Brexit – der DAX 30 legt 1,3% zu

Brexit – das war das beherrschende Thema am vergangenen Wochenende. In den Finanzmedien konnten Sie schlagzeilenträchtige Aussagen lesen, wie „schwarzer Freitag“ und „DAX 30 tiefrot“.

„Der DAX 30 verzeichnete den größten Tagesverlust seit der Finanzkrise des Jahres 2008“, wussten andere Medien zu berichten. Und es wurde Ihnen vorgerechnet, wie viele Milliarden Euro die DAX-Unternehmen an einem Tag weniger wert wurden.

Den Crash-Meldungen im DAX 30 halte ich mein Plus von 1,3% entgegen. Sicher überraschend angesichts der 10% Verlust, die der DAX 30 am Freitag, dem Tag nach der Brexit-Entscheidung, vorbörslich verbuchte. Sehen Sie selbst, wie ich zu meiner Aussage komme.

„Lügen mit Zahlen“

„Lügen mit Zahlen“ heißt ein Buch, das bei mir im Bücherregal steht. Dort wird anschaulich beschrieben, wie sich mit Zahlen manipulieren lässt, ohne im eigentlichen Sinne zu lügen.

Entsprechend haben die Medien, die Ihnen nach der Brexit Entscheidung der Briten vom Crash des DAX 30 berichtet haben, im juristischen Sinne nicht gelogen. Das große ABER:

DAX 30: Plus 1,3%

DAX-Index_2016_06_24

Chart wurde erstellt mit tradesignal

In diesem Chart des DAX 30 vom 15.06.2016 bis zum 24.06.2016 steht jeder senkrechte Balken für die Kursbandbreite eines Tages. Die waagerechte Linie links zeigt Ihnen den Eröffnungskurs, die waagerechte Linie rechts gibt Ihnen den Schlusskurs des Tages an.

Am 16.06.2016 lag das Tagestief des DAX 30 bei 9.432 Punkten. In Vorwegnahme eines erwarteten Verbleibs der Briten in der EU legte der DAX 30 bis zum Abstimmungstag (23.06.2016) auf 10.340 Punkte zu. Es kam anders als die Anleger es erwarteten. Wir bekamen den Brexit.

Der DAX 30 gab die Gewinne der Vortage wieder ab und schloss am Freitag mit 9.557 Punkten. Das liegt 125 Punkte oberhalb des Kurses, mit dem er seine kleine Rally begonnen hatte.

Gemessen an den Kursen vom Tief am 16.06.2016 bis zum Schlusskurs am 24.06.2016 hat der DAX 1,3% zugelegt (grüner Pfeil im Chart).

„Lügen mit Zahlen“

Nochmals zum „Lügen mit Zahlen“. Alles, was Sie in den Medien zum „schwarzen Freitag“ im DAX 30 gelesen haben, wird formal stimmen (sachliche Richtigkeit vorausgesetzt). Ich empfehle Ihnen aber dringend, Nachrichten zu hinterfragen, so wie ich es heute mit dem angeblichen Crash im DAX 30 gemacht habe. Sonst kommen Sie zu falschen Investitionsentscheidungen.

Ein Beispiel: Wenn Ihnen jemand vom Wertverlust der DAX-Unternehmen schreibt, mag er formal richtig liegen. Hier hätte man Ihnen nur ebenfalls sagen müssen, dass es nur die in wenigen Tagen vorher angesammelte Werte waren, die die DAX-Unternehmen wieder abgegeben haben.

Wobei „Wert eines Unternehmens“ in dem Zusammenhang auch zu hinterfragen wäre. Denn ein DAX-Konzern ist heute nicht weniger oder mehr wert als vor einer Woche, nur weil sich der Aktienkurs um wenige Prozentpunkte verändert hat. Das hat so gut wie nichts miteinander zu tun. Aber das ist ein anderes Thema.

Zum guten Schluss: Heute vor 117 Jahren, also am 27.06.1899, kam der deutsche Dichter und Lyriker Erich Limpach zur Welt. Er schrieb:

„Das Unwichtige zu vergessen, ist eine der bedeutsamsten Voraussetzungen, das Wesentliche zu erkennen.“

Für uns Börsianer lässt sich daraus ableiten:

Das Unwichtige auszublenden, ist eine der bedeutsamsten Voraussetzungen, Erfolg an der Börse zu haben.

Ich bemühe mich hier, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, um Ihnen Erfolg an der Börse zu ermöglichen. In der Hoffnung, dass es gelingt, sende ich beste Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

27. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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