Brexit bringt 100 Mrd. Dollar schwere Bier-Übernahme ins Wanken

Im Herbst vergangenen Jahres einigten sich die beiden Bier-Könige SAB Miller und AB Inbev auf eine 70 Mrd. britische Pfund schwere Übernahme.

Zu den damaligen Wechselkursen lag der Wert der Transaktion bei gut 100 Mrd. Dollar. Das war allerdings vor dem Brexit. Nachdem sich die Briten für einen Austritt aus der EU entschieden, fiel das Pfund stark ab.

Heute Morgen lag der Pfund-Kurs gegenüber dem Dollar bei nicht einmal mehr 1,31 Dollar. Zum Zeitpunkt der Deal-Ankündigung waren es noch rund 1,55 Dollar.

Der starke Verfall geht zu Lasten der Aktionäre, die keine Briten sind – und das ist die Mehrzahl der SAB Miller-Aktionäre. Diese sind mit der Übernahme-Entwicklung höchst unzufrieden und drohen offen damit, die Zustimmung zum Deal zu verweigern.

Jetzt hat Bieter AB Inbev reagiert und das Angebot auf 79 Mrd. Pfund angehoben. Damit ist der Währungsverlust in etwa egalisiert – doch der Deal bleibt aufgrund des Kursverfalls dennoch nicht sicher.

Eigentliche Hürde aus dem Weg geräumt

Als AB Inbev und SAB Miller die Übernahme im Oktober 2015 bekannt gaben, hat der Übernahme-Sensor einen holprigen Deal erwartet, der unter Umständen sogar platzen könnte.

Die Übernahme der Nr. 2 durch die Nr. 1 erschien höchst problematisch, da die Konzentration gerade in der US-Bierbranche bereits sehr hoch war.

Doch AB Inbev und SAB Miller verkauften rigoros Unternehmens-Anteile (in Europa wurde quasi das komplette SAB-Geschäft verkauft), um den Deal an den Wettbewerbs-Behörden vorbeizubekommen.

Mit Erfolg: Die US-amerikanischen und die europäischen Wettbewerbs-Behörden stimmten bereits zu. Ausstehend ist noch die Freigabe aus China.

Trotz hoher Prämie: Teile der Anlegerschaft will mehr

Im Vergleich zu den Behörden-Problemen wurde die Zustimmung der SAB Miller-Aktionäre als kleineres Problem angesehen.

AB Inbev bot nach mehreren Aufstockungen 44 Pfund je Aktie. Das Angebot enthielt eine Prämie von über 40% auf den SAB-Aktienkurs vor Aufkommen der Gerüchte und wurde von vielen Analysten als angemessen erachtet.

Was Analysten als fair erachten und was Investoren als fair empfinden, sind jedoch 2 Paar Schuhe. Wie so häufig ist einigen Aktionären der Preis trotz der hohen Prämie nicht hoch genug.

Wahlmöglichkeit des Übernahme-Angebots zunächst problemlos…

Neben den Aktionären, denen das Angebot zu niedrig ist, gibt es eine Reihe von Aktionären, denen die Ausgestaltung des Deals nicht passt.

Denn die Aktionäre haben die Wahl: Entweder – nach der heutigen Aufstockung um 1 Pfund je Aktie – 45 Pfund in bar oder ein Mischangebot aus Cash und Aktien, dass per heute einen Gegenwert von 51,14 Pfund je Aktie besitzt.

Die Wahlmöglichkeit wurde im Herbst vergangenen Jahres beschlossen, um Großaktionären einen zu großen Steuernachteil zu nehmen.

Ursprünglich lag der Wert der Offerte niedriger als das Bar-Angebot und neben dem geringeren Wert wurde auch festgelegt, dass die Aktien für 5 Jahre Handels-Beschränkungen unterliegen.

Keiner störte sich daran, wenn jemand „freiwillig“ weniger Geld will und der Deal wegen der Regelung zustande kommt.

…und dann doch größeres Deal-Hindernis

Mit 51,14 Pfund ist der Wert des Mischangebots inzwischen deutlich höher als das Bar-Angebot. Und jetzt stört es natürlich die Aktionäre.

Denn das auf die Großaktionäre zugeschnittene Angebot ist mehr wert – Kleinaktionäre erhalten den großen Nachteil, dass die Aktien 5 Jahre gesperrt sind.

Erste Aktionäre gingen daher auf die Barrikaden. Der bekannte Übernahme-Spezialist Elliott Management, sowie TCI, Davidson Kempner und Aberdeen Assett Management verlangten mehr Geld.

Nach der heutigen Aufstockung bleibt Aberdeen sogar dabei, dass die Offerte zu niedrig ist und zudem unfair, da sie auf die Großaktionäre zugeschnitten ist.

Es ist gut möglich, dass sich auch Elliott, TCI und andere der Meinung anschließen. Eine weitere Angebots-Erhöhung hat AB Inbev allerdings ausgeschlossen – und die ist damit auch rechtlich ausgeschlossen.

Fraglich ist daher nur, ob die Finanz-Investoren den Deal gegen die ziemlich sichere Zustimmung der beiden Großaktionäre zu Fall bringen können.

Die Aktie präsentiert sich heute gelassen und notiert nahezu unverändert knapp unter dem Angebotspreis. Übermorgen wird abgestimmt – der Übernahme-Sensor hält Sie auf dem Laufenden.

26. Juli 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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