Brexit: Zwei der reichsten Briten machen sich aus dem Staub

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Der bevorstehende Brexit oder das Märchen von mehr Wohlstand und mehr Arbeitsplätzen für alle. (Foto: JMiks / shutterstock.com)

Meinen heutigen Beitrag könnte man auch mit die Ratten verlassen das sinkende Schiff betiteln. Stand heute ist es am 30. März soweit. Dann sollen bzw. wollen die Briten die EU verlassen. Zwei der reichsten Briten haben bereits in den vergangenen Tagen in gewisser Weise das Land verlassen.

Es handelt sich dabei um den Chemie-Unternehmer Sir Jim Ratcliffe und den Staubsauger-Milliardär James Dyson. Beide sind übrigens ausgesprochene Brexit-Befürworter. Doch der Reihe nach: Nur wenige Wochen vor dem Brexit verlässt mit Jim Ratcliffe ein 24 Mrd. Euro schwerer Chemie-Unternehmer sein Land und zieht ins Steuerparadies Monaco.

Einer der lautesten Trommler für den Brexit macht sich also kurz vor dem Brexit aus dem Staub. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Natürlich zieht Ratcliffe vor allem wegen des besseren Wetters und wegen der Liegeplätze seiner beiden Yachten an die Cote d’Azur und nicht, weil er negative Folgen des Brexits befürchtet oder Steuern sparen will.

Britischem Staat entgehen Millionen an Steuereinnahmen

Nach einem Bericht der britischen Zeitung Times winkt ihm eine Steuerersparnis von mindestens 450 Mio. Euro. Möglicherweise könnten den britischen Finanzbehörden sogar mehr als 4 Mrd. Euro entgehen. Ratcliffe zieht übrigens zusammen mit zwei seiner Top-Manager nach Monaco.

Ratcliffes Chemie-Unternehmen Ineos, das rund 18.500 Mitarbeiter in 22 Ländern beschäftigt, wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Es erwarte aber nach dem Brexit business as usual (also keine Veränderungen im operativen Geschäft).

Bei Ratcliffes Landsleuten kommt die Steuerflucht verständlicherweise nicht gut an. Ebenso wenig werden die Briten meines Erachtens erfreut sein, wenn sie die wahren Konsequenzen eines wie auch immer gearteten Brexits zu spüren bekommen (dazu aber gleich mehr).

Der nächste britische Milliardär, der seinem Land den Rücken kehrt, ist der Staubsauger-Milliardär James Dyson. Dyson ist wie Ratcliffe ebenfalls Brexit-Befürworter und hat angekündigt, den Sitz seiner Firma nach Singapur verlegen zu wollen.

Vor dem Brexit-Referendum im Sommer 2016 hatte Dyson getönt, Großbritannien werde mehr Wohlstand und mehr Arbeitsplätze schaffen, wenn es sich außerhalb der EU befindet.

Die Verlegung des Firmensitzes habe aber natürlich nichts zu tun mit dem Brexit. Stattdessen stehen dahinter rein marktstrategische Gründe.

Meine Einschätzung

Die beiden britischen Milliardäre Ratcliffe und Dyson bereiten sich jetzt schon ein Stück weit auf einen möglichen ungeordneten Brexit vor. Der britische Normalbürger kann das leider nicht und wird sein böses Erwachsen erleben, wenn es denn tatsächlich dazu kommen sollte (was ich nach wie vor nicht glaube und hoffe).

Aber auch wenn es zu einem geregelten Brexit kommt, wird sich das Leben vieler Briten quasi über Nacht merklich verschlechtern. Und zum Thema mehr Wohlstand und mehr Arbeitsplätze für alle:

Wenn die Briten demnächst mit den Chinesen und den US-Amerikanern am Verhandlungstisch sitzen, werden diese Verhandlungen in etwa so auf Augenhöhe sein wie die Taschengeld-Verhandlungen zwischen Ihnen und Ihrem 7 Jährigen Kind oder Enkelkind.

Mit anderen Worten: Es ist völlig absurd, zu glauben, dass die Briten alleine bessere Handelsabkommen mit den wichtigsten Wirtschaftsnationen schließen können als die EU.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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