaten einen höheren Preis durchsetzen, und sei es durch eine Reduktion der Fördermenge. Dadurch würde der Umsatz anziehen – bei gleichbleibenden Ausgaben. Zudem ist auch die Nachfrage relativ gesichert: Auf Erdöl kann die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit schlichtweg nicht verzichten.

Blockiert das Russland-Investment eine Fusion?

Schwieriger gestaltet sich der Blick nach Russland: Dort ist BP groß beim Energieriesen Rosneft investiert und somit direkt betroffen von den EU- und US-Sanktionen im Kontext des Ukraine-Konflikts. Wenngleich eine unmittelbare Eskalation der Situation derzeit unwahrscheinlich erscheint, so kann doch von einer Entspannung der Lage ebenso wenig die Rede sein.

Last but not least: Vor wenigen Tagen wurde erneut über eine mögliche Übernahme von BP durch den Konkurrenten Shell spekuliert, was den Aktienkurs kurzfristig befeuerte. Entsprechende Gerüchte halten sich seit Jahren hartnäckig, werden aber von Analysten skeptisch betrachtet – insbesondere vor dem Hintergrund des Russland-Engagements von BP. Frei nach dem Motto: Warum sollte Shell sich einen solchen Klotz ans Bein binden? Andererseits – der Einstiegszeitpunkt wäre günstig.

Fazit: viele Fragezeichen

Insofern bleibt ein Investment in BP-Aktien für Sie als Privatanleger zunächst einmal mit vielen Fragezeichen verbunden – könnte sich aber mittelfristig auszahlen. Fazit: nur für mutige Anleger, die es sich leisten können, länger dabei zu bleiben und gegebenenfalls auch Verluste zu verschmerzen.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.