Broadcom erhöht Offerte für Qualcomm auf 148,9 Mrd. Dollar

Broadcom erhöht den Druck auf QUalcomm und hebt das unaufgeforderte Übernahme-Angebot auf 82 Dollar je Aktie an. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Der Chipriese Broadcom hält an seinem Übernahme-Versuch für den Konkurrenten Qualcomm fest und hat seine unaufgeforderte Offerte noch einmal kräftig angehoben. Broadcom ist jetzt bereit, inkl. Schulden 148,9 Mrd. Dollar für den Übernahme-Kandidaten auf den Tisch zu legen.

Das Angebot ist bis zur Hauptversammlung Anfang März gültig. Entweder die Qualcomm-Führungsspitze setzt sich bis dahin an den Verhandlungstisch oder die Aktionäre unterstützen auf der Hauptversammlung die von Broadcom für die Qualcomm-Spitze nominierten Manager  – oder das Angebot ist passé.

Kommt es zu einem Deal, wäre es die größte Übernahme aller Zeiten in der Chipbranche und der drittgrößte Deal überhaupt. Es ist eine schwierige Entscheidung für das Qualcomm-Management, denn der Aufschlag auf den Aktienkurs ist enorm.

Hoher Aufschlag auf den Aktienkurs soll Qualcomm-Management an den Verhandlungstisch bringen

Das neue Übernahme-Angebot beläuft sich auf 82 Dollar in Cash und Aktien. Eine frühere Offerte in Höhe von 70 Dollar je Aktie wurde vom Qualcomm-Management als unzureichend zurückgewiesen.

Zum neuen Angebot hat sich das Management noch nicht geäußert, doch der Preis beinhaltet einen Aufschlag von 50% auf den Börsenkurs vor ersten Berichten, dass Broadcom eine Offerte lancieren wird.

Lücke zum Angebotspreis über 20%: Qualcomm-Investoren skeptisch

An der Börse notiert die Qualcomm-Aktie derweil deutlich unter dem Angebotspreis. Mit 61,73 Dollar liegt die Kurslücke bei hohen 25%. Trotz des aufgestockten Angebots beendet die Aktie den gestrigen Handelstag mit einem Minus von 6,5%.

Ein Grund ist das schwache Marktumfeld, doch Investoren haben offensichtlich auch große Zweifel, dass es einen Deal wirklich geben wird. Dies liegt vor allem daran, dass ein Zusammenschluss mit großen Wettbewerbshürden verbunden sein dürfte.

In Teilmärkten sind die Qualcomm und Broadcom bereits jetzt klare Marktführer und wenn dann auch noch aus den beiden größten Konkurrenten ein Unternehmen wird, dann wird das zwangsläufig die Wettbewerbsbehörden auf den Plan rufen.

Qualcomm verfolgt eigene Übernahme-Pläne

Der Übernahme-Vorstoß kommt für das Qualcomm-Management zu einem höchst ungünstigen Zeitpunkt, wenn es der Ansicht ist, dass das Unternehmen mehr wert ist.

Gleich an mehreren Fronten kämpfte das Unternehmen 2017 – unter anderem gegen Apple in einem Patentstreit.

Zugleich verfolgt der Konzern eigene Übernahme-Pläne. Qualcomm will sich den kleineren Chip-Konkurrenten NXP einverleiben, konnte den Deal bislang jedoch nicht in trockene Tücher bringen.

Broadcom würde zwar auch an einem Deal mit Qualcomm festhalten, wenn dieser Deal zu den vereinbarten Konditionen zustande kommt, doch danach sieht es aktuell nicht aus. Denn der NXP-Aktienkurs notiert deutlich über dem Angebotspreis und Finanzinvestoren üben großen Druck auf den Bieter aus.

(Interessenskonflikt: Die Qualcomm-Aktie ist Position in meinem Börsendienst AmericanTargets.)

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.