Braut sich bei Zalando im vierten Quartal etwas zusammen?

Zalando Sujet

Zalando verwirrt die Anleger, weil trotz guter Ergebnisse die Gesamtjahreserwartungen nicht nach oben genommen werden. (Foto: Zalando)

Eigentlich sieht alles gut aus bei Zalando: Aus dem Bericht zum dritten Quartal, den der Online-Modehändler zum Ende der vergangenen Woche vorgelegt hat, geht hervor, dass nicht nur mehr Kunden gewonnen, sondern auch die Anzahl von Bestellungen deutlich gesteigert werden konnte.

Dies drückte sich in einem 26,7 %igen Anstieg der Erlöse auf rund 1,5 Milliarden Euro aus – deutlich mehr, als Zalando in den Quartalen zuvor zulegen konnte: Da lagen die Zuwachsraten bei 15,2 % (Q1) bzw. 20,1 % (Q2). Überdurchschnittliches Wachstum konnte Zalando vor allem im europäischen Ausland erzielen, insbesondere in Spanien, den skandinavischen Ländern und in Tschechien.

Deutlicher Ergebnisanstieg

Auch das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (kurz EBIT) konnte deutlich verbessert werden. Hier stand ein Quartalsergebnis von 6,3 Millionen Euro zu Buche, nachdem im schwach ausgefallenen Vorjahresquartal noch ein operativer Verlust von 38,9 Millionen Euro vermeldet werden musste.

Auslöser der deutlichen Margensteigerung sind günstigere Einkaufsbedingungen, ein früherer Start in die Wintersaison, geringere Wertberichtigungen auf Retouren und niedrigere Fulfillment- und Verwaltungskosten. Zwar wurden im Herbstquartal insgesamt 34,7 Millionen abgewickelt, ein Viertel mehr als im Vorjahr, doch hat sich der Trend zu kleineren Warenkörben fortgesetzt: Durchschnittlich orderten die Kunden Textilien im Wert von 56,60 Euro – gegenüber einem Warenkorb von 57,70 Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dass diese Kennzahl für die weitere Entwicklung so bedeutsam ist, liegt daran, dass die Kosten für die Abwicklung umso stärker ins Gewicht fallen, je kleiner der Warenkorb ist.

Verwirrung um die Gesamtjahresprognose

Dennoch: Operativ kann man bei dem MDAX-Unternehmen zufrieden sein. Und doch kam die Aktie nach Veröffentlichung des Quartalsberichts unter Druck. Mehr als 7% verloren die Aktien in der vergangenen Woche – im Dreimonatsvergleich rangiert Zalando damit auf einem der letzten Plätze im Index der mittelgroßen Titel.

Auslöser war, dass Finanzvorstand David Schröder nicht wie erhofft auch die Gesamtjahreserwartungen angeboten hat. Was auf den ersten Blick als das Handeln eines vorsichtigen Kaufmanns interpretiert werden könnte und damit unseren Respekt verdient hätte, wird auf den zweiten Blick zu einer nur schwerlich verdaulichen Vorsicht, die misstrauisch macht.

Wenn nämlich der vor drei Monaten angehobene und nun bestätigte Ertragsausblick eintreten sollte, würde dies ein rückläufiges Ergebnis im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahresbetrag von 117,8 Millionen Euro implizieren, selbst wenn die obere Grenze des Jahresziels erreicht werden würde. Selbst einige der bullishen Analysten sind der Meinung, dass der Gewinnausblick angesichts der starken Entwicklung der ersten neun Monate als anspruchslos daherkommt. Steht Zalando also vor einer Ertragswende?

Über das Management von Erwartungen

Der Quartalsbericht liefert hierzu wenig Anhaltspunkte. Zwar findet sich der Hinweis, dass die Herbst-Winter-Saison in diesem Jahr trotz des goldenen Herbstes früher gestartet sei. Was zu Vorzieheffekten geführt haben könnte, unter denen Zalando im vierten Quartal leiden würde. Doch diese Argumentation erscheint angesichts der Finanzzahlen weit hergeholt zu sein.

Bleibt die Vermutung, dass der Vorstand einfach nur vorsichtig sein will. Vielleicht erinnert er sich auch nur an das Vorjahr, als die vollmundigen Ziele verfehlt wurden. Und die Aktie mehr als die Hälfte ihrer Kapitalisierung einbüßte. Manchmal ist es eben nicht so einfach, die Erwartungen der Marktteilnehmer zu treffen.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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