Brenntag: Der nächste Chemiekonzern kappt die Prognose

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Der nächste Chemiekonzern kappt die Prognose. Die Aussichten bei Brenntag bleiben unsicher. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Gestern nach Börsenschluss hat nun also auch der Chemie-Handelskonzern Brenntag seinen Ausblick für das Gesamtjahr nach unten angepasst.

Deutliche Abschwächung der Geschäftsentwicklung

Ausgangspunkt der Gewinnwarnung sind die Halbjahreszahlen. Auf Basis der vorläufige und ungeprüften Zahlen konnte Brenntag den Rohertrag im zweiten Quartal 2019 auf rund 723 Millionen Euro von 677,0 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum steigern. Auch beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) konnte Brenntag mit 266 Millionen Euro ein ansehnliches Plus vermelden – im Vorjahr lag das EBITDA nur bei 231 Mio. Euro.

So weit, so gut. Was den Vorstand nun zu der Gewinnwarnung veranlasst, ist die Entwicklung im Juni. Nachdem die Geschäftsentwicklung in den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals noch vergleichsweise gut verlaufen war, kam es im Juni zu einer so nachhaltigen Abschwächung der Nachfrage und der Ertragslage, dass nach Ansicht des Vorstands die bisherigen Erwartungen für das Gesamtjahr nicht mehr zu halten sind.

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Senkung der Bandbreite

Daher korrigiert Brenntag die Wachstumserwartungen des operativen EBITDA für das Gesamtjahr auf eine Bandbreite von 0% bis 4%, nachdem zuvor mit einem Zuwachs in der Bandbreite von 3% bis 7% gerechnet worden war. Aus meiner Sicht bedenklich bei dieser Prognose ist, dass der Vorstand damit unterstellt, dass die Wachstumsraten im zweiten Halbjahr über denen des ersten Halbjahrs liegen werden. Angesichts der angedeuteten Verschlechterung im Juni, die sich auch im Juli nicht nennenswert verbessert haben dürften, dürfte diese Erwartung als optimistisch einzustufen sein.

Brenntag ist ein zyklisches Unternehmen par excellence. Während eines konjunkturellen Abschwungs – die älteren unter Ihnen werden sich an dieses Phänomen vermutlich noch erinnern – werden zyklische Unternehmen in der Regel unprofitabel. Dies war im Übrigen auch bei Brenntag im Jahr 2008 der Fall, als ein Nachsteuerverlust von -41,8 Millionen Euro eingefahren wurde.

Herabstufungen drohen

Bis gestern hatte die Mehrheit der Brenntag begleitenden Finanzanalysten ein Kaufurteil ausgesprochen. Im Durchschnitt rechnen die Analysten mit einem rund 10%igen Anstieg des Nachsteuerergebnisses, ein Trend, der sich, wenngleich abschwächend, auch in den folgenden Jahren fortsetzen soll. Diese Prognosen werden nun nicht mehr aufrechtzuhalten sein. Insofern dürfte es in den kommenden Tagen Herabstufungen beim Anlageurteil und den Kurszielen hageln, die dem Aktienkurs sicherlich nicht gut bekommen werden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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