Bridgestone schluckt TomTom-Telematik

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Bridgestone legt sich Telematikspezialisten ins Depot. TomTom-Anleger winkt nach Verkauf eine satte Sonderausschüttung. (Foto: Jasni / shutterstock.com)

Heute kann ich Ihnen von dem jüngsten grenzüberschreitenden Deal berichten. TomTom, der niederländische Hersteller von Navigationsgeräten, veräußert sein Telematik-Geschäft an den japanischen Reifenhersteller Bridgestone. Für Experten kam die Meldung nicht unerwartet. Die Niederländer hatten den Geschäftsbereich mit gut 670 Mitarbeitern bereits im Herbst ins Schaufenster gestellt.

Der Kurs der Tom Tom-Aktie sackte direkt nach der Meldung um mehr als 5% in den Keller und notierte damit deutlich schwächer.

Bridgestone zahlt den Fünffachen Umsatz

Für die Telematiksparte des Konzerns legt Bridgestone immerhin 910 Millionen Euro in bar auf den Tisch. Der Verkaufspreis macht damit rund die Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung des niederländischen Unternehmens von 1,76 Mrd. Euro aus und liegt damit leicht über den ursprünglichen Preisvorstellungen von TomTom.

Unter dem Strich zahlt Bridgestone damit rund das fünffache des in der Sparte erzielten Umsatzes. Dabei ist der Geschäftsbereich vor allem auf Fuhrpark-Dienstleistungen spezialisiert, die momentan von 860.000 Fahrzeugen genutzt werden. Die Plattform ermöglicht es Kunden wie Nutzfahrzeugflotten, Leasinggesellschaften oder Firmenflotten, ihre Abläufe effizienter zu gestalten.

Die Zahlen sind durchaus beeindruckend: TomTom Telematics verarbeitet durchschnittlich über 800 Millionen GPS-Positionen, 3,3 Millionen Fahrten und 200 Millionen Datenpunkte pro Tag.

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Bridgestone schafft Plattform für vernetzte Fahrzeuge

Mit dem Zukauf steigt Bridgestone zum führenden Anbieter digitaler Flottenlösungen auf. Dabei verfolgt der japanische Großkonzern verschiedene Ziele. Zum einen sollen die Unmengen an Daten aus den Fahrzeugen zur virtuellen Reifenentwicklung verwendet werden.

Zum anderen sollen die Informationen für Simulationen verwendet werden. Mit der Einführung von autonomen Taxidiensten steigen laut Bridgestone-Chef Paolo Ferrari auch die Anforderungen an die Reifenhersteller. Hier gilt es neben extrem haltbaren innovativen Reifenlösungen auch die Vernetzung zu optimieren, damit die Fahrdienste über Sensoren rechtzeitig Hinweise erhalten, wann ein Reifenwechsel notwendig ist.

TomTom fokussiert sich auf digitale Kartendienste

TomTom will sich unterdessen mit dem Verkauf stärker auf das Geschäft mit digitalen Kartendiensten und Verkehrsinformationen konzentrieren. Sie müssen wissen: Das traditionelle Geschäft mit Navigationsgeräten ist seit langem rückläufig. Von seinen Glanzzeiten mit 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und einer Gewinnmarge von über 7% (in 2010) ist Tom Tom Lichtjahre entfernt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen nur noch 903 Millionen Euro Umsatz durch die Bücher und der Konzern rutschte in die Verlustzone (-204 Millionen Euro).

Mittlerweile punkten die Niederländer eher beim Verkauf von Lizenzen für Landkarten an Kunden wie Apple und Uber und beliefert Autobauer mit Kartendaten für das autonome Fahren.

Anleger winkt Sonderausschüttung

Laut den aktuellen Informationen wird der Zufluss nicht zur Weiterentwicklung dieses Geschäftsbereichs verwendet, sondern soll an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Insgesamt sollen mit 750 Millionen Euro mehr als 80% der Verkaufserlöse wieder an die Aktionäre zurückfließen.  Die soll zum einen durch eine Sonderausschüttung und zum anderen durch Aktienrückkäufe geschehen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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