Broadcom mit 130 Mrd. Dollar schwerer Übernahme-Offerte

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Broadcom mit feindlicher Qualcomm-Offerte – Im Chip-Sektor könnte es demnächst die größte Übernahme aller Zeiten geben. Hier mehr darüber: (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Es wäre die größte Übernahme im Chipsektor aller Zeiten:

Der US-amerikanische Chip-Riese Broadcom will den Konkurrenten Qualcomm für die Rekordsumme von 130 Mrd. Dollar incl. Schulden übernehmen.

Von den Avancen des an der geringer kapitalisierten Konzern ist Qualcomm allerdings wenig begeistert:

Die Stellungnahme zu dem unaufgeforderten Angebot ist zwar noch nicht fertig, doch es heißt, dass Qualcomm die Offerte als feindlich einstufen wird.

Broadcom-Vorstoß nur dank Qualcomm-Aktienkursschwäche möglich

Broadcom bietet je Qualcomm-Aktie 60 Dollar in bar sowie 10 Dollar in Broadcom-Aktien.

Das Übernahme-Angebot enthält eine Prämie von rund 25% auf den Qualcomm-Aktienkurs vor dem Bekanntwerden der Übernahme-Pläne am späten Donnerstag.

Qualcomm soll Insidern zufolge das Angebot jedoch nicht hoch genug sein.

Der Chip-Hersteller durchläuft aktuell eine hauptsächlich durch iphone-Hersteller Apple verursachte Schwäche-Phase, sodass die voraussichtliche Ablehnung nicht sehr verwunderlich ist.

Im Dezember 2016 kostete die Aktie auch ohne Übernahme 70 Dollar. Damals war das Kräfteverhältnis sogar noch stärker zu Gunsten Qualcomms:

Während Broadcom an der Börse „nur“ rund 50 Mrd. Dollar schwer war, wog Qualcomm fast 100 Mrd. Dollar.

Übernahme könnte von Wettbewerbs-Behörden untersagt werden

Doch nicht nur deswegen wird Qualcomm die Übernahme ablehnen.

Als Hauptgrund dürfte angeführt werden, dass der Deal nur wenig Chancen hat die Gunst der Wettbewerbs-Behörden zu gewinnen.

Die beiden Branchen-Kollegen haben zwar 2 unterschiedliche Produktlinien, doch beide Unternehmen sind stark im WLAN- und Bluetooth-Geschäft.

Experten rechnen daher mit sehr scharfen Auflagen, wenn der Deal genehmigungsfähig ist.

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Zudem hat Qualcomm auch ohne Broadcom schon Ärger mit den Wettbewerbs-Behörden:

In verschiedenen Ländern wurde der Chip-Hersteller und Lizenzgeber bereits wegen Missbrauchs der Marktposition verurteilt. In den USA ist ein Prozess noch anhängig.

Qualcomm mit eigenen Übernahme-Plänen

Qualcomm wird aktuell nicht nur von Broadcom umworben, sondern will auch selbst einkaufen:

Für den Chip-Hersteller NXP Semiconductor hat Qualcomm ein 38 Mrd. Dollar schweres Bar-Angebot auf den Tisch gelegt.

Der im Vorjahr angekündigte Deal zieht sich allerdings hin, da Wettbewerbs-Behörden die Übernahme genauer unter die Lupe nehmen und der Übernahme-Aktivist Elliott Management auf einen höheren Preis drängt.

Ob der Deal in seiner bestehenden Form überhaupt abgeschlossen werden kann, ist fraglich. Qualcomm selbst geht davon aus, dass er bis Ende des Jahres abgeschlossen werden kann.

Wohl und Wehe könnte von erfolgreicher NXP-Übernahme abhängen

Es ist schwer zu prognostizieren, wie es jetzt weitergehen wird. Broadcoms Idee, die aktuelle Schwäche Qualcomms auszunutzen, ist ein cleverer Schachzug.

Wenn es gelingen sollte, nach einer erfolgreichen Übernahme die Probleme mit dem Qualcomm-Großkunden Apple beizulegen, dann wäre das ein 1A-Deal mit Sternchen.

Doch die Hürden sind hoch – nicht nur die wettbewerbsrechtlichen, sondern auch die Aktionärs-Hürden:

Trotz des Aufschlags könnte die feindliche Offerte nicht genug Unterstützung der Qualcomm-Aktionäre erhalten.

Ein Befreiungsschlag für das Qualcomm-Management könnte eine erfolgreiche NXP-Übernahme sein, die gerade mit Blick auf die Apple-Streitereien von höchstem strategischen Wert ist.

Sollte der NXP-Deal allerdings am Widerstand der Wettbewerbs-Behörden oder an dem der Aktionäre scheitern, dann hat Broadcom gute Karten, bei Qualcomm gegen den Willen des Managements mit einer leicht verbesserten Offerte zum Zug zu kommen.

Hinweis/Möglicher Interessens-Konflikt: Die NXP-Aktie ist Position in meinem Börsendienst AmericanTargets.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.