Brexit ja? Brexit nein? Brexit-frei?

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EU-Kommissionspräsident Juncker und der britische Premierminister Johnson einigen sich auf geändertes Brexit-Abkommen. (Foto: Delpixel / Shutterstock.com)

Die Europäische Union (EU) und Großbritannien haben sich geeinigt:

Insbesondere bei der so umstrittenen Frage der Vermeidung einer Zollgrenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland sollen die Verhandlungspartner Juncker (Präsident der EU-Kommission) und der britische Premierminister Johnson überein gekommen sein.

Also wird am Ende doch noch alles gut? Der DAX sprang am Morgen nach Bekanntwerden der Einigung auf knapp 12.820 Zähler. Nun – nicht wirklich.

Inzwischen hat sich die Euphorie auch schon wieder deutlich gelegt: Der DAX notiert, während ich diese Zeilen verfasse (Stand: 14.10 Uhr) nur noch bei 12.680 Punkten.

Und dafür gibt es gute Gründe.

Der Brexit ist noch lange nicht fix

Der Brexit ist nun endgültig durch, richtig? Nein, falsch.

Bislang sind sich lediglich EU-Kommissar Juncker und Premierminister Johnson einig. Das bedeutet indes noch lange nicht, dass Großbritannien am 31. Oktober 2019 die EU nun endlich verlassen kann. Denn:

Zunächst muss der ab heute zusammen kommende EU-Gipfel den Deal absegnen. Das sollte wohl ohne Schwierigkeiten gelingen.

Noch wichtiger jedoch: Das britische Unterhaus muss dem aktualisierten Abkommen ebenfalls zustimmen. Und hier wird aus dem Lager der Labour-Partei schon erneut Ablehnung signalisiert. Zudem, das wissen Sie, verfügt Johnson im Parlament über keine Mehrheit.

Nordirland stellt sich ebenfalls gegen das neu verhandelte Ergebnis des Brexit-Abkommens.

Sorry! Aber ich sehe hier noch nicht wirklich, dass die Briten in 2 Wochen tatsächlich die Europäische Union verlassen.

Trump – Twitter – das Übliche

Und dann ist da ja noch der gute alte Donald Trump.

In einem Spitzentreffen mit den Demokraten soll er die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, als „drittklassige Politikerin“ beschimpft haben. Daraufhin lösten die entrüsteten demokratischen Vertreter die Tafelrunde umgehend auf.

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Per Twitter legte Trump dann nach: „Pelosi braucht dringend Hilfe und ist nicht ganz dicht im Oberstübchen. … Betet für sie, sie ist eine sehr kranke Person!“  – Ohne Worte.

Doch Trump macht sich weiter Feinde:

Vermutlich haben Sie es mitbekommen: Die Welthandelsorganisation (WTO = World Trade Organization) hatte den USA jüngst das Recht auf die Erhebung von US-Strafzöllen auf EU-Erzeugnisse eingeräumt. Es gilt laut der WTO als erwiesen, dass der Flugzeughersteller Airbus von der Europäischen Union rechtswidrig subventioniert wurde.

Schon ab morgen sollen nun Strafzölle auf in die USA eingeführte EU-Erzeugnisse in einem Umfang von 7,5 Milliarden USD erhoben werden. Betroffen sind davon nicht nur, wie man meinen könnte, Flugzeuge und Flugzeugteile, sondern auch Nahrungsmittel wie beispielsweise Käse, Olivenöl oder Wein.

Ach ja: Und selbstredend glaubt der US-Präsident, die EU habe kein Recht dazu, als Vergeltungsmaßnahme nun ebenfalls Strafzölle zu erheben. Wir werden es erleben.

Sie sehen im nachfolgenden 5-Minuten-Chart, was der DAX bis gegen 14.10 Uhr aus diesen Geschehnissen gemacht hat:

DAX: Frühe Gewinne lösen sich in Luft auf

Inzwischen notiert der DAX schon im Minus.

Fazit

Sind Sie die „unendliche Geschichte“ des Brexits auch allmählich leid? Mir geht das Thema schon lange auf den Keks! Entschuldigung! Schade, dass wir kein britisches Fernsehen schauen.

Denn von der Insel kommen zur Abwechslung auch mal gute Neuigkeiten: In Großbritannien wurde soeben ein „Brexit-freier“ Nachrichtensender etabliert! Super! Eine auch für uns Europäer wünschenswerte Einrichtung.

Ich hätte da auch gleich noch eine andere Idee: Die Erweiterung um eine „Politiker-Twitter-freie“ Komponente – kurz: ein PTf-Nachrichten-TV-Sender.

Das klingt doch prima!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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