BrExit: Britisches Pfund auf tiefstem Stand seit 30 Jahren

Der deutsche Leitindex DAX kletterte heute auf 10.619 Punkte. Der Zwischenspurt ist beachtlich, doch es geht noch deutlich besser:

Der britische Aktien-Leitindex knackte heute fast sein Allzeithoch. Der niedrige Pfund-Kurs beflügelt die Exportwerte.

Das britische Pfund markierte heute den tiefsten Stand seit 30 Jahren.

Ursache dafür ist, dass jetzt so gut wie sicher ist, dass im März nächsten Jahres die BrExit-Verhandlungen offiziell von der britischen Regierung beantragt werden.

Großbritannien könnte dann Mitte 2019 aus der Europäischen Union ausscheiden. Das erklärte die britische Premierministerin Theresa May am Sonntag.

Seitdem sackt das britische Pfund kontinuierlich weiter ab. Die Kurse britischer Aktien dagegen ziehen weiter an:

Der FTSE 100 (umfasst die 100 größten börsennotierten britischen Unternehmen) legte seit dem BrExit-Entscheid am 23. Juni um über 10% zu.

Die Folgen des schwachen britischen Pfunds

Kommen wir jetzt im Detail zu den Folgen des schwachen Pfunds:

Zunächst einmal zählt die britische Tourismus-Branche zu den großen Gewinnern.

Denn das schwache Pfund sorgt dafür, dass Reisen nach Großbritannien und beispielsweise Shopping-Trips nach London deutlich billiger werden.

Ebenso profitieren die britischen Exporteure. Denn durch das schwache Pfund werden britische Waren und Dienstleistungen im Ausland ebenfalls günstiger und dürften somit auch gefragter sein.

Die großen Verlierer sind die Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen importieren und die britischen Urlauber, die außerhalb Großbritanniens urlauben wollen.

Die Importeure müssen durch das schwache Pfund mehr für die Waren und Dienstleistungen zahlen, die sie importieren und die Urlauber, die außerhalb der Insel urlauben, müssen tiefer in die Tasche greifen, da das Pfund im Ausland weniger wert ist als zuvor.

Negative Folgen hat das schwache Pfund aber nicht nur für Unternehmen, die ausländische Waren und Dienstleistungen einkaufen, sondern auch für Privatpersonen, die z. B. jetzt ein deutsches Auto kaufen wollen.

Denn dieses wird aktuell deutlich teurer sein als noch zu Zeiten, in denen das Pfund stärker war.

Nachdem ich Ihnen kurz die Auswirkungen des schwachen Pfunds beschrieben habe, komme ich jetzt noch zu einem anderen Punkt:

Nach einer aktuellen Umfrage der Prüfungs- und Beratungs-Gesellschaft KPMG denken viele britische Chefs über eine Abwanderung nach.

Britische Unternehmens-Lenker denken über Abwanderung nach

Um genau zu sein, denken gut 3/4 der von KPMG befragten britischen Unternehmens-Chefs darüber nach, als Antwort auf das Anti-EU-Referendum Teile ihres Geschäfts oder sogar die Firmenzentrale umzusiedeln.

Ein wichtiger Grund für diese Gedankenspiele: Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Möglichkeiten Großbritanniens, Geschäfte zu machen, durch den Brexit negativ beeinflusst werden.

Wie viele Unternehmen oder zumindest Geschäftsbereiche tatsächlich umgesiedelt werden und wie viele Unternehmen, die zuvor in Betracht gezogen haben, ihren Unternehmenssitz nach Großbritannien zu legen, es jetzt nicht mehr tun werden, steht noch in den Sternen.

Unabhängig davon bin ich jedoch weiterhin davon überzeugt, dass die Folgen des BrExit insgesamt überschaubar sein werden und dass die Briten selbst den höchsten Preis dafür zahlen werden.

Sie als Aktionäre werden von den Folgen des BrExit auf mittlere bis längere Sicht kaum etwas zu spüren bekommen.

4. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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