Broadcom: Nächster Milliarden-Deal in der Chip-Branche eingetütet

Das Übernahme-Fieber grassiert weltweit. Im Moment vergeht kaum ein  Tag, an dem es zu keinem Deal kommt.

Besonders hoch schwappt die Übernahme-Welle im Halbleiter-Sektor:

Nach Übernahmen von ARM, Linear Technologies oder HMI wurde erst vor wenigen Tagen der spektakuläre Zusammenschluss von Qualcomm und NXP Semiconductor eingefädelt.

Mit einem Kaufpreis von 47 Mrd. Dollar immerhin der größte Deal aller Zeiten in der Chip-Branche.

Aber es geht im Halbleiter-Sektor Schlage auf Schlag. Denn jetzt hat Broadcom eine Milliarden-Offerte für den Konkurrenten Brocade auf den Tisch gelegt.

Was die Hintergründe des Deals sind, erfahren Sie jetzt.

Broadcom schluckt Netzwerk-Ausrüster Brocade

Auch der jüngste Deal ist keine kleine Nummer. Der US-Konzern Broadcom will für den Netzwerk-Ausrüster Brocade immerhin 5,5 Mrd. Dollar auf den Tisch legen.

Zusätzlich werden rund 400 Mio. Dollar an Schulden übernommen. Damit wagt sich Broadcom mit einem gewaltigen Deal aus der Ecke.

Im letzten Jahr war das Unternehmen nämlich selbst noch von dem Rivalen Avago für 37 Mrd. Dollar geschluckt worden.

Jedenfalls ist Broadcom der Deal eine ordentliche Stange Geld wert. Immerhin beträgt der Aufpreis auf den Schlusskurs von Brocade knapp 50%.

Finanziert werden soll die Übernahme aus Bargeld und der Aufnahme von neuen Verbindlichkeiten.

2,6-facher Umsatz und 17-facher Gewinn

Das sind die konkreten Eckdaten des Deals. Der Kaufpreis liegt mit 5,9 Mrd. bei dem 2,6-fachen des letzten Jahres-Erlöses und dem 17-fachen der 2015er-Gewinne.

Wenn Sie sich die zurückliegenden Jahre ansehen, wird allerdings klar, dass Brocade so gut wie gar nicht mehr gewachsen ist:

In 2015 gingen mit 2,26 Mrd. Dollar Umsatz lediglich 5,4% mehr an Absatz durch die Bücher als im Jahr 2011.

Dafür machte der Netzwerk-Spezialist ordentliche Fortschritte bei der Profitabilität. Zuletzt blieben bei Brocade Gewinne in Höhe von 340 Mio. Dollar hängen.

Damit wurde die Gewinn-Marge von 2,36% im Jahr 2011 beachtlich auf 15,04% ausgebaut. Das ist die höchste Gewinn-Spanne seit dem Geschäftsjahr 2002.

Aufspaltung geplant

Dabei sind die Pläne von Broadcom äußerst brisant. Denn ein bedeutender Teil von Brocade soll im Anschluss gleich wieder weiterverkauft werden.

Laut Firmenchef Hock Tan verbessert der Chip-Hersteller mit dem Deal v. a. seine Position bei Speichernetzwerk-Lösungen für OEM-Kunden.

An dem Rest des Geschäfts hat Broadcom aber kein Interesse. Das heißt konkret: Die Geschäfts-Bereiche IP-Netzinfrastruktur und Software sollen nach dem Deal zeitnah wieder abgestoßen werden.

Der Hintergrund der Entscheidung macht dabei durchaus Sinn. Denn mit dem Geschäft hätte Broadcom seinen wichtigsten Kunden Konkurrenz gemacht.

Insbesondere in der IP-Netzwerk-Sparte gäbe es mit einigen Großkunden wie Cisco oder HP Enterprise Überschneidungen.

Aufsichtsräte haben bereits zugestimmt

Das Übernahme-Angebot wurde von Brocade begrüßt. Firmenchef Lloyd Carney stufte die Offerte sogar als verlockend ein.

Unterdessen haben die Aufsichtsräte beider Konzerne bereits ihre Zustimmung gegeben. Vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden soll der Deal dann im Oktober 2017 final über die Bühne gehen.

Der Aktienkurs von Brocade notiert nach dem Kurssprung mit 12,32 Dollar nur leicht unter dem Übernahme-Angebot von 12,75 Dollar.

Damit scheinen sich die Anleger schon einmal sehr sicher zu sein, dass der Zusammenschluss auch durchgeht.

3. November 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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