BP – Warum wir trotz höherer Dividende warnen

Energie-Riese BP steigert die Dividende. Ist jetzt wieder alles gut beim Katastrophen-Konzern? (Foto: Jevanto Productions / shutterstock.com)

Es ist ruhig geworden um den britischen Ölriesen BP. Vor einigen Jahren noch bestimmte die Katastrophe um die havarierte Ölplattform Deepwater Horizon das Nachrichtengeschehen. Sogar eine Pleite von BP lag im Bereich des Möglichen. Und nun? Der Ölkonzern will seine Dividende anheben. Und das trotz eines um 26 Prozent niedrigeren Quartalsgewinns. Künftig sollen in jedem Quartal 9,5 US-Cent an Aktionäre fließen. Das sind 5,6 Prozent mehr als bisher.

Auf diese Nachricht reagierten die Börsen unmittelbar nach Veröffentlichung mit Freude. Um rund 5% zog der Aktienkurs an. Wir fragen uns, ob diese Entwicklung nachhaltig sein kann. Ist BP nicht noch gebeutelt von den Milliardenzahlungen aufgrund der mitverursachten Ölpest? Kann ein Unternehmen solche eine Katastrophe so leicht wegstecken? Schauen wir uns das Unternehmen einmal genauer an.

Die Katastrophe hat noch immer Folgen

BP ist die Holdinggesellschaft der nach Umsatz weltweit drittgrößten Öl- und Petrochemiegruppe. Wichtigste Geschäftsbereiche sind Exploration, Förderung, Raffinierung und Vermarktung von Öl und Naturgas sowie Verarbeitung und Verkauf von petrochemischen Produkten.

Der Ölunfall im Golf von Mexiko zeigt nach wie vor Wirkung. BP hat zwar im 1. Halbjahr mehr umgesetzt und unterm Strich aufgrund von Sondereffekten auch mehr verdient. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten ging jedoch um 15,5% auf 6,9 Mrd $ zurück, im 2. Quartal sogar um 23,6% auf 2,7 Mrd $. Damit hat der Konzern die Markterwartungen verfehlt.

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BP musste weitere 1,4 Mrd $ an Rückstellungen für Entschädigungen bilden. Weitere Belastungsfaktoren waren eine deutlich höhere Steuerlast, schlechte Geschäfte in Russland, der niedrigere Ölpreis sowie ein Rückgang der täglichen Öl- und Gasförderung um 3,3% auf 2,29 Mio Barrel. BP musste sich von etlichen Beteiligungen trennen, um Geld für Entschädigungen einzusammeln.

BP: Probleme bleiben

Der von BP zur Schadensbegleichung eingerichtete Fonds, der ursprünglich 20 Mrd $ umfasste, ist fast aufgebraucht. Die Frist für Anträge auf Entschädigung läuft aber noch bis April 2014. Sollten weitere Zahlungen notwendig werden, werden diese voll auf die operativen Ergebnisse durchschlagen. Und dazu könnte es durchaus kommen. Denn die Entschädigung von 7,8 Mrd $ aus einem bereits geschlossenen Vergleich droht höher auszufallen als erwartet.

Operativ macht sich BP zwar die Hoffnung, durch eine Vereinbarung mit dem russischen Energie-Riesen Rosneft an günstige Energie-Rohstoffe zu kommen, doch ist dies keineswegs in trockenen Tüchern. Wir raten Aktionären daher zu Vorsicht. Eine höhere Dividende ist zwar erfreulich, doch kann diese Nachricht nicht die fundamentalen Probleme bei BP verdecken.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.