Branchenberichte: PKW-Markt erholt sich, Maschinenbau im Rückwärtsgang

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Wenn wir uns 2 große Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft anschauen, zeigt sich derzeit ein gemischtes Bild. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Nachdem politische Sorgen (unkontrollierter Brexit, Handelskonflikte, hohe Staatsverschuldung Italiens) die Börsen über Wochen negativ belasteten, sah es gestern und heute wieder etwas freundlicher aus. Grund dafür sind vor allem Spekulationen einiger Marktteilnehmer auf eine Lockerung der Zinspolitik der US-Notenbank Fed.

Daneben gab es positive Branchendaten, aber auch weniger positive Branchenentwicklungen. Fangen wir mit den guten Nachrichten an.

PKW-Markt zieht deutlich an

Der PKW-Markt in Deutschland ist im vergangenen Monat deutlich gewachsen. Getrieben wurde das Wachstum vor allem von gewerblichen Autoverkäufen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) wurden im Mai dieses Jahres mit 332.962 Fahrzeugen 9,1% mehr Neuwagen zugelassen als im Vorjahreszeitraum.

Nachdem die Gesamtjahresbilanz per Ende März noch leicht negativ war (-0,2%), ist sie nun, nach dem starken Monat Mai, mit 1,7% gegenüber dem Vorjahr im Plus. Der Anteil der gewerblichen Neuzulassungen an dem Zuwachs lag laut KBA bei 62,9% und damit bei annähernd zwei Dritteln.

Bei den gewerblichen Zulassungen lag das Plus zuletzt bei gut 12%, bei den privaten Zulassungen bei 4,5%. Bis auf Audi, Volkswagen und die BMW-Tochter Mini konnten alle Marken zulegen. Bei BMW lag der Zuwachs sogar bei 42%!

Problematisch: Der Anteil der Diesel-Neuzulassungen lag im zurückliegenden Monat mit 33,3% weiter deutlich unter dem Anteil der Benziner, der bei 59% liegt. Problematisch ist das deshalb, weil sich die Diskussion um CO2-Emissionen damit verschärfen wird. Denn Benziner stoßen deutlich mehr CO2 aus als Diesel-Fahrzeuge. Gleichzeitig geht der Trend immer stärker zum SUV, was zu ebenfalls höheren CO2-Emissionen führt.

Insgesamt lag die CO2-Emission der Neuwagen-Flotte im Mai dieses Jahres bei 158,3 Gramm je Kilometer. Ab 2021 müssen die europäischen Hersteller den Ausstoß im Schnitt auf 95 Gramm gesenkt haben, um Bußgeldern zu entgehen.

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Der Anteil der neu zugelassenen E-Autos fiel im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht von 1,5 auf 1,4%. Immerhin blieb der Anteil von Plug-In-Hybriden (Benziner, die über einen zusätzlichen E-Motor verfügen und an die Steckdose gehängt werden können) mit 1% konstant. Sie sehen: Wenn die Käufer weiterhin Diesel-Fahrzeuge meiden und stattdessen auf Benziner umsteigen, drohen bald eher Fahrverbote für Benziner als für Diesel.

Maschinenbau im Rückwärtsgang

Blicken wir nun auf die Maschinenbau-Branche: Die Maschinen- und Anlagenbauer hierzulande haben zuletzt die schwächere Konjunktur (vor allem bedingt durch den Handelskonflikt USA/China) immer mehr zu spüren bekommen.

Die Auftragseingänge ließen im April weiter nach. Das war bereits der 5. Monatsrückgang in Folge. Die anhaltenden Handelsstreitigkeiten der großen Wirtschaftsblöcke, aber auch viele regionale politische Krisen sorgen dafür, dass die Investoren verunsichert sind und sich mit neuen Bestellungen zurückhalten, so VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Die jüngsten Entwicklungen sollten Investoren meines Erachtens aber keine allzu tiefen Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Schließlich ist das größte Problem (Handelskonflikt zwischen USA und China) lösbar.

Meine Empfehlung: Sie als Anleger sind derzeit gut beraten, wenn Sie neben konjunktursensiblen Branchen wie der Autobranche oder dem Maschinen- und Anlagenbau auch auf defensive Branchen wie die Lebensmittelindustrie oder die klassische Pharmabranche setzen.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich von Ihren zyklischen Werten trennen sollten. Im Gegenteil: Mutige Anleger mit einem längeren Anlagehorizont können die derzeit teilweise sehr günstigen Kurse bei Zyklikern zum Einstieg nutzen.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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