Bristol-Myers Squibb – Finanzinvestoren torpedieren Celgene-Übernahme

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Starboard und Wellington wollen Bristols 70 Mrd. Dollar Deal zu Fall bringen. Bis zum rechnerischen Angebotspreis fehlen rund 20% - der Markt kann sich ein Deal-Aus also durchaus vorstellen. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Auf dem US-Pharmamarkt droht einer der größten Übernahme-Deals aller Zeiten zu platzen: Die zu Jahresbeginn mit großem Brimborium angekündigte Übernahme des Biopharma-Spezialisten Celgene durch den Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb (BMS) wird von mehreren Großaktionären des BMS-Konzerns abgelehnt. Sie kritisieren den Mega-Deal als zu riskant, undurchdacht und zu teuer.

BMS unterbreitet ein lukratives Angebot

Rückblick: In der ersten Januarwoche verkündete der US-Pharmariese BMS, dass er den Biopharma-Spezialisten Celgene für umgerechnet 74 Milliarden USD übernehmen will. Konkret wurde den Celgene-Aktionären für jede Aktie eine BMS-Aktie sowie 50 USD in Bar angeboten.

Inklusive einer erfolgsabhängigen Kompüonente (CVR) beinhaltete das Übernahmeangebot einen Aufschlag von 54 Prozent auf den Vortagesschlusskurs. Der Kurs der Celgene-Aktie schoss nach Bekanntwerden der Offerte um mehr als 30 Prozent in die Höhe.

Bis zum Angebotspreis blieb allerdings eine Lücke von über 10%. Dies ist immer ein Hinweis darauf, dass nicht wenige Aktionäre ein Scheitern des Deals befürchten.

Übernahme stärkt die Marktposition

BMS will mit der Celgene-Übernahme seine Rolle als führender Anbieter von Biopharmaka weiter ausbauen. „Zusammen werden wir unsere führende Stellung in den Bereichen Krebsmedikamente, Entzündungen und Erkrankungen des Immunsystems sowie der Blutgefäße ausbauen“, so Dr. Giovanni Caforio, CEO von BMS.

Besonders von Interesse ist für Caforio die fortgeschrittene Forschungspipeline von Celgene. Insgesamt stehen sechs Celgene-Medikamente mit einem Umsatzpotential von mehr als 15 Mrd. USD kurz vor der Zulassung.

Zusätzlich soll die Übernahme bis 2022 jährliche Kosteneinsparungen von 2,5 Mrd. USD ermöglichen. Die Verwaltungsräte beider Konzerne stimmten den Übernahme-Bedingungen zu. Das Celgene-Management empfiehltr den Aktionären die Zustimmung.

Finanzinvestoren vom Mehrwert des Mega-Deals nicht überzeugt

Doch ob diese der Empfehlung folgen, ist nicht sicher. Berühmt berüchtigte Finanzinvestoren lehnen den Deal ab oder zeigen sich zumindestens skeptisch. So sprach sich Wellington Management – mit gut 7 Prozent einer der größten BMS-Investoren – öffentlich gegen das Übernahme-Angebot aus. Aus Sicht von Wellington ist das Angebot zu riskant und auch zu teuer.

Mit Starboard Value lehnt ein weiterer bedeutender Aktionär der Branche den Übernahme-Deal ab. In einem offenen Brief an die BMS-Aktionäre erklärte Starboard, dass das Übernahme-Angebot unüberlegt und schlecht durchdacht sei. Starboard betont in seinem Schreiben insbesondere, dass einige der heute noch lukrativen Celgene-Arzneimittel schon bald ihren Patentschutz verlieren werden.

Die ablehnende Haltung der Großaktionäre zeigte auch am Kapitalmarkt Wirkung. In einer ersten Reaktion auf die Haltung der Großaktionäre zog der Kurs der BMS-Aktien um fast 2 Prozent an während die Celgene-Aktien um mehr als 9 Prozent nachgaben.

Aktuell notiert die Celgene-Aktie bei 85 Dollar und damit recht deutlich unter dem rechnerischen Wert von 102,64 Dollar. Sollte die erfolgsabhängige Komponente aus dem Angebot greifen, wäre die rechnerische Lücke sogar über 30% – ein klarer Hinweis darauf, dass der Deal wackelt.

Zeitnahe Entscheidung

Ob die Übernahme platzt oder nicht, wird sich am 12. April entscheiden. An diesem Tag hat BMS seine Aktionäre zu einer außerordentlichen Versammlung eingeladen, auf der über die geplante Übernahme von Celgene abgestimmt wird.

Da die erklärten Gegner der Übernahme, zusammen nur über knapp 10 Prozent der BMS-Anteile verfügen, reicht deren Votum alleine nicht aus, um den Deal zu gefährden. Die Finanzinvestoren Wellington und Starboard müssen also versuchen, weitere Investoren auf ihre Seite zu ziehen.

Doch dafür bleibt noch gut ein Monat Zeit und es wäre nicht das erste Mal, dass Finanzinvestoren einen Milliarden-Deal auf der Zielgeraden zu Fall bringen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.