Brexit hindert Henkel nicht am Übernahme-Kurs

Der zweite Handelstag nach dem Brexit verlief erneut sehr schwach. Über das Wochenende wurde deutlich, welche potenziellen Risiken der Brexit mit sich bringt. Auch wenn viele düstere Szenarien wenig wahrscheinlich sind: Der Markt preist so etwas immer ein.

Eine Reihe von Investoren geht davon aus, dass die Erstreaktion übertrieben ist und sich am Ende die alte Börsenweisheit: „Politische Börsen haben kurze Beine“ durchsetzt.

Begründet wird dies damit, dass der Ausstiegsprozess sich über mindestens 2 Jahre strecken wird, nicht unmittelbare Handels-Einbußen zu erwarten sind und es auch zu einer wirtschaftlichen Partnerschaft kommen dürfte.

Das ist richtig, nur gibt es daneben dennoch viele Ungewissheiten. Diese potenziellen Risiken müssen zunächst „entschärft“ werden – dann wird der Markt wieder drehen.

Brexit als Übernahme-Chance für Unternehmen und Private Equity: Buffett zeigt wie es geht

In einem unruhigen Umfeld mit verschiedenen potenziellen Gefahren ist es für nicht wenige Investoren schwer, sich zu einer Investition durchzuringen. Risikobereitere Investoren mit längerem Investitions-Horizont dagegen freuen sich, dass es runter geht.

Die Überzeugung, dass gute Unternehmen langfristig wertsteigernd sind, nutzen diese Investoren zum Einstieg – oder sogar zu einer Übernahme.

So hat etwa Star-Investor Warren Buffett diverse erfolgreiche Deals in Zeiten gestemmt, in denen nur die wenigsten auf der Käuferseite standen.

Henkel stemmt Milliarden-Deal

Parallel zur Brexit-Ankündigung meldete auch der Henkel-Konzern eine Milliarden-Übernahme. Für 3,6 Mrd. Dollar übernimmt der Waschmittel-Hersteller den US-amerikanischen Branchen-Kollegen Sun Products.

Sun Products ist mit den Marken Snuggle, All und Sun ein wichtiger Spieler auf dem US-Markt und soll die Deutschen dort stärker machen. Auf dem Heimatmarkt des größten Rivalen Proctor&Gamble wird Henkel im Waschmittel-Bereich einen Marktanteil von gut 20% haben.

Investoren vom Mehrwert der Transaktion überzeugt

Investoren hatten bereits auf einen Deal gewartet, da Henkel hatte bereits einen größeren Zukauf in Aussicht gestellt hatte. Zur Sun Product-Übernahme äußerten sich viele Investoren und Analysten mehrheitlich positiv.

Der Deal überzeuge durch eine stärkere Positionierung im attraktiven US-Markt und sei nicht zu teuer. Das wurde auch an der Börse honoriert. Trotz des DAX-Absturzes kann sich die Henkel-Aktie am Freitag besser halten als der Gesamtmarkt und legt heute zu.

Henkel will weiter zukaufen

Henkel kündigte an, dass man noch nicht fertig sei mit dem Übernahme-Kurs. Die starke Bilanz wird weiterhin für Zukäufe eingesetzt, wenn sich entsprechende Möglichkeiten ergeben.

Für einige Investoren ist das ein Argument, um nicht zu investieren. Denn jede Übernahme bringt auch Risiken mit sich.

Angesichts einer Vielzahl erfolgreicher Integrationen in den vergangenen Jahren, kann man die Henkel-Einkaufstour allerdings eher positiv als negativ sehen.

Und wer weiß: Vielleicht ist der nächste Deal schon recht nahe und der Brexit spielt Henkel bei den Preis-Verhandlungen in die Karten. Dann wird die Reihe der erfolgreichen Henkel-Deals weiter verlängert.

27. Juni 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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