Britischer Stromnetzbetreiber National Grid kauft WPD für 7,8 Mrd. Pfund

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Der britische Netzbetreiber National Grid erweitert sein Stromnetz durch einen Megadeal - als Teil einer ökologischen Neuausrichtung. (Foto: view7 - Fotolia)

Heute habe ich ein besonderes interessantes und komplexes Übernahmegeschäft für Sie herausgesucht. So hat der britische Strom- und Gasnetzbetreiber National Grid plc am Donnerstag bekannt gegeben, dass er ein Übernahme-Tauschgeschäft mit der US-amerikanischen Pennsylvania Power & Light Corporation (PPL) abgeschlossen hat.

National Grid übernimmt von den Amerikanern den größten britischen Stromnetzbetreiber Western Power Distribution (WPD), der die Stromnetze in den englischen Midlands, im Südwesten Englands und Wales betreibt. Für diesen Deal blättert National Grid stolze 7,8 Mrd. Britische Pfund (GBP – etwa 9 Mrd. Euro) auf den Tisch.

Parallel dazu hat sich National Grid bereit erklärt, das US-Versorgungsunternehmen Narragansett Electric Company (NECO) aus Rhode Island für 3,8 Mrd. US-Dollar (USD – etwa 3,2 Mrd. Euro) an PPL zu verkaufen.

National Grid wird größter Stromnetzbetreiber

Durch die Übernahme von WPD steigt National Grid zum größten Stromnetzbetreiber Großbritanniens auf. Bisher hatte National Grid große Teile des britischen Hochspannungsnetzes, das die Energie von den Kraftwerken abnimmt und landesweit verteilt, betrieben.

Jetzt übernimmt National Grid die vier Verteilnetze der WPD, über die Strom an etwa 7,9 Mio. Kunden geliefert wird. Die WPD hat ihren Sitz in Bristol, das im Südwesten Englands liegt, und beschäftigt aktuell mehr als 6.500 Mitarbeiter.

Deal ist Teil einer ökologischen Neuausrichtung

National Grid besitzt aktuell sowohl Strom- als auch Gasnetze in Großbritannien. Durch den Kauf von WPD erhöht sich der Vermögensanteil des Strombereichs von ca. 60% auf etwa 70%.

Zukünftig will sich National Grid ganz auf das klimaneutrale Stromgeschäft konzentrieren.

So hat das Unternehmen angekündigt, dass es noch in diesem Jahr einen Prozess für den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an National Grid Gas plc einleiten werde.

Durch die WPD-Übernahme und den Verkauf der Gassparte will National Grid eine zentrale Rolle bei der Erreichung der ambitionierten Klimaziele Großbritanniens einnehmen, was auch deutliche Vorteile für die Kunden mit sich bringe, so das Unternehmen.

Mit der Konzentration auf klimaneutralen Strom setzt der Stromverteiler auf einen Wachstumsmarkt. So erwartet National Grid, dass die Stromverteilung in der laufenden Energiewende ein hohes Wachstumspotenzial haben wird.

Börse reagiert uneinheitlich

Nach Bekanntgabe des Deals am Donnerstag Morgen sackte der Kurs der National-Grid-Aktie zunächst um -2,5% ab, erholte sich aber im Tagesverlauf wieder und ging mit 8,29 GBP aus dem Handel. Unter dem Strich lag der Schlusskurs nur um -0,3% unter dem des Vortages.

Anscheinend waren die Investoren zunächst über den doch sehr kostspieligen Deal geschockt worden. Doch im Tagesverlauf setzten sich die Optimisten durch, die das enorme Wachstumspotenzial des Ökostromgeschäfts zu schätzen wissen.

Wie es weitergehen wird

National Grid beabsichtigt, den bisherigen Hauptsitz von WPD in Bristol und auch die WPD-Büros in anderen Städten beizubehalten. Der Geschäftsführer (CEO) und auch der Finanzchef (CFO) von WPD werden übernommen und das britische Vertriebsgeschäft als Teil der vergrößerten Gruppe leiten.

Der Abschluss der WPD-Akquisition, die durch bereits zugesagte Überbrückungskredite finanziert wird, wird laut National Grid innerhalb der nächsten vier Monate erwartet.

Das Closing des NECO-Verkaufs in den USA soll voraussichtlich vor Ende des ersten Quartals 2022 erfolgen.

National Grid erwartet, den Verkaufsprozess an seinem Gas-Geschäft in der zweiten Hälfte 2020 einleiten zu können. Das Closing soll dann etwa ein Jahr später erfolgen. Zuvor müssen die National-Grid-Aktionäre sowie die zuständigen Aufsichtsbehörden dem Deals noch zustimmen.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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